Richterswil Podium mit den beiden Kandidaten fürs Gemeindepräsidium - gewählt wird am 25. April
Lasches Duell der Thronfolger
Den Sessel von Gemeindepräsident Hatt (FDP) möchten sie beide. Was sie von da aus für Richterswil tun wollen, konnten Renate Büchi (SP) und Hans Jörg Huber (FDP) gestern aber nur vage benennen. Anja Müller
Sicher ist: Der neue Gemeindepräsident oder die neue Gemeindepräsidentin von Richterswil kommt aus Samstagern - ein Novum. Leider war dies gestern Abend aber praktisch die einzige Neuigkeit, die die rund 120 Personen im Saal des Hotels Drei Könige zu hören bekamen.
Obwohl die beiden Kandidaten für das Richterswiler Gemeindepräsidium zum ersten Mal öffentlich gegeneinander antraten, schafften es die 49-jährige Renate Büchi (SP) und der 46-jährige Hans Jörg Huber (FDP) nicht, sich klar voneinander abzugrenzen.
«Harmonisches Ehepaar»
«Sie wirken wie ein harmonisches Ehepaar», bemerkte Noch-Schulpräsident Marco Rada (FDP) im Publikum am Schluss der Podiumsdiskussion, die von der SP und der FDP gemeinsam organisiert worden war - und traf damit den Nagel auf den Kopf. Egal, wie hartnäckig Moderator Benjamin Geiger, Chefredaktor der «Zürichsee-Zeitung», nämlich versuchte, die Unterschiede aus den beiden herauszukitzeln, es herrschte weitgehend Einigkeit auf der Bühne.
Sowohl für Sicherheitsvorsteherin Büchi als auch für Finanzvorstand Huber hat das Projekt eines neuen Gemeindehauses auf dem Kerag-Areal sowie die Umsetzung der neuen Gemeindeordnung Priorität. Beide wollen sie ausserdem die Kommunikation des Gemeinderats gegenüber der Bevölkerung verbessern. Fast ausschliesslich beim Thema Steuerfuss gingen die Meinungen auseinander. Während für Büchi eine moderate Steuerfusserhöhung «kein Tabu» ist, wenn man dafür ein wichtiges Projekt realisieren kann, hat ein attraktiver Steuerfuss für Huber hohe Priorität: «Dafür würde ich ein Vorhaben auch ein Jahr später angehen», betonte er.
Natürlich unterstrichen sowohl die Kantonsrätin und gelernte Psychiatriepflegefachfrau Renate Büchi als auch der Unternehmer und Geschäftsinhaber Hans Jörg Huber die Wichtigkeit der Themen, für die sie als Gemeinderäte bisher zuständig waren. Bei Huber ist dies neben dem bewussten Umgang mit den Gemeindefinanzen der Bau eines neuen Fussballplatzes im Burgmoos, für Büchi neue Alterswohnungen und Pflegeplätze.
Charakter zeigte sich im Auftritt
«Ich sehe die Ecken und Kanten, die man umschiffen muss», sagte Huber auf die Frage von Moderator Geiger, was er denn besser könne als seine Mitstreiterin. Büchi konterte: «Ich habe den Überblick und verliere mich nicht im Detail, Hans Jörg Huber ist mehr ein Erbsenzähler.»
Anhand der geäusserten Meinungen von Büchi und Huber wird sich gestern Abend wohl kaum ein Wähler von der einen auf die andere Seite bewegt haben. Doch sagte die Art des Auftritts einiges über die Persönlichkeit und den Charakter der beiden Kandidaten aus. So reagierte Renate Büchi trotz langjähriger Erfahrung in politischen Debatten (sie ist seit 16 Jahren im Gemeinderat und seit 7 Jahren im Kantonsrat) bisweilen empfindlich gegenüber Kritik. Hans Jörg Huber (er ist seit vier Jahren im Gemeinderat und amtete davor vier Jahre lang als RPK-Präsident) wurde in seinen Aussagen hingegen selten konkret und konnte eine gewisse Unsicherheit nicht verbergen.
Und da Behördenwahlen bekanntlich Personenwahlen sind, weiss sicher manch ein Podiums-Besucher nun trotzdem genau, wen er am 25. April als Nachfolger bzw. Nachfolgerin von Noch-Gemeindepräsident Ruedi Hatt (FDP) wählt.