Horgen Streitgespräch der beiden Kandidaten fürs Schulpräsidium im Schinzenhof-Foyer
Richtig «chifle» wollten sie nicht
Knapp zwei Wochen vor den Wahlen fürs Schulpräsidium stellten sich Elisabeth Oberholzer und André J. Ruggli dem Publikum zu einem Streitgespräch. Beide operierten mit Glacéhandschuhen. Hans-Heiri Stapfer
An die 100 Personen wollten gestern Mittwochabend im Foyer des Schinzenhof-Saals dabei sein, als die beiden Kandidaten fürs Horgner Schulpräsidium verbal die Klingen kreuzten. Der Andrang war so gross, dass noch eilends Stühle in den Raum gebracht werden mussten. Mit ein Indiz dafür, dass das Thema Schule vielen Erziehungsberechtigten unter den Nägeln brennt. Durch die Veranstaltung führte Marc Schad-egg, stellvertretender Redaktionsleiter der «Zürichsee-Zeitung». Gross, ja fast unerschöpflich war der Fragenkatalog an die Freisinnige Elisabeth Oberholzer und ihren Herausforderer André J. Ruggli der CVP.
Einheitsbrei statt Konfrontation
Eigentlich hätte Moderator Schadegg die Unterschiede der beiden Kandidaten freilegen sollen. Was er fand, waren nicht zu übersehende Gemeinsamkeiten. Statt einem Wortgewitter über unterschiedliche Auffassungen bekamen die Zuhörerinnen und Zuhörer über lange Strecken einen verbalen Einheitsbrei vorgesetzt. Bei kniffligen Fragen, wie etwa der Integration von Ausländern in der Schule oder dem möglichen Standort für ein neues Schulhaus, verspannen sich beide Protagonisten im Kokon nichtssagender Worthülsen.
Bei einem Anteil von rund 40 Prozent Schülerinnen und Schülern, deren Deutsch nicht die Muttersprache ist, wünschen beide einen besseren Einbezug der ausländischen Eltern. «Es ist nicht immer einfach, diese zu erreichen und zu integrieren», sagt Oberholzer. Beide sprechen sich auch für die Schaffung einer dritten Tagesschule aus. Nicht dramatisch ist für Elisabeth Oberholzer die Gewaltsituation an den Horgner Schulen. Sie führt das auch auf die Gewaltpräventionsmassnahmen der Gemeinde zurück, wo jährlich 220 000 Franken bereit gestellt werden. Für die FDP-Vertreterin wird Gewalt mehrheitlich an anderen Orten ausgelebt als an der Schule. Auch André J. Ruggli lobt die von den Schülern getragenen Projekte, wie etwa Peacemaker, wo die Buben und Mädchen als Friedensstifter auf den Pausenplätzen auftreten.
Einig sind sich die beiden Präsidiumskandidaten, wenn es ums Sparen geht: der Gürtel dürfe auf keinen Fall beim Unterricht oder bei den Schülern enger geschnallt werden. Ruggli sieht aber Potenzial beim Kanton: etwa bei der Vereinheitlichung von Lehrmitteln zwischen den einzelnen Kantonen oder dass die Unterrichtsbücher nicht mehr so konzipiert würden, dass die Schülerinnen und Schüler die Antworten gleich in das Unterrichtsmaterial schreiben können. So liesse sich für den CVP-Vertreter die Unterrichtsbücher mehrmals nutzen. So weit hingegen will die FDP-Frau nicht gehen, könnte sich aber eine bessere Nutzung der Bücher vorstellen.
Oberholzer wie auch Ruggli ärgern sich über die Flut an Schulreformen. Zu reden gab die Sonderpädagogik, hier will Ruggli wieder zurück zu den Sonderklassen, statt verhaltensauffällige Schüler weiterhin in einem normalen Klassenzug zu belassen. Auch Oberholzer könnte sich auf jeder Stufe eine Sonderklasse vorstellen.
Aktive Elternforen
In der anschliessenden Fragerunde meldeten sich viele Angehörige von Elternforen zu Wort. Sonja Trachsel etwa regte an, die Interessensgruppierungen der Erziehungsberechtigten mit einem Budget für Projekte auszustatten und sie auf der Homepage der Schule zu vernetzen, um so Leerläufe zu vermeiden. Für Elisabeth Oberholzer wäre ein Internetauftritt «durchaus möglich», genauso wie das Sprechen von finanziellen Mitteln. Für André J. Ruggli ist klar, «dass hier über die Bücher gegangen werden muss.»