In Stäfa wagt es zwar niemand, am 25. April gegen den langjährigen Gemeindepräsidenten Karl Rahm (FDP) anzutreten. Ansonsten geht es im Kampf um die neun Gemeinderatssitze aber drunter und drüber: Zwölf Kandidaten buhlen um neun Sitze. Angefangen bei Rahms Freisinnigen, die drei Sitze für sich beanspruchen. Neben den Bisherigen Karl Rahm und Fredi Rechsteiner (Finanzen) soll der «Neuling» Urs Simon Hämmerli dafür sorgen, dass der Rücktritt von Bauvorstand Hans-Rudolf Lampart kompensiert wird. Ursprünglich schickte die FDP vier Kandidaten ins Rennen, was ihr von der politischen Konkurrenz den Vorwurf der «Masslosigkeit» einbrachte. Schliesslich ist der Freisinn mit 18 Prozent Wähleranteil bloss drittstärkste Kraft im Dorf.
Inzwischen hat die FDP kalte Füsse bekommen und ihren vierten Kandidaten, Ortsparteipräsident Peter Vollenweider, zurückgezogen. Das dürfte die SVP freuen, die ihre ehrgeizigen Pläne ebenfalls begraben musste. Die stärkste Partei im Dorf (Kantonsratswahlen 2007: 30,2%) kündigte zum Wahlauftakt einen Grossangriff auf den Gemeinderat und die altgedienten Vertreter der FDP an; von vier oder gar fünf Kandidaten war die Rede. Doch die Basis wollte nicht mitspielen: Sie hat sich Ende November für eine Zweierkandidatur entschieden - und damit Parteipräsident Daniel Sprecher desavouiert, der sich bereits als Kandidat gesehen hatte. Neben dem Bisherigen Beat Salvisberg (Sicherheit) schickte die SVP Peter Frey ins Rennen. Dessen Chancen stehen nicht schlecht: Er gilt als umgänglich und ist dank seinem Engagement im Fussballclub Stäfa weit über die Parteigrenzen hinaus bekannt. Ursula Traber mit Frauenbonus
Ihren Anspruch auf drei oder mehr Sitze hat die SVP nicht ganz aufgegeben. Der scheidende Ortsparteipräsident Daniel Sprecher rechnet jedenfalls damit, dass es in der nächsten Legislatur zu frühzeitigen Rücktritten von «älteren» Gemeinderäten kommen wird - und damit zu Nachwahlen. Nicht ungern sehen würden es einige SVPler, wenn am 25. April auch der Parteilose Stefan Reichling den Sprung in den Gemeinderat schaffen würde. Der Winzer, der mit einer Initiative zur Villa Sunneschy von sich reden gemacht hat, ordnet sich politisch rechts der Mitte ein. Einen Beitritt zur SVP oder einer anderen Partei lehnte der 46-Jährige jedoch ab, weil er frei von «Parteifesseln» politisieren möchte.
Auf Besitzstandswahrung ist die CVP aus, die mit zwei Sitzen sehr gut bedient ist (7% Wähleranteil), seit sie der SVP 2007 in einer Nachwahl einen Sitz abgejagt hat. Trotz Übervertretung haben die Christdemokraten gute Chancen, ihre Sitze zu halten: Sie stellen mit Paul Scheck (Tiefbau) einen Bisherigen, der 2006 mit dem besten Resultat wiedergewählt wurde. Ursula Traber (Gesundheit) wiederum kann als einzige der zwölf Gemeinderats-Anwärter auf den Frauenbonus zählen. Ein Neuer und ein Altbekannter
Rechnet man den parteilosen Stefan Reichling dazu, stellt allein das bürgerliche Lager acht Kandidaten. Doch die Linke denkt nicht daran, das Feld kampflos zu räumen. Die Grünen treten zwar nicht an, aber die SP will ihre drei Sitze verteidigen. Wobei das nicht ganz einfach werden dürfte. Die Sozialdemokraten sind in Stäfa zwar traditionell stärker verankert als in anderen Goldküstengemeinden (Kantonsratswahlen 2007: 21,6%). Doch sie müssen nach den Rücktritten von Hans-Ulrich Scheller (Fürsorge) und Raoul Rosenberg (Liegenschaften) mit zwei «Neuen» antreten. Auf den Bisherigen-Bonus wird einzig der parteilose Klaus Geser (Vormundschaft) zählen können, der von der SP portiert wird. Allerdings ist auch einer der «Neuen» ein Altbekannter: Peter Frikart, der bereits 1978 bis 1986 im Gemeinderat politisiert hatte. Er dürfte damit bessere Karten haben als der dritte und wenig bekannte SP-Kandidat, Christoph Portmann. Grünliberale Wundertüte
Bleibt zum Schluss eine grosse Unbekannte: Die Grünliberale Partei (GLP), die nach anfänglichen Dementi doch einen Kandidaten nominiert hat. Ob die junge GLP, die bei den Kantonsratswahlen 2007 auf Anhieb über 7% der Stimmen geholt hat, auch bei den Gemeindewahlen überraschen kann, bleibt offen. GLP-Kandidat Andreas Utz kann jedenfalls nicht auf einen grossen Bekanntheitsbonus setzen. Eines ist klar: Sollten am 25. April mehr als drei der sechs «Neuen» gewählt werden, wird einer der sechs Bisherigen seinen Sessel im Gemeindehaus räumen müssen. |