Eine ungewohnte Position nahmen Gemeindepräsident Hans Isler (SVP) und Bauvorstand Jürg Herter (FDP) am Montagabend im «Löwen» ein: Die beiden Meilemer Urgesteine, die im Frühling zurücktreten, sassen für einmal nicht auf der Bühne, um den Stimmbürgern irgendwelche Anträge schmackhaft zu machen. Stattdessen beobachteten sie entspannt und teils amüsiert, was sich auf dem Podium abspielte. Dort bemühten sich alle Kandidaten, die am 25. April in den Gemeinderat gewählt werden wollen, einen möglichst vorteilhaften Eindruck beim Publikum zu hinterlassen.
«Ich wünsche mir natürlich, dass wieder ein Architekt gewählt wird», sagte Jürg Herter vor der Podiumsdiskussion, die von der Interparteilichen Konferenz (IPK) organisiert worden war. Kein Wunder: Der oft gescholtene Bauvorstand ist selbst Architekt, und die FDP möchte ihn durch den Architekten Felix Huber ersetzen. Ob Herters Wunsch in Erfüllung geht, hängt unter anderem davon ab, ob sich Huber am 25. April gegen die anderen «Neuen» durchsetzen kann: Yves Gadient und Judith Haggenmacher (beide SVP), Martin Hegglin (CVP) sowie Theo Geser (parteilos). Klar ist, dass die sechs Bisherigen, die nochmals antreten - Christoph Hiller, Beatrix Frey-Eigenmann (beide FDP), Peter Jenny (SVP), Irene Ritz (SP), Beat Hodel und Rolf Walther (beide parteilos) -, damit rechnen müssen, ihren Sitz zu verlieren. Denn zu vergeben sind nur acht Gemeinderatssitze. Der neunte fällt wegen der Einführung der Einheitsgemeinde automatisch an den Schulpräsidenten, der als Schulpfleger gewählt wird. SVP-Gadient störte den Konsens
Während der Diskussion, die von «Tages-Anzeiger»-Redaktor Lorenzo Petro geleitet und von rund 150 Zuschauern verfolgt wurde, wandten die «Neuen» unterschiedliche Strategien an. Felix Huber gab sich staatsmännisch und ganz auf der Linie des Gemeinderates. Dass er bereits als künftiger Bauvorstand gehandelt wird, schien ihn trotz aller Dementis («Erst muss ich gewählt werden») kaum zu stören. Zugute kam Huber, dass sich die Diskussion hauptsächlich um Bauthemen drehte. Zuerst ging es um die Frage, ob die Gemeinde in Dollikon Land abgeben solle für den Bau von 20 bis 25 Wohnungen für den Mittelstand, wie der Gemeinderat Ende Jahr angekündigt hat.
Während alle Kandidaten von der SP bis zur FDP für dieses Vorhaben plädierten, weil es die zunehmend bedrohte soziale Durchmischung fördere, übernahm Yves Gadient die Rolle des Konsens-Störers. «Mit diesem Projekt wird Geld verschleudert, damit eine kleine Gruppe bevorteilt werden kann», sagte der Geschäftsführer der SVP-Kantonalpartei. Der Gemeinderat wäre besser beraten, fünf Projekte auszuarbeiten und die Stimmbürger entscheiden zu lassen. Damit handelte sich Gadient harsche Kritik ein: Er sei «kleinlich», warf ihm Beat Hodel vor, während ihn Felix Huber gar mit «Neidern und Geizkragen» in Verbindung brachte, deretwillen man den «Karren» nicht stoppen werde. Selbst Gadients Parteikollege Peter Jenny liess ihn im Stich: «Ich bin froh, dass wir in Dollikon eine Lösung gefunden haben», sagte er, «vor allem Gewerbetreibende sind auf bezahlbaren Wohnraum angewiesen.» Geser nicht oberster Opponent
Gadient konterte mit einem Rundumschlag gegen die Parteilosen, der vor allem auf Beat Hodel zielte. «Bei dem weiss man doch gar nicht, wo er steht», stichelte er. Der Angesprochene erwiderte, er sei bürgerlich-liberal, und überhaupt spiele Parteidenken im Gemeinderat keine grosse Rolle. Der SVP werde er jedenfalls «sicher nicht» beitreten. Als «liberal» stuften sich auch Rolf Walther und Theo Geser ein, wobei Letzterer präzisierte, er sei gesellschaftspolitisch «sehr liberal» und in Finanzfragen «eher bürgerlich». Geser ist im Dorf bisher vor allem als Gegner gemeinderätlicher Zentrumspläne aufgefallen: Er war einer der Hauptgegner des Projekts «Nucleus», das an der Urne scheiterte. Zudem setzte Gesers IG Dorfkern zum Ärger des Gemeinderates einen Architekturwettbewerb für ein Parkhaus und einen Gemeindehausanbau durch. Als «Ober-Oppositioneller» sieht sich Geser trotzdem nicht: «Ich stimme mit dem Gemeinderat ansonsten in den meisten Fragen überein.» Und in der Zentrumsplanung sei man nun ja auf dem richtigen Weg. Hiller im Geiste von Isler
Doch die Voten der anderen Kandidaten zeigten, dass die Meinungen über den «richtigen Weg» im Dorfzentrum nach wie vor auseinanderklaffen. Während die junge Postbotin Judith Haggenmacher gegen den Bau von weiteren «grauenhaften Flachdächern» plädierte, warnte Christoph Hiller davor, das Problem auf Dachformen und einzelne Bauten zu reduzieren: «Was wir brauchen, ist ein ganzheitlicher Ansatz», sagte der einzige Kandidat für das Gemeindepräsidium. Ein Parkhaus «isoliert» zu bauen, wie das die Initiative der IG Dorfkern vorsehe, sei jedenfalls nicht das «Ei des Kolumbus». Hans Isler konnte mit seinem Nachfolger in spe zufrieden sein: Genauso hätte er wohl auch argumentiert, wenn er nicht im Publikum, sondern auf der Bühne gesessen hätte. |