Theo Leuthold, Sie sind ganz deutlich mit 2113 Stimmen als neuer Gemeindepräsident gewählt worden. Überrascht Sie dieses Resultat? Ja, und zwar positiv. Besonders freut mich, dass nur ganz wenige Leerstimmen eingelegt worden sind. Was wird sich für Horgen nach Ihrem Amtsantritt am 3. Mai ändern? Ich hoffe sehr, dass Horgen Horgen bleibt. Die Vertretung der Gemeinde gegen aussen bekommt ein neues Gesicht, und ich gehe davon aus, dass die anstehenden Aufgaben konstruktiv angegangen werden. Die Informationsabläufe möchte ich hinterfragen und eventuell anpassen - die Informationen aus dem Gemeinderat sollen den Bürger rechtzeitig erreichen und umfassend sein. Wie wird sich Ihr Führungsstil von demjenigen Ihres Vorgängers Walter Bosshard unterscheiden? Jeder Führungsstil muss zur entsprechenden Person passen und ist ein wichtiges Merkmal von Authentizität. Ich werde den Gemeinderat kooperativ führen und ein grosses Gewicht auf Eigenverantwortung legen. Auf der anderen Seite habe ich auch gelernt, gefällte Entscheide konsequent und hartnäckig umzusetzen. Ich möchte in allen meinen Tätigkeiten und Führungsaufgaben transparent und fair agieren. Planen Sie Umstrukturierungen in der Verwaltung und kann dies kurz- oder mittelfristig Arbeitsplätze kosten? Wir bleiben offen, Umstrukturierungen vorzunehmen, wenn sich Möglichkeiten bieten, Abläufe zu optimieren. Ich bin froh, wenn wir die ständig steigenden Ansprüche und Aufgaben mit dem aktuellen Mitarbeiterstab bewältigen können. Ein Abbau ist nicht geplant, aber auch ein Ausbau drängt sich nicht auf. Welche Projekte stehen bei Ihnen zuoberst auf der Traktandenliste? Es geht darum, die angefangenen Projekte kompetent weiterzuführen und die neuen Legislaturziele kreativ zu formulieren. Im Klartext: Das Mitwirkungsverfahren Bau- und Zonenordnung steht unmittelbar bevor, das Projekt des neuen Schulhauses muss zielstrebig weiterbearbeitet werden, und - für mich sehr zentral - die neue Gemeindeordnung und die Organisationsverordnung müssen umgesetzt werden. Der Wohnraum in Horgen wird immer teurer. Dies führt zu Abwanderung von alteingesessenen Horgnerinnen und Horgnern. Glauben Sie, dass Sie als neuer Gemeindepräsident Massnahmen gegen die Abwanderung ergreifen können? Die Möglichkeiten der Behörden halten sich in engen Grenzen, wenn es um die Festsetzung zum Beispiel von Mietzinsen und Bodenpreisen geht. Horgen ist in mancherlei Hinsicht eine attraktive Gemeinde, und dies hat seinen Preis. Gerade alteingesessene Horgner können aber mithelfen und Gegensteuer geben, wenn Grundstücke aus Familienbesitz nicht zwingend zu Höchstpreisen auf den Markt gebracht werden. Walter Bosshard blieb 25 Jahre in seinem Amt. Streben Sie eine ähnlich lange politische Karriere an? Der 1. April ist bereits vorbei, denn mehr als ein Scherz könnte es nicht sein, wenn ich eine vergleichbar lange Präsidentschaft anstreben würde. Aber ich könnte mir im Augenblick durchaus noch vorstellen, eine zweite Amtsdauer als Präsident anzuhängen. Ihr Vorgänger war volksnah, ein Gemeindepräsident zum Anfassen. Wird Theo Leuthold im gleichen Masse ein Mann des Volkes sein? Von der Postur her haben wir vergleichbare Masse, um angefasst zu werden. Ich strebe einen regen und konstruktiven Kontakt zur Bevölkerung an - ich werde eher an weniger Veranstaltungen anzutreffen sein respektive jeweils nicht zu den Letzten gehören, die den Anlass verlassen. Zum Anfassen ja - aber vielleicht zeitlich etwas eingeschränkter. |