Eine SP-Schulpflegerin will am 25. April nochmals zur Wahl antreten. Dies, obwohl ihr Amtskollegen und Partei dringend davon abraten. Lucien Scherrer
Die anstehenden Gemeindewahlen sorgen für allerlei pikante Dorfgeschichten: Ränkespiele, Parteiaustritte und so weiter. Erinnert sei etwa an die Erlenbacher FDP, die «ihren» Schulpräsidenten Max Wullschleger als Kandidaten abgesägt hat. Oder an den Uetiker Gemeindepräsidiums-Aspiranten Urs Mettler, der die FDP verlassen hat, weil diese ihn einem «Hearing» unterziehen wollte. Ein äusserst kurioser Fall spielt sich derzeit in Stäfa ab. Hier will die sozialdemokratische Schulpflegerin Ursula Siegrist-Rothweiler nochmals kandidieren - allerdings gegen den ausdrücklichen Willen ihrer Partei und ihrer Amtskollegen. Siegrist ist wegen der Meinungsverschiedenheit über ihre Kandidatur bereits aus der SP-Ortspartei ausgetreten (siehe «Zürichsee-Zeitung» vom 11. Februar).
Bei der SP Stäfa erklärt man den Liebesentzug für Siegrist so: Die Schulpflegerin sei im Frühling 2009 als Präsidentin des Ressorts Sonderpädagogik abgesetzt worden, weil es «Probleme» gegeben habe. «Deshalb haben wir ihr empfohlen, nicht mehr anzutreten», sagt Ortsparteipräsidentin Ursina Egli. Welcher Art die Probleme in der Behörde waren, will man bei der SP nicht sagen. Nur so viel: Man betrachte Siegrist als «unabhängige Kandidatin» und werde sich ihr gegenüber «neutral» verhalten.
«Sehen das als Trotzreaktion»
Derzeit fungiert Siegrist auf der Homepage der Schulpflege als einfaches Mitglied. Im Gegensatz zu ihren acht Behördenkollegen, die allesamt eines oder mehrere Ressorts betreuen. Sie selber bestätigt gegenüber der «ZSZ», dass sie im Frühling 2009 vom Präsidium der Sonderpädagogik suspendiert worden ist. Im gegenseitigen Einverständnis, wie sie betont. Das Präsidium habe sie zu sehr in Anspruch genommen und zeitlich überlastet. Jetzt fühle sie sich aber bereit für eine weitere Amtszeit.
Doch genau das sieht nicht nur ihre Ex-Partei ganz anders. «Es ist für sämtliche Mitglieder der Schulpflege völlig unverständlich, dass Frau Siegrist nochmals antritt», sagt Patrick Beetz (FDP), Vizepräsident der Behörde. Offensichtlich handle es sich um eine Trotzreaktion. Aus Sicht der Schulpflege ist eine weitere Zusammenarbeit mit Ursula Siegrist schlicht «nicht mehr möglich». Denn während Siegrists krankheitsbedingter Auszeit wurde laut Beetz festgestellt, dass sich ihre Dossiers teils in chaotischem Zustand befanden. Gleichzeitig habe Siegrist «massive Differenzen» mit Schulpräsident Jürg Meili ausgefochten, sodass das Klima in der Behörde in einem nicht mehr zumutbaren Mass belastet worden sei.