Die Windstösse gestern Nachmittag hatten wohl auch das eine oder andere Wahlplakat in Männedorf kurzzeitig flachgelegt. Nicht so die Podiumsdiskussion am Abend im Singsaal Hasenacker: Die Kandidaten ums Gemeindepräsidium, André Thouvenin von der FDP und sein SVP-Kontrahent Werner Zollinger, lieferten sich kein übermässig stürmisches Duell. Dennoch war der Anlass ein Zwischenhoch im bisher verhalten geführten Wahlkampf, bei dem sich beide Kandidaten von ihrer Sonnenseite zu präsentieren versuchten.
Die Sonne war gleich zu Beginn ein Thema - genauer jene im Parteilogo der SVP, das auf vielen von Zollingers Wahlplakaten fehlt. Er stehe zum «Sünneli», beteuerte der 52-Jährige, wenngleich er sich auch immer wieder getraue, in Sachfragen eine von der Partei abweichende Meinung zu vertreten. Thouvenin bekannte seinerseits, «etwas linker» zu stehen, als es der FDP bisweilen lieb sein könnte. Zugleich hob er die über hundert Personen hervor, die in Inseraten «mit ihrem Namen für mich hinstehen», während sich Zollingers überparteiliches Unterstützungskomitee bislang mit Personalien bedeckt gehalten hat. «Exekutive ist zum Führen da»
Moderator Christian Dietz-Saluz, Redaktionsleiter der «Zürichsee-Zeitung» (der nach Halbzeit für «Gleichberechtigung» zwischen dem krawattierten Thouvenin und dem schlipslosen Zollinger sorgte, indem er sich seiner Krawatte entledigte), gab vier Kernthemen vor: Dorfentwicklung, Finanzen, Sicherheit und Arbeitsplätze in Männedorf. Wachstum sei grundsätzlich positiv zu werten, befand Werner Zollinger zum ersten Thema - es habe unter anderem einen tieferen Steuerfuss ermöglicht. Sorgen bereitet dem amtierenden Bauvorstand aber offenbar die S-Bahn: Das überaus attraktive Angebot sei ein «Treiber», dass der Druck auf die Gemeinde durch Neuzuzüger weiter anhalte. Im Gegensatz zu Zollingers Befund, dass der grösste Wachstumsschub vorbei sei, berichtete Thouvenin von seinem zweijährigen Enkel, der im Dorf «überall nur Kräne» sehe. Eine wachsende Bevölkerung benötige auch die entsprechende Infrastruktur, was für die Gemeinde Kosten bedeute. Obligates Thema war hier natürlich der Steuerfuss. Während Zollinger betonte, mit der Senkung des einst «eher unattraktiven» Steuerfusses einen «Tolggen» in Männedorfs Reinheft behoben zu haben, relativierte Thouvenin dessen Bedeutung: «In eine Gemeinde zieht man doch vielmehr wegen der Lage oder einer schönen Wohnung.» Er warnte entsprechend davor, auf Kosten von Infrastrukturausgaben den Steuerfuss unbedingt tief zu halten.
Uneins waren sich die beiden auch über Sinn oder Unsinn der heute verbreiteten dorfpolitischen Mitwirkungsverfahren. Laut Zollinger gilt es bei komplexen Fragestellungen «frühzeitig die Haltungen der Bürger einzubeziehen». Thouvenin hingegen bekannte sich zu einer etwas anderen Philosophie: «Die Exekutive ist da, um zu führen. Wer immer nur die Leute befragt, kommt nicht vorwärts.» Ein «Männidörfler» im Herzen
Überhaupt präsentierte sich der 63-jährige Jurist, der neben dem behördenerfahreneren Zollinger als Neuling gilt, als zupackend und couragiert - etwa indem er schilderte, wie er eigenhändig störende Graffiti entferne oder herumliegenden Abfall entsorge. Zollinger hingegen gab den politischen Routinier und wiederholte mehrfach und inklusive Auf-den-Tisch-Klopfen, wie sehr ihm «Männidorf» am Herzen liege. Das knapp 100-köpfige Publikum zeigte auf beide Strategien lediglich verhaltene Reaktionen; lautstarke Sympathiebekundungen in die eine oder andere Richtung blieben aus.
In manchen Punkten waren sich die Kandidaten aber auch einig: dass die Friedhofsschliessung für Jugendliche angemessen gewesen sei, aber in absehbarer Zeit wieder aufgehoben werden solle. Dass die laufende «Respekt»-Kampagne gegen Vandalismus und Littering eine gute Sache sei. Und dass Männedorf weiterhin neben Wohnraum auch Arbeitsplätze bieten solle. |