Lange sah es danach aus, als könnten die Kandidaten für den Zolliker Gemeinderat einem ruhigen Wahltag entgegenblicken. Sieben Kandidaten würden sich am 25. April für sieben Sitze bewerben, war dem Wahlinserat der Gemeinde vom letzten Freitag zu entnehmen: Thomas Bänninger, Dominique Bühler, Jürgen Schütt (alle Forum 5W), Martin Byland, Urs Fellmann, Katharina Kull (alle FDP) und Daniel Weber (SVP). Doch an eben diesem Freitag, kurz vor Ablauf der Eingabefrist, meldete sich ein parteiloser Sprengkandidat: Robert Lang.
Der Mann ist ein Urzolliker: Als er ein Jahr alt war, sind seine Eltern in den Zollikerberg gezogen. Mit 26 Jahren zog es ihn ins «Dorf». Verheiratet ist der Vater von einem Sohn mit einer Zolliker Altbürgerin. Lang kennt Berg und Dorf wie seine Westentasche. «Viele meiner Freunde sind ehemalige Klassenkameraden aus meiner Schulzeit.» Lang, der im Gewerbezentrum Zollikon ein Motorradfachgeschäft besitzt, hat sich schon früh in der Gemeinde engagiert. Ein Jahr lang war er im Rekrutenzug der Feuerwehr, bevor er für drei Jahre im Löschzug Sennhof Dienst leistete. Dann zog es ihn an den See. Er trat dem Seerettungsdienst bei, wo er während 24 Jahren - davon 22 als Leutnant - viel von seiner Freizeit investierte. Das Gewerbe vertreten
Nach dem altersbedingten Austritt aus dem Seerettungsdienst will sich der 54-Jährige einer neuen Aufgabe in der Gemeinde stellen. Weshalb hat er so lange gezögert, bis er seine Kandidatur bekannt gegeben hat? «Ich wollte sicher sein, dass ich der Aufgabe wirklich gewachsen bin. Meine Familie und Freunde unterstützen mich in meiner Entscheidung sehr», erklärt Lang. Für ihn sei nicht nur wichtig, dass der Bevölkerung jetzt acht Kandidaten zur Auswahl stehen, sondern auch, dass im Gemeinderat ein Handwerker vertreten ist. «Ich kenne viele Gewerbetreibende und möchte ihnen im Gemeinderat eine Stimme geben.»
Was hat den Ausschlag für seine Kandidatur gegeben? «Es gab sicher Dinge, die mich in den letzten Jahren gestört haben, die ich anders gelöst hätte. Oft hatte ich das Gefühl, dass eine unabhängige Meinung im Gemeinderat fehlte. Nun möchte ich nicht mehr die Faust im Sack machen.» Welche Ziele möchte er als Gemeinderatsmitglied vertreten? «Zollikon soll als Dorf mit einem aktiven Dorfleben erhalten bleiben. Die Chilbi zum Beispiel ist auch für uns Erwachsene noch immer ein jährliches Highlight.» Ein aktives und attraktives Dorfleben sei allerdings nur dann möglich, wenn man sich für dieses Ziel stark einsetze. Zuerst zuhören
Auf die Frage, welches Wunschressort zuoberst stehen würde, ist für Robert Lang klar, dass er für alle Aufgaben offen ist. Doch egal, welches Ressort es am Ende sein würde, eines ist Robert Lang bewusst: «Es käme sicher viel Arbeit auf mich zu.» Und: «Ich werde zuerst zuhören. Ich muss hinter die Kulissen schauen und verstehen lernen, wie die Abläufe sind. Erst dann kann ich meine Ideen einbringen und versuchen, sie im Team umzusetzen.» |