Die Podiumsdiskussion in Oetwil begann am Montagabend mit einem kleinen Eklat: Der - wegen Knatsch mit Parteikollege Werner Bosshard - aus der Ortspartei der SVP ausgetretene Eugen Hunziker erschien nicht wie angekündigt. Er entschuldigte seine Abwesenheit schriftlich mit einem wichtigen Sitzungstermin. Eine Absage, die bei CVP-Präsident Josef Diethelm Kopfschütteln auslöste: «Wenn Eugen Hunziker an einem der wichtigsten Daten des Wahlkampfs fehlt, nimmt er die Sache nicht ernst.» Als Parteipräsident erwarte er, dass alle Kandidaten zu dieser Veranstaltung erscheinen. «Das Datum stand schliesslich schon lange fest», sagte ein sichtlich verärgerter Diethelm.
Dafür kamen alle anderen Kandidaten, die am 25. April in den Gemeinderat gewählt werden wollen: Ernst Sperandio (CVP, bisher), Werner Bosshard (SVP, bisher), Roland Grimm (parteilos, neu), Annik Maag-Tschannen (parteilos, bisher), Barbara Müller-Tobler (CVP, bisher), Urs Müller (SVP, neu), Marcel Niggli (FDP, bisher), Roland Rudolf (SVP, bisher).
Roland Grimm, der als Parteiloser einen Platz im Gemeinderat anstrebt, zeigte sich vor der Veranstaltung gespannt - und auch ein bisschen unsicher. Er stehe schliesslich zum ersten Mal auf der Politbühne. Vorbereitet habe er sich nicht: «Das kommt bei mir spontan aus dem Bauch.» Schule zu teuer?
Podiumsleiter Raphael Briner («Tages-Anzeiger») stellte den Gemeinderatskandidaten Fragen zu den Themen Schule, Sicherheit und Finanzen. Zu letzterem lieferten die Angesprochenen keine Patentrezepte: Mit attraktiven Einkaufsmöglichkeiten, Kinderkrippen, einer guten Siedlungsentwicklung und einem ausgebauten öffentlichen Verkehr sollen steuerkräftige Zuzüger angelockt werden. «Wohlhabende Leute wollen grosse Grundstücke für ihre Häuser», gab Gemeindepräsident Ernst Sperandio zu bedenken, «und von denen gibt es in Oetwil nur noch wenige.» An der Frage, ob die Schule zu viel koste, schieden sich die Geister: Während Annik Maag-Tschannen überzeugt ist, dass man an der Schule nicht sparen dürfe, fragte der «Neue» der SVP, Urs Müller, wie es zu einer Verdoppelung des Sonderschulbeitrags auf 1,8 Millionen Franken kommen konnte. «Ist es der hohe Ausländeranteil?», hakte er nach. Schulpräsident und Parteikollege Roland Rudolf erwiderte, dass die hohen Kosten vor allem mit dem ungewöhnlich starken Zuzug von bildungsfernen und behinderten Kindern in letzter Zeit zusammenhänge. Roland Grimm ortete das Problem auch woanders: Die vielen Stellenwechsel in der Lehrerschaft hätten unnötig hohe Kosten verursacht.
Beim Thema Sicherheit waren sich die Kandidaten einig: Fürchten müsse sich niemand im Dorf, aber die Zunahme von Vandalismus und Littering sei bedenklich. Schulpräsident Roland Rudolf rief zu mehr Zivilcourage auf, und Annik Maag-Tschannen erklärte, dass eine Respektkampagne bereits in Planung sei. Roland Grimm fragte, ob auf die Videoüberwachung nicht besser zugunsten von Prävention bei Jugendlichen hätte verzichtet werden können. Missmut über Mütter-Taxi
Bei den anschliessenden Fragen aus dem Publikum herrschte anfänglich grosse Zurückhaltung. Erst als eine Oetwilerin ihrem Missmut über Mütter, die ihre Sprösslinge in die Schule kutschieren, Luft machte («die würden bis ins Schulhaus fahren, wenn sie könnten»), taute die Versammlung etwas auf: Es wurden einzelne persönlichere Fragen an die zwei neuen Kandidaten gestellt. So etwa, ob sie denn neben ihren Geschäften noch Zeit hätten für ein politisches Amt. Beide betonten daraufhin, dass sie im Betrieb gut eingearbeitete Mitarbeiter hätten. Gesichter zu Namen
Nach dem offiziellen Podium bezweifelte Urs Müller, dass sich die rund 100 erschienenen Wähler nun ein besseres Bild von den neuen Kandidaten machen könnten: «Die persönliche Vorstellung kam meines Erachtens zu kurz.» Eine Stimmbürgerin zeigte sich hingegen zufrieden mit dem Resultat. Man wisse jetzt immerhin, wie die Gesichter zu all den Namen auf den Wahllisten aussähen, erklärte sie.
Auch ein junger Mann kam vor allem darum, weil er «einfach mal die Gesichter der Kandidaten sehen» wollte. Er habe sich trotz der eher oberflächlichen Fragen durchaus eine Meinung bilden können: «Ich weiss jetzt», sagt er mit Bestimmtheit, «wen ich am 25. April nicht wählen werde.»
So gesehen, lag Eugen Hunziker mit seinem Entscheid, dem Anlass fernzubleiben, vielleicht gar nicht so falsch. |