Wer damit gerechnet hatte, dass im Oetwiler Gemeinderat alles beim Alten bleibt, sah sich getäuscht. Der gestrige Wahltag in Oetwil endete mit einer Überraschung: Nach acht Jahren im Gemeinderat wurde der vor drei Jahren aus der Ortspartei der SVP ausgetretene Eugen Hunziker von SVP-Mann Urs Müller aus dem Amt gedrängt.
Müllers Freude ist denn auch «riesig», wie er gegenüber der «ZSZ» erklärt. «Ich hatte keine Ahnung, wie die Wahl ausgehen wird.» Er sei froh, dass nun Gewissheit herrsche, gegen Ende des Wahlkampfs sei er doch recht angespannt gewesen. Seine Wahl führt er darauf zurück, dass er sich dem Volk so vorgestellt habe, wie er wirklich sei: «Ich bin stets authentisch geblieben.» Die Leute schätzten, dass sie wüssten, woran sie mit einem Kandidaten seien. Welche Gefühle hegt er bezüglich des aus dem Amt gedrängten Eugen Hunziker? Er kenne ihn nicht persönlich, sagt Müller. Wer zu einer Kampfwahl antrete, müsse aber immer damit rechnen, über die Klippe springen zu müssen. Er gehe jedoch davon aus, dass sowohl Eugen Hunziker als auch Roland Grimm die Nichtwahl mit Grösse tragen würden. Müller zeigt sich nach der Wahl nicht nur erfreut, sondern auch energiegeladen: «Ich kann es kaum abwarten, mit der Arbeit loszulegen.» «Wie viele Leute spielen falsch?»
Bitter enttäuscht zeigt sich Ex-SVP-Mann Eugen Hunziker: «Für jemanden, der sich so viele Jahre lang für die Gemeinde eingesetzt hat, ist diese Abwahl eine Demütigung», sagt er. Über die Gründe kann er im Moment nur spekulieren. Nach ersten Gesprächen mit den Leuten sei es - entgegen seiner Vermutung - vielleicht doch nicht so unbedeutend gewesen, dass er am politischen Podium im Vorfeld der Wahl nicht aufgetreten sei. «Ich habe an diesem Abend einfach andere Prioritäten gesetzt», erklärt er.
Trotzdem, eine solche Abfuhr habe er nicht erwartet. Vor allem, weil sich im Vorfeld ihm gegenüber so viele Wähler positiv geäussert hätten. «Da stellt sich mir schon die Frage», sagt Hunziker, «wie viele Leute falsch spielten.» An seinen Diensten für die Gemeinde könne es nicht liegen: «Ich stehe mit meiner Arbeit einwandfrei da.» Trübsal will er trotz der Niederlage auch in Zukunft nicht blasen: «Ich werde ein optimistischer Mensch bleiben.»
Dass er den Einzug ins Gemeindehaus zwar nicht geschafft, das absolute Mehr jedoch erreicht hat, erfüllt den als parteilos angetretenen Roland Grimm mit Zufriedenheit: «Soweit habe ich mein persönliches Wahlziel erreicht.» Trotzdem empfinde er eine gewisse Enttäuschung über die Nichtwahl, sagt Grimm, er hätte sich gerne für das Gemeinwohl eingesetzt. Aus den vielen Leerstimmen schliesse der Ex-Bademeister jedoch, dass im Dorf eine gewisse Unzufriedenheit herrsche. «Die Bevölkerung wäre bereit für einen Wechsel», glaubt er, «vielleicht bin ich als Büezer einfach nicht die richtige Person.»
Die Stimmbeteiligung in Oetwil am See betrug knapp 30 Prozent.
Mitglieder. Gewählt sind: Thomas Zeier (SVP, neu), 493 Stimmen; Jacqueline Baumeler (FDP, bisher), 491 Stimmen; Sandra De Antoni (SVP, bisher), 485 Stimmen; Manuela Walthert (SVP, neu), 471 Stimmen; Barbara Loosli (CVP, bisher), 465 Stimmen; Anita von Aarburg (CVP, bisher), 437 Stimmen.
Mitglieder. Gewählt sind: Rolf Jahn (FDP, bisher), 541 Stimmen; Hans Nef (SVP, bisher),527 Stimmen; Raymond Junet (FDP, bisher), 508 Stimmen; Peter Küng (CVP, bisher), 504 Stimmen; Erwin Metzger (SVP, bisher), 496 Stimmen. Präsidium. Gewählt ist: Hans Nef 465. Absolutes Mehr 268.
Mitglieder. Gewählt sind: Josef Diethelm (CVP, bisher), 518 Stimmen; Verena Tenger (FDP, bisher), 518 Stimmen; Andreas Geiselmann (SVP, neu) 503 Stimmen; Thomas Pally (SVP, neu) 490 Stimmen.
Mitglieder. Gewählt sind: Barbara Zenobi (bisher), 284 Stimmen; Manuela Bosshard (neu) 281 Stimmen; Anita Spring (bisher), 275 Stimmen; Michael Idda (neu) 263 Stimmen; Erwin Forster (bisher), 259 Stimmen; Marianne Rohrer-Bürgi (neu) 247 Stimmen. Nicht gewählt: Verena Bruderer-Bürgi (neu) 50 Stimmen.
Präsidium: Michael Idda 221. Absolutes Mehr 132. |