Richterswil Drei neue und fünf bisherige Gemeinderäte gewählt - zweiter Wahlgang um Präsidium
SVP vermasselt Huber die Wahl
Wer das Richterswiler Gemeindepräsidium übernimmt, entscheidet sich erst am 13. Juni. Hans Jörg Huber (FDP) und Renate Büchi (SP) verpassten gestern das absolute Mehr. Grund ist die SVP. Anja Müller
Richterswil hat noch keinen neuen Gemeindepräsidenten oder eine neue Gemeindepräsidentin. Weder der 46-jährige FDP-Kandidat Hans Jörg Huber noch die 49-jährige SP-Frau Renate Büchi erreichten gestern das absolute Mehr von 1417 Stimmen. Finanzvorstand Huber machte 1328 Stimmen und verpasste die Wahl damit um lediglich 89 Stimmen. Sicherheitsvorsteherin Büchi liegt mit 1076 Stimmen 252 Stimmen hinter ihrem Gemeinderatskollegen Huber. Die Stimmbeteiligung lag bei 39 Prozent. Entschieden wird nun am 13. Juni in einem zweiten Wahlgang.
«Ich habe damit gerechnet, dass es im ersten Wahlgang für eine Wahl nicht reichen könnte», sagte Finanzvorstand Huber gestern direkt nach Bekanntwerden der Wahlresultate. Die Ausgangslage für den zweiten Wahlgang sei für ihn aber gut, und er werde für das Amt als Gemeindepräsident «gerne nochmals in die Hosen steigen». Den Grund für seine Nichtwahl sieht er im politisch rechten Lager: «Für viele SVP-Leute bin ich zu nah an der Mitte. Doch bin ich der Ansicht, dass es einem Präsidenten sowieso immer um die Sache gehen sollte.»
SVP-Kandidatur unwahrscheinlich
Auch Renate Büchi wird weiter um die Nachfolge von Ruedi Hatt (FDP) kämpfen. Sie sieht ihr Resultat als «Achtungserfolg», ist aber erstaunt, dass andere Gemeinderäte so viele Präsidiumsstimmen erhielten, obwohl sie nicht offiziell kandidiert hatten. So machte beispielsweise SVP-Gemeinderat Jürg Trachsel 209 Stimmen, der parteilose Ruedi Reichmuth brachte es auf 98 Stimmen. «Das ist wohl in erster Linie Wahltaktik. Nun ist nochmals alles offen. Auch die SVP, für die die Kandidaten-Auswahl offensichtlich nicht optimal war, könnte nun noch einen Kandidaten bringen.» Ausserdem gebe es in Richterswil halt Leute, die «aus Prinzip nicht SP wählen», sagt Büchi.
Dass die SVP eine entscheidende Rolle gespielt hat, lässt sich nicht wegreden. SVP-Ortspräsident Reto Schärer will den Wahlausgang aber nicht als Protest gegen die Kandidaten verstanden wissen: «Es ist aber so, dass die SVP-Kandidaten oftmals keine Stimmen der FDP erhalten. Dafür haben sich die SVP-Wähler nun revanchiert.» Dass SVP-Gemeinderat Jürg Trachsel im zweiten Wahlgang ums Präsidium neu ebenfalls kandidiert, hält Schärer für unwahrscheinlich. Jedoch werde er nun eine ausserordentliche Versammlung einberufen, um das weitere Vorgehen innerhalb der Partei zu besprechen. «Obwohl die Haltung von Hans Jörg Huber für uns oft zu wenig bürgerlich ist, zum Beispiel, wenn es um die Steuersenkung geht, kann es sein, dass wir uns dazu durchringen, ihn im zweiten Wahlgang zu unterstützen.» Die SVP hatte einige Wochen vor der gestrigen Wahl überraschend Stimmfreigabe beschlossen.
Büchi: «Das tut weh»
Keine grossen Überraschungen gab es gestern bei der Wahl des Gesamtgemeinderats. Für acht Sitze kandidierten acht Personen. Neu in der Richterswiler Exekutive sind Ivo Beeler, Marcel Tanner (beide FDP) sowie Jörg Hottinger (SVP). Wiedergewählt wurden Ruedi Reichmuth (parteilos), Hans Jörg Huber (FDP), Peter Theiler (CVP), Jürg Trachsel (SVP) und Renate Büchi (SP). Ruedi Reichmuth hatte in der Bevölkerung die grösste Unterstützung. Er erhielt bei einem absoluten Mehr von 1289 Stimmen 2833 Stimmen. Am wenigsten Stimmen erhielt Präsidiumskanidatin Renate Büchi (2261): «Das tut weh», sagt Büchi dazu. Auch hier glaubt sie an Wahltaktik: «Ich denke nämlich nicht, dass ich in den letzten vier Jahren im Gemeinderat schlechte Arbeit geleistet habe.»
Ebenfalls Einsitz im Gemeinderat nimmt neu der Schulpräsident. Im Moment ist das noch Marco Rada (FDP). Auf Beginn des neuen Schuljahrs wird es Markus Oertle (SP) sein, der gestern als Rada-Nachfolger gewählt wurde (siehe Artikel unten).