Frischen Wind brauche es in den Exekutiven, diesen Satz bemühten Leserbriefschreiberinnen und Leserbriefschreiber im Vorfeld der Erneuerungswahlen oft. Nun zeigt ein Blick auf die Wahlergebnisse: Die durchschnittliche Exekutiverfahrung der Mitglieder, in Jahren berechnet, ist in den meisten Gemeinden gesunken. Unter anderem wurden zwei amtierende Gemeinderäte mit 24 beziehungsweise 28 Jahren Erfahrung als Gemeinderat abgewählt.
Signifikant weniger Erfahrung in Jahren weist der Gemeinderat Langnau aus. Verfügte am Wahltag 2006 ein gewähltes Langauer Exekutivmitglied im Durchschnitt noch über 10,3 Jahre Exekutiverfahrung, so sind es heute, vier Jahre später, nur noch 6,3 Jahre. Die Abwahl von Gemeinderat Peter Hartmann (SVP) nach 28 Jahren im Gemeinderat hat sich deutlich ausgewirkt, trotzdem ist Langnau immer noch die «erfahrenste» Gemeinde. Erfahrung auch ohne Exekutivamt
Auch der Rüeschliker Gemeinderat hat an Erfahrung eingebüsst (von 7,7 auf 5,4 Jahre), ebenso der von 9 auf 7 Sitze verkleinerte Adliswiler Stadtrat (von 6,9 auf 3,6 Jahre), weil dort mit Mario Fehr (SP), Heinz Spälti (FDP) und dem während der laufenden Legislaturperiode zum Zürcher Regierungsrat aufgestiegenen Thomas Heiniger (FDP) gleich drei langjährige Politgrössen die Adliswiler Bühne verlassen haben beziehungsweise in wenigen Wochen verlassen werden. Am wenigsten Exekutiverfahrung weisen Kilchberg (Rückgang von 6,4 auf 2,9 Jahre) und Schönenberg (von 8,6 auf 1,7 Jahre) auf. Gleich vier Neue haben am Sonntag den Einzug in die Schönenberger Exekutive geschafft, die «alten» Gemeinderäte sind alle erst vier Jahre im Amt. Ein Nachteil? «Nein», sagt der neu gewählte Gemeindepräsident Alfons Schuler (parteilos) und ergänzt: «Ich sehe das als Chance, der Gemeinderat kann unbekümmert an die Sache gehen, ist nicht festgefahren, kann neue Ideen einbringen.» Wichtig sei auch, eine gute Verwaltung im Rücken zu haben, «und das ist in Schönenberg der Fall.» Denn diese trage ja die Hauptarbeit.
Ähnlich positiv schätzt Jean-Marc Groh (FDP), der für die Amtsperiode 2010 bis 2014 gewählte Gemeindepräsident von Kilchberg, die Situation ein: «Erneuerungsprozesse sind normal in Gemeindebehörden. Wichtig ist, dass diese in Stufen geschehen, das ist in Kilchberg passiert, denn der grössere Teil der neu gewählten Exekutive besteht aus Bisherigen. Damit ist Kontinuität garantiert.» Dass mit André Welti (parteilos) nur eines der Ratsmitglieder schon mehr als eine Amtsperiode absolviert hat, wertet Groh nicht als Nachteil: «Die drei Behördenmitglieder, die vor vier Jahren gewählt wurden, waren damals ja auch nicht unbedarft eingestiegen, sondern hatten schon politische Erfahrungen in anderen Behördenämtern oder in ihrer Partei gesammelt.» Nur Thalwil hat zugelegt
Nur in einer einzigen Gemeinde verfügen die Exekutivmitglieder über mehr Erfahrung in Jahren als noch vor vier Jahren: In Thalwil ist ein Gemeinderat seit durchschnittlich 5,9 Jahren im Amt, bei den Wahlen 2006 waren es erst 4,6 Jahre. Keine Veränderungen gab es in Hütten (6,3 Jahre), nur eine marginale in Wädenswil (von 5,6 auf 5,3). In diesen Gemeinden mussten keine Abgänge von «Altgedienten» registriert werden, war doch keiner der Abtretenden länger als 16 Jahre im Amt.
Anders in Horgen, wo der scheidende Gemeindepräsident Walter Bosshard (FDP) seit 1982 im Gemeinderat sitzt. Weil ausser Bosshard nur Sämi Fröhlich (SVP) ersetzt werden musste und der Horgner Gemeinderat aus neun Personen besteht, konnte dieser Know-how-Abfluss zumindest durchschnittsmässig genau kompensiert werden (4,3 Jahre). |