Zürichsee-Zeitung Bezirk Meilen
Samstag, 13. Februar 2010
Männedorf FDP und SVP streben Präsidium an - Kandidatenüberschuss für fast alle Ämter
Wie viel zählt die Amtserfahrung?
Die Männedörfler Exekutive ist begehrt: Zehn Kandidaten machen sich die acht Sitze streitig. SVP und Grünliberale wollen an Terrain gewinnen. Spannung verspricht auch der Kampf ums höchste Amt.
Anna Moser
Bleibt in Männedorf die Kirche im Dorf und das Gemeindepräsidium in FDP-Hand ? oder erobert es die SVP? (Reto Schneider)

Männedorf steht ein blühender Wahlfrühling bevor: In drei von vier politischen Behörden kommt es nach heutigem Kenntnisstand zu Kampfwahlen. Für den Gemeinderat treten bei zwei Rücktritten vier Neue an, und das Präsidium steht zur Disposition. Um die sieben Sitze in der Rechnungsprüfungskommission (RPK) kämpfen acht Kandidaten, und ebenso viele treten für die sechsköpfige Sozialbehörde an. Lediglich in der Schulpflege sieht es mit neun Kandidierenden für neun Sitze ausgeglichen aus (siehe Kasten).

Die FDP will mit André Thouvenin das Amt von Gemeindepräsidentin Heidi Kempin verteidigen, die nach 16 Jahren in der Exekutive zurücktritt. Der 63-jährige Mitinhaber einer Zürcher Anwaltskanzlei attestiert Kempin, viel für Männedorf geleistet zu haben: «Das Zentrum Leue etwa hätten wir ohne ihre Beharrlichkeit und Kommunikationsfähigkeit nicht.» Diese Eigenschaften seien auch ihm eigen, sagt Thouvenin. «Dranbleiben» will er als Gemeindepräsident an laufenden Projekten wie dem Jugend- und Energieleitbild sowie dem Thema Wohnen im Alter. Auch die rückläufigen Steuereinnahmen bei gleichzeitig hohen Infrastrukturkosten beschäftigen den FDP-Mann: «Die Schere zwischen Eigenmitteln und Verschuldung darf nicht noch weiter aufgehen.» Thouvenin, der im Garten seines Hauses seit 1990 Männedorfs allererste Solaranlage stehen hat, liebäugelt ausserdem mit dem Energiestadt-Label - «aber nicht überstürzt, sondern mittelfristig».

Männedorf hat eine echte Wahl

Von 1990 bis 1994 sass André Thouvenin - damals noch als Parteiloser und vom Familienklub portiert - in der Schulpflege. Exekutiverfahrung im Gemeinderat hat er keine, was er aber nicht als Nachteil sieht: «Für die Leitungsfunktion im Gemeinderat ist jahrelange Erfahrung in dieser Behörde nicht erforderlich. Frischer Wind kann im Gegenteil sogar guttun.»

SVP-Konkurrent Werner Zollinger, der in den letzten Jahren als Hochbau- und Planungsvorstand sowie als Vizepräsident im Gemeinderat gewirkt hat, sieht das etwas anders. Das Anforderungsprofil für den Gemeindepräsidenten will er aber den Stimmbürgern überlassen: «Diese sollen beurteilen, wie wichtig ihnen Dossierkenntnisse und politische Erfahrung des zukünftigen Gemeindepräsidenten sind.» Dem 52-Jährigen liegen drei Themen besonders am Herzen: Wohnen und Arbeiten im Dorf, ein aktives Dorfleben sowie eine kontinuierliche Finanzpolitik. Den heute attraktiven Steuerfuss habe man in den vergangenen Jahren erarbeitet; nun gelte es «das Erreichte zu halten». Fördern will Zollinger als Gemeindepräsident auch die zahlreichen Vereine und Organisationen. «Durch ihre Tätigkeit entsteht in der Bevölkerung Identifikation mit dem Dorf. Zudem tragen sie wesentlich zur gesellschaftlichen Integration der Jugendlichen bei.» Wohnen und Arbeiten im Dorf bedeutet für Zollinger, dass Männedorf mehr sein soll als eine Schlafgemeinde. Um dieses Ziel zu erreichen, gelte es für die Behörde vermehrt nachhaltige Aspekte bei ihren Entscheiden zu beachten. «Auch gute Rahmenbedingungen für Unternehmen und Betriebe sind dabei wichtig.»

Grünliberaler Impuls

Bei den Gemeinderatswahlen kommt der SVP und den Grünliberalen eine spezielle Rolle zu. Erstere versucht mit dem Autohändler Christian Frieden einen dritten Sitz neben den Bisherigen Thomas Lüthi und Werner Zollinger zu erobern. Ein Blick in die Statistik erklärt das: Anlässlich der Kantonsratswahlen 2007 positionierte sich die Volkspartei mit 28 Prozent Wähleranteil als stärkste Kraft im Dorf. Die Grünliberalen kamen damals schon auf respektable 8,7 Prozent. Die unterdessen gegründete Ortspartei hat für die Wahlen 2010 erstmals Kandidaten aufgestellt. Für den Gemeinderat tritt Thomas Zwicker an, laut einer GLP-Mitteilung eine «engagierte, führungserfahrene» Persönlichkeit.

Die CVP will die zurücktretende Liegenschaftenvorsteherin Yvonne Eugster durch Ortsparteipräsidentin Daniela Halder ersetzen. Zur Wiederwahl stellen sich die Gemeinderäte Rolf Eberli (CVP), Heidi Burkhardt, Giampaolo Fabris (beide FDP) und Eric Labhard (parteilos, portiert von der SP).

Begehrtes Amt: die Sozialbehörde

Auch die Rechnungsprüfungskommission könnte von einem Grünliberalen aufgemischt werden: Neu kandidiert Silvio Piffaretti. Die FDP schickt neu Susan Tanner ins Rennen, die CVP Andreas Wicky (für die zurücktretende Eva Siegenthaler). Von den Bisherigen wollen sich Ruedi Kübler (FDP, Präsidium), Zeno Bauer (FDP), Peter Leibundgut (SP), Stephan Enzler und Peter Gujer (beide SVP) wieder wählen lassen.

Gleich vier Neue wollen in die Sozialbehörde einziehen: Thomas Humbel (EVP), Daniela Zünd Heusser (parteilos, portiert von der SP), Federica Spadin und Philip Walter (beide SVP). Rücktritte verzeichnen die SP mit Renata Meyer und die SVP mit Elisabeth Rose. Von den Bisherigen treten Peter Egli (CVP), Barbara Luder-Bauer, Hans-Peter Lüthi (beide FDP) und Anita Bienz Wunderli (SP) wieder an.

 
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