Jahrzehntelang wurde der Bezirkshauptort von der Schweizerischen Volkspartei geprägt. In Meilen trägt sie heute noch den stolzen Beinamen BGB (Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei). Und Christoph Blocher zündete hier am Zürichsee den Startschuss für seine einmalige politische Karriere.
Nun kommt der SVP-Express ausgerechnet in Meilen ins Stocken. An den Behördenwahlen vom 25. April überlässt sie der vielgeschmähten FDP das Feld. Die Präsidien des Gemeinderats, der Schulpflege und der Rechnungsprüfungskommission werden kampflos an den politischen Konkurrenten gehen. Gründe für das zaghafte Verhalten sind der Rücktritt des langjährigen SVP-Gemeindepräsidenten Hans Isler und der Verzicht auf eine Präsidiumskandidatur des zweiten SVPlers in der Exekutive, Peter Jenny.
«Ein neuer Kandidat hätte keine Chancen gehabt», ist Yves Gadient überzeugt. Gadient, der beruflich als Parteisekretär der SVP-Kantonalpartei amtet, kandidiert zusammen mit Peter Jenny und der Nachwuchshoffnung Judith Haggenmacher im Namen der Volkspartei für den Gemeinderat. Isler und Hiller ähneln sich
Halb erleichtert, halb enttäuscht zeigt sich der bisherige FDP-Gemeinderat und Sicherheitsvorstand Christoph Hiller über die Zurückhaltung der SVP. Hiller ist damit der einzige Kandidat für das Gemeindepräsidium, und seine Wahl gilt als sicher. Als bedachte Person, die sich mehr für Sachpolitik als für «Ego-Marketing» interessiert, ist der FDP-Mann glücklich darüber, dass er sich nicht in einem gehässigen Wahlkampf gegen andere Kandidaten beweisen muss. Als Demokrat bedauert er aber, dass den Stimmbürgern am 25. April kein breites Kandidatenfeld präsentiert wird. Zumindest mit einer Präsidiumskandidatur der SVP hatte Hiller fest gerechnet.
Wie nah die Grenzen der beiden bürgerlichen Parteien verlaufen, zeigt sich, wenn man Hiller auf den zurücktretenden Hans Isler anspricht. «Wir teilen dasselbe bürgerliche-liberale Ideal», sagt er. Er gehe mit den Leuten ähnlich um und sei ebenso verwurzelt im Dorf. Mit dem promovierten Juristen Christoph Hiller als Gemeindepräsidenten werden die Meilemer nach langer SVP-Vorherrschaft also keinen politischen «Kulturschock» erleiden. Neben Hiller kandidieren für die FDP Beatrix Frey-Eigenmann (bisher) und Felix Huber (neu), der sich als Nachfolger für das zurücktretende FDP-Urgestein im Gemeinderat, Bauvorstand Jürg Herter, in Stellung bringt.
Die Wahl um das Schulpräsidium ist drei Monate vor dem Termin ebenfalls schon entschieden: Der selbstständige Jurist und bisherige Schulpfleger Peter Fischer wird das Amt von seinem FDP-Vorgänger Werner Bosshard übernehmen. Wegen der Einführung der Einheitsgemeinde sitzt der Schulpräsident künftig ebenfalls im Gemeinderat. Werner Bosshards Erbe möchte Fischer nicht einfach «verwalten». «Wir müssen uns den Herausforderungen, die auf die Schule zukommen, stellen», sagt er. Er will künftig nicht alles «sklavisch nachvollziehen», was die kantonalen Schulbehörden vorschreiben. Wichtig sei, dass in der Ausbildung vermehrt auf die Bedürfnisse der einzelnen Kinder eingegangen werde. Das kampflose Überlassen der höchsten Ämter in der Gemeinde an die FDP-Kandidaten wertet Peter Fischer als Kompliment. «Das Vertrauen in uns ist scheinbar vorhanden», sagt er. Einer, der die Ruhe stören möchte, ist der parteilose Kandidat Theo Geser. Als engagierter Exponent der Wachtvereinigung Dorfmeilen und der IG Dorfkern hat er sich in Meilen einen Namen gemacht. «Ich möchte frischen Wind in den Gemeinderat bringen», sagt Geser, der sich in der politischen Mitte verortet. Fürs Gemeindepräsidium wollte er sich aber nicht auf Anhieb bewerben. «Das wäre dann doch eher anmassend gewesen.» Elf Personen für neun Sitze
Ein Gerangel um die neun Gemeinderatssitze wird es trotz dem unumstrittenen FDP-Anspruch auf die höchsten Ämter geben. Weil der Schulpräsident neuerdings ebenfalls im Gemeinderat Platz nehmen wird, musste ein Ressort gestrichen werden. Für die neun Sitze bewerben sich nun elf Personen. Neben den erwähnten parteilosen, SVP- und FDP-Kandidaten sind dies der CVP-Vertreter Martin Hegglin (neu), die Parteilosen Rolf Walther (bisher) und Beat Hodel (bisher) sowie Irene Ritz-Anderegg (bisher), die für die Sozialdemokraten ins Rennen geht. |