Bei den Oetwiler Gesamterneuerungswahlen am 25. April ist mit Überraschungen zu rechnen: Während bei allen anderen Behörden bis jetzt nicht mehr Kandidaten als Sitze zur Wahl stehen, streiten sich neun Gemeinderatskandidaten um sieben Sitze. Die bisherigen Werner Bosshard (SVP), Roland Rudolf (SVP), Eugen Hunziker (Ex-SVP), Marcel Niggli (FDP), Annik Maag-Tschannen (parteilos), Barbara Müller-Tobler (CVP) und Gemeindepräsident Ernst Sperandio (CVP) werden ihre Sessel gegen zwei neue Kandidaten verteidigen müssen - den parteilosen Roland Grimm und den SVPler Urs Müller.
Über Grimm äussern sich CVP und SVP zurückhaltend: «Ich kenne ihn nicht persönlich», meint SVP-Parteipräsident Michael Herrmann. Dass Grimm sich um einen Sitz im Gemeinderat bewirbt, betrachtet er aber als eine «Belebung der Wahl». Auch CVP-Präsident Josef Diethelm begrüsst Roland Grimms Engagement für die Gemeinde, hat jedoch Bedenken, dass dieser den Zeitaufwand für das Amt unterschätzt: «Vor allem in den Ressorts Finanzen, Soziales und Schule bedeutet der Job ein 50-Prozent-Engagement.» Technik bevorzugt
Urs Müller, den die SVP als neuen Gemeinderat nominiert hat, schätzt an der Kommunalpolitik die Nähe zu den Bürgern. Sich selber bezeichnet er als «pragmatischen Typen», der nach einfachen Lösungen suche. Dürfte er sich sein Ressort selber aussuchen, wäre es ein eher technisch gelagertes. «Ich sähe mich als Sicherheits- oder Werkvorstand», sagt der Familienvater. Letzterer Job ist jedoch von Gemeinderat Eugen Hunziker besetzt, der wegen Querelen mit Parteikollege Werner Bosshard aus der Ortspartei der SVP austrat. Hunziker ist zuversichtlich, was seine Wiederwahl betrifft: «Es gibt nichts Negatives, was man mir vorwerfen könnte.» Für Konkurrent Urs Müller rechnet er wenig Chancen aus, da dieser im Gegensatz zu ihm im Dorf noch wenig bekannt sei. Dass die SVP Müller in den Kampf schickt, hält er für legitim: «Ich verstehe, dass sie wieder drei Sitze wollen.» Und falls Hunziker doch abgewählt wird? «Dieses Risiko besteht immer», sagt er, «doch davon würde die Welt nicht untergehen.»
Für SVP-Parteipräsident Michael Herrmann ist Urs Müller der ideale Kandidat: Als Vertreter des KMU-Standes und aufgrund seiner Führungserfahrung werde Müller den «richtigen Wind» in den Gemeinderat bringen. Dass Müllers Kandidatur einen gezielten Angriff auf den in Ungnade gefallenen Hunziker darstellt, verneint Herrmann: «Die Partei hat keinen bestimmten Gemeinderat im Visier.» Auch seien keine entsprechenden «Instruktionen» an die Mitglieder abgegeben worden. «Nur Informationen», präzisiert Herrmann. Nachwuchs für die Schulpflege
Kämpfe wie um die Gemeinderatssitze sind in der Schulpflege keine zu erwarten. Für die zwei zurücktretenden SVP-Mitglieder Silvia Daeppen und Paul Wittwer schickt die Partei Manuela Walthert und Thomas Zeier ins Rennen. Weiter im Amt bleiben wollen Jacqueline Baumeler (FDP), Sandra De Antoni (SVP), Barbara Loosli (CVP) und Anita von Aarburg (CVP). Seit es die Einheitsgemeinde gibt, wird der Schulpräsident als Gemeinderat gewählt. Deshalb ist es derzeit offen, ob Roland Rudolf auch in der nächsten Amtsperiode Schulpräsident sein wird.
Keine Ermüdungserscheinungen zeigen die Mitglieder der Rechnungsprüfungskommission: Alle Bisherigen treten zu den Neuwahlen an.
Obwohl die SP in Oetwil einen Wähleranteil von knapp 20 Prozent hat - und damit hinter der SVP die zweitstärkste Partei ist -, stellt sie keinen einzigen Kandidaten für die Wahlen. «Unsere Mitglieder sind alle anderweitig ausgelastet», bedauert SP-Präsidentin Regula Johanni Bütikofer. Auch sie selber hege aus demselben Grund keine Ambitionen für ein Amt bei den Gemeindebehörden. Für ihre Mitglieder hat die SP keine Wahlempfehlung herausgegeben. «Wir hätten schon unsere Wunschvorstellung», erklärt Johanni lachend, «aber eben, diese Leute stehen leider nicht zur Verfügung.» |