Zürichsee-Zeitung Bezirk Meilen
Dienstag, 19. Januar 2010
Uetikon Öffentliches Hearing zu den Gemeindewahlen vom 25. April
Bedacht, geradlinig, emotional
Wer wird neuer Gemeindepräsident von Uetikon? Gestern Abend haben sich die drei Bewerber für das höchste politische Amt im Dorf der Bevölkerung vorgestellt. Einen Favoriten gibt es nicht.
Daniel Fritzsche

«Kurz und knackig»: So wünschte sich Organisatorin Ursi Hänni-Hauser das Kandidaten-Hearing von gestern Abend. Dank eines ehrgeizigen Fahrplans und eines roten Weckers hielten sich die drei Kandidaten für das Uetiker Gemeindepräsidium im Singsaal des Schulhauses Mitte kurz. Für die «Knackigkeit» des Kandidatentests sorgten die Fragen von Parteivertretern und Bürgern im Publikum. Urs Mettler (parteilos), Christian Schucan (FDP) und Theres Weber (SVP) präsentierten sich als Politiker mit unterschiedlichen Auffassungen und Wertvorstellungen.

Mettler, der Emotionale

In Jeans und offenem Hemd gab Urs Mettler den erfahrenen und bekannten Politiker im Dorf. «Ich brauche wohl weniger als fünf Minuten, um mich vorzustellen», sagte er. Seit nunmehr 16 Jahren sei er in Uetikon politisch aktiv. Zuerst als RPK-Mitglied, dann als Finanz- und Liegenschaftsvorstand im Gemeinderat. «Ich traue mir das Präsidium zu», sagte er und verwies auf seine grosse Erfahrung, die in einem Gemeinderat, der viele Rücktritte zu verkraften hat, Gold wert sein könnte. Sein ehemaliger Parteikollege und FDP-Präsident, Ruedi Hunziker, wollte wissen, wie Mettler die Arbeit des Gemeinderats in den letzten Jahren beurteilt. «Wir sind keine Superstars», sagte Mettler. «Ich würde uns eine Note 4,75 geben.» So sei es etwa gelungen, das Haus Wäckerling «auf den zweiten Anlauf» zu verkaufen. Auf gutem Weg sei Uetikon in der Finanz- und Umweltpolitik.

Zu seinem plötzlichen Abgang aus der FDP meinte Mettler kurz: «Es hätte nicht sein sollen, aber jetzt ist es halt so.» Die Geschichte sei für ihn abgehakt. Wichtige Themen in der Zukunft sind für den parteilosen Kandidaten, der sich als «emotionalen Menschen» beschrieb, die rege Bautätigkeit («Ein Marschhalt tut not») und die Verbesserung der Kommunikation durch die Behörden.

Schucan, der Bedachte

Man merkts dem Nachnamen und dem Dialekt an: Christian Schucan ist ursprünglich kein «Seebueb». Aufgewachsen ist der Kandidat der FDP im Bündnerland, richtig heimisch fühle er sich nun aber in Uetikon - «einem Dorf, in dem man sich noch kennt». Als Gemeindepräsident will er sich dafür einsetzen, dass die bestehende Lebensqualität und Infrastruktur erhalten bleibt und gepflegt wird. Politische Erfahrung konnte Schucan bisher in der Schulpflege sammeln. Dabei sei der Unternehmer wiederholt ermutigt worden, sich für das höchste Amt in der Gemeinde zur Verfügung zu stellen. Seine Stärken sieht der «sachorientierte Macher», wie er sich selbst bezeichnet hat, in der Kommunikation. «Als Gemeindepräsident werde ich stets klar und transparent informieren. Und, ganz wichtig, viel zuhören», versprach er.

Bei konkreten Sachfragen antwortete der Freisinnige vorsichtig. Die Themen «Seeanstoss» und «CU West» gelte es «zu diskutieren». Er persönlich sei unschlüssig, ob es am See zusätzlichen Wohnraum brauche. Die Einbindung der Öffentlichkeit sei ein entscheidender Faktor. «An der Idee der Zukunftskonferenzen möchte ich festhalten», sagte er. Auch wenn künftig ein moderateres Tempo eingeschlagen werden soll.

Weber, die Geradlinige

Ein echtes «Seemaitli» hingegen ist Theres Weber. Aufgewachsen ist die Pflegefachfrau, Kommunikationsbeauftragte und Bäuerin in Herrliberg. In Uetikon wohnt sie seit 25 Jahren. Die SVP-Kandidatin engagiert sich im Vereinsleben des Dorfs und ist seit über zehn Jahren Mitglied des Zürcher Kantonsrats. 1998 kandidierte Theres Weber schon einmal für den Gemeinderat Uetikon. Damals scheiterte sie. «Das war ein Dämpfer», erinnert sie sich. «Heute sehe ich die Niederlage als Lebenserfahrung.» Trotz ihres Mangels an Exekutiverfahrung, fühle sie sich für das Gemeindepräsidium gewappnet. Während ihrer Zeit im Kantonsrat habe sie viel gelernt. «Ich bin heute nicht mehr dieselbe Person wie vor zehn Jahren», sagte Weber. So habe sie etwa ein gutes Kontaktnetz geknüpft. Auch den Umgang mit der Presse, «der vierten Gewalt im Staat», sei sie gewohnt. Auf ihr konservatives Familienbild angesprochen, meinte die dreifache Mutter, dass Eltern nach wie vor in der Pflicht stehen würden, einen Einsatz zu leisten. «Kinder sollten nicht ausschliesslich fremd betreut werden», sagte sie. Zu ihrer Motivation, zu kandidieren, meinte Theres Weber geradlinig: «Die politische Arbeit macht mir Freude - auch wenn es nicht immer ?ein Schläck? ist.»

Wer von den drei Kandidaten neuer Gemeindepräsident von Uetikon wird, entscheidet der Souverän am 25. April.

 
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