Die Ankündigung von Max Wullschleger kommt nicht überraschend. Am 28. September liess sie das Mitglied der Schulpflege (seit 16 Jahren, die letzten 4 Jahre amtierender Schulpräsident) an der Kandidatenkür für die Wahlen vom 25. April fallen. An seiner statt hoben die Erlenbacher Freisinnigen den derzeitigen Bauvorstand Urs Berli auf den Wahlschild fürs Schulpräsidium. In der Einheitsgemeinde ist dieses Amt mit einem Sitz im Gemeinderat Erlenbach verbunden. Max Wullschleger reagierte enttäuscht und stellte Konsequenzen in Aussicht. Diese sind gestern mit seiner Stellungnahme erfolgt: «Nach reiflicher Überlegung habe ich mich entschlossen, am 25. April erneut als Schulpräsident und Gemeinderat zu kandidieren.» Er begründet diesen Schritt mit seiner Erfahrung. «Ich bin mit der Schule Erlenbach bestens vertraut und kenne die Aufgaben und Herausforderungen des Kindergartens und der Primarschule, der Schulsozialarbeit und der FSB (Familien- und schulergänzende Betreuung)», schreibt er im Communiqué. Auch mit Lehrkörper, Schulverwaltung, Elternrat sowie mit den Kolleginnen und Kollegen der Schulpflege «pflege ich eine konstruktive Zusammenarbeit und einen kollegialen Dialog». Garant für Kontinuität
Max Wullschleger ist überzeugt, dass mit der Umsetzung des neuen Volksschulgesetzes die Schulen im Kanton Zürich und auch die Schule Erlenbach arbeitsintensive und turbulente Jahre hinter sich haben. Der Übergang zur geleiteten Schule und die Zusammenlegung der Oberstufe der Erlenbacher Schule mit Herrliberg hätten zu Verunsicherung unter Lehrern, Schü?lern und Eltern gefü?hrt. «Die Schule Erlenbach braucht jetzt eine unaufgeregte, erfahrene Fü?hrung, welche die anstehenden Herausforderungen mit Augenmass an die Hand nimmt», meint Wullschleger.
Zudem zeichne sich ein Wechsel ab. Drei von sieben Mitgliedern der Schulpflege werden voraussichtlich nicht mehr antreten. Mit dem amtierenden Schulp?räsidenten wären gar vier Sitze neu zu besetzen. «Das kann nicht im Sinne der Schule Erlenbach sein», meint Wullschleger; er hält es in Zeiten ständiger Herausforderungen für wichtig, «dass der Schulpflege möglichst viel Erfahrung und Kompetenz erhalten bleibt». Es sei für ihn schwer nachvollziehbar, dass sich die FDP Erlenbach ausgerechnet beim Schulpräsidium gegen ihn, ein langjähriges Parteimitglied, entschieden hat. «Konsequenterweise trete ich aus der FDP Erlenbach aus und kandidiere als Parteiloser.» FDP für Verjüngung
Der Schritt von Max Wullschleger kommt für FDP-Präsident Martin Rübel nicht überraschend. «Es war mir klar, dass er es nicht verdaut hat, dass ihm die Partei das Vertrauen entzogen hat.» Rübel ist jedoch enttäuscht, dass sich der Schulpräsident nicht dem Willen der FDP fügt. «Die Parteiversammlung hat ohne Gegenstimme entschieden, ihn nicht mehr zu portieren, aber es ist sein Recht zu kandidieren», sagt Rübel. Er empfindet es zwar als Kampfansage, doch die Wahlstrategie der FDP werde nicht beeinflusst.
«Unsere Strategie ist es, die Behörden zu verjüngen.» Das sei der Grund gewesen, Max Wullschleger mit 64 Jahren und nach 16 Jahren Schulpflege nicht mehr als Kandidaten aufzustellen. «Wir wollen vermehrt Jüngere portieren.» Martin Rübel ist sich aufgrund der engen Kontakte zu den anderen Ortsparteien sicher, dass Max Wullschleger dort keine Unterstützung findet. Dritter «Bruderkampf»
Mit der erneuten Kandidatur des nunmehr parteilosen Max Wullschleger kommt es an den Gemeindewahlen 2010 im Bezirk Meilen schon in der dritten Gemeinde zu der seltsamen Konstellation: Ex-Parteimitglieder treten gegen Kandidaten aus ihrer ehemaligen politischen «Familie» an. In Oetwil am See hat sich Gemeinderat Eugen Hunziker mit seiner Ortspartei überworfen und die SVP Oetwil verlassen. Die SVP will Hunziker mit einer Dreierkandidatur verdrängen. In Uetikon gab Urs Mettler sein Parteibuch zurück, weil die FDP ihm die Unterstützung für die Wahl ums Gemeindepräsidium versagte. |