Wädenswil Philipp Kutter lässt Felicitas Taddei (FDP) und Johannes Zollinger (EVP) deutlich hinter sich
Jetzt steuert Kutter den Kahn
Mit einem Glanzresultat wurde der 34-jährige Philipp Kutter (CVP) gestern im zweiten Wahlgang zum neuen Wädenswiler Stadtpräsidenten gewählt ? und strebt bereits wieder nach Höherem. Anja Müller
Der Entscheid der Wädenswilerinnen und Wädenswiler ist eindeutig: Mit 2938 Stimmen wählten sie Philipp Kutter gestern zu ihrem neuen Stadtpräsidenten. Der 34-jährige Sicherheits- und Gesundheitsvorstand (CVP) machte nach nur einer Amtsdauer im Stadtrat mehr Stimmen als seine beiden Mitstreiter zusammen: Sozialvorsteherin Felicitas Taddei (FDP) erhielt 1357 Stimmen, Schulvorstand Johannes Zollinger (EVP) 1190 Stimmen. Die Stimmbeteiligung lag bei 46,3 Prozent.
«Überglücklich und überrascht über den grossen Vorsprung» war Kutter direkt nach dem Bekanntwerden des Wahlresultats. Die Gründe für seinen Sieg könne er nicht benennen, doch sei dieser wohl eine Bestätigung seiner Leistung als Stadtrat in den letzten vier Jahren: «Die Leute haben gemerkt, dass ich sie ernst nehme, zuhöre, mich ehrlich für Wädenswil engagiere und die Probleme anpacke.» Deshalb wolle er auch sein Wahlversprechen bald einlösen und eine Sprechstunde für die Bevölkerung einrichten. «Ausserdem plane ich eine Klausur mit dem neuen Stadtrat, um die Schwerpunkte für die nächsten vier Jahre zu bestimmen.» Priorität habe für ihn die Stadtentwicklung - konkreter die Gestaltung des Zentrums, des Gebiets Neubüel bei der Autobahn sowie rund um den Bahnhof Au.
Dass ihn die Bevölkerung vor allem wegen seines jugendlichen Alters von 34 Jahren gewählt habe, glaubt Philipp Kutter nicht: «Mein Alter war Vor- und Nachteil zugleich. Meistens war es aber kein Thema, wenn ich mit den Leuten gesprochen habe.»
«Auf Rat von Erfahrenen hören»
«Die Wählerinnen und Wähler wollten ein anderes Profil als meines, sie vertrauen in die Jugend und in die Wahlkampagne von Philipp Kutter», versuchte die enttäuschte Zweitplatzierte, FDP-Frau Felicitas Taddei, gestern ihre Niederlage zu erklären. Vom neuen Stadtpräsidenten erwarte sie, dass er «seine Energie tatsächlich in erster Linie für Wädenswil einsetzt und nicht für seine Anliegen im Kantonsrat».
Für den Drittplatzierten Johannes Zollinger kam sein Resultat nicht überraschend: «Ich bin realistisch genug, um zu erkennen, dass man mit der alleinigen Unterstützung einer kleinen Partei wie der EVP wenig Chancen auf einen Sieg hat.» Zollinger fordert von Kutter, dass er Frische in den Stadtrat trägt und die junge Generation vertritt - und betonte: «Er soll zwar sich selber bleiben, aber auch auf den Rat von lebenserfahrenen Partnern hören.»
Zollinger will «auf jeden Fall» Schulvorstand bleiben. Ob Taddei ihr Ressort «Soziales» ebenfalls behält, weiss sie noch nicht: «Ich mag es aber sehr.»
Nationalrat als nächster Schritt
Philipp Kutters steile Karriere erreicht mit der Nachfolge des in den Zürcher Regierungsrat gewählten Ernst Stocker (SVP) einen weiteren Höhepunkt. Doch der Vollblutpolitiker strebt bereits wieder nach mehr: «Ich werde im Herbst 2011 für den Nationalrat kandidieren», sagte er nach seiner Wahl. Auf das Amt als Stadtpräsident habe dies aber keinen Einfluss, ist Kutter sicher: «Das Präsidium hat für mich Priorität, ausserdem liesse sich dieses mit dem Amt als Nationalrat vereinbaren.» Ebenfalls weiterführen will er sein Engagement als Fraktionschef der CVP im Kantonsrat.