In der Stäfner SVP rumort es. Die parteiinternen Beben sind derart stark, dass sie nicht mehr unter dem Deckel gehalten werden können. Und das nur knapp drei Monate vor den Behördenwahlen. Dass es in der SVP Stäfa kriselt, hat denn auch viel mit den anstehenden Wahlen zu tun. Seit die SVP Mitte 2007 in einer Nachwahl gegen CVP-Frau Ursula Traber verlor, ist sie nur noch mit einem Sitz im neunköpfigen Gemeinderat vertreten. Notabene als stärkste Partei im Dorf.
Diese Scharte wollte Daniel Sprecher, der 2008 das Präsidium der SVP übernommen hat, bei den Wahlen vom 25. April auswetzen. Man werde mit drei, vier oder fünf Kandidaten antreten, verkündete er bereits im letzten Frühling. Dass sich Sprecher selbst schon als Gemeinderatskandidat sah, ist ein offenes Geheimnis. Doch der Parteipräsident erlitt mit seinen ehrgeizigen Plänen Schiffbruch. Die Mitgliederversammlung verweigerte ihm Ende November die Gefolgschaft - und nominierte bloss zwei Kandidaten: Beat Salvisberg (bisher) und Peter Frey (neu). Sprecher erhielt gerade mal sechs Stimmen. Dies, nachdem ein Parteikollege ein vehementes Plädoyer gegen seine Kandidatur gehalten hatte. Nominationen umstritten
Dass Sprecher seit dieser Schlappe frustriert ist, liegt auf der Hand. Klar ist auch, dass es in der Partei Unstimmigkeiten gab über einzelne Nominationen. Umstritten waren unter anderem RPK-Kandidat Roland Hofer und Viktor Leimgruber (Werkbehörde). Die Findungskommission der SVP hat die beiden nicht portiert. Dennoch wurden sie aufs Schild gehoben. Das Hickhack war damit noch nicht beendet. Hofer hat seine Kandidatur inzwischen zurückgezogen - aus «persönlichen Gründen», wie es heisst. Gleiches war kürzlich von Dieter Winet zu vernehmen. Der bereits nominierte Schulpfleger verzichtet auf eine weitere Amtsdauer («ZSZ» vom Mittwoch).
Der missglückte Wahlauftakt könnte Folgen haben. Zumindest für den Ortsparteipräsidenten, an dessen Stuhl bereits kräftig gesägt wird. Er habe die Partei ins Chaos geritten, ist unter anderem zu hören. Andere Mitglieder monieren, dass sich der Präsident mit unbedachten Äusserungen über politische Gegner ins Abseits gestellt habe. Bereits heute Abend könnte es in der «Alten Krone» zu einem Putschversuch gegen Sprecher kommen. Anlässlich einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung soll die Basis nämlich nicht nur über die zurückgezogenen Wahlvorschläge von Dieter Winet und Roland Hofer informiert werden, auch der gesamte Vorstand soll sich einer Art «Vertrauensfrage» stellen. Aufforderung zum Rücktritt
Gewählt oder abgewählt werden können Mitglieder des Parteivorstands nur an einer Generalversammlung. Und auch Präsident Daniel Sprecher gilt bis zur nächsten Generalversammlung am 20. Mai als gewählt. Aber einige altgediente Mitglieder machen keinen Hehl daraus, dass sie Sprecher mit allen Mitteln zum sofortigen Rücktritt bewegen wollen. Dieser hat den Braten gerochen und versucht, die Versammlung von heute Abend mit einem Brief an die Mitglieder abzublasen. Darin berief er sich unter anderem auf formelle Fehler, die eine ausserordentliche Mitgliederversammlung verunmöglichten.
Doch der Brief weist einen Schönheitsfehler auf. Er ist von Daniel Sprecher unterschrieben mit dem Zusatz «Präsident/Vorstand». Tatsächlich sind die übrigen Vorstandsmitglieder jedoch nicht über den Brief informiert worden, geschweige denn ist darüber ein Beschluss gefasst worden. Dieses Vorgehen hat die übrigen Vorstandsmitglieder empört. Sie haben gestern eine erneute Einladung an die Mitglieder verschickt. Damit findet die Versammlung heute Abend definitiv statt. Ob der Ortsparteipräsident allfällige Rücktrittsforderungen akzeptieren wird, ist offen. Daniel Sprecher war gestern nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Frey will nicht übernehmen
Bleibt die Frage, wer das Zepter übernehmen wird, falls Sprecher heute Abend tatsächlich freiwillig abtritt. Vizepräsident Peter Frey hegt keine Ambitionen: «Mein Ziel ist es, in den Gemeinderat gewählt zu werden», sagt er. Da wolle er nicht auch noch das Parteipräsidium übernehmen. Möglich ist eine interimistische Parteiführung durch einen Vorstandsausschuss bis zur Generalversammlung vom 20. Mai. Der Wahlkampf wird wie bis anhin von Vorstandsmitglied und Kassier Andreas Duss geleitet. Dass der Wahlkampf der SVP durch das interne Hickhack beeinträchtigt wird, glaubt Gemeinderats-Aspirant Peter Frey nicht: «Wir lassen uns dadurch nicht beirren.» Wichtig sei jetzt, dass die internen Streitigkeiten beigelegt würden. |