Langnau Urgestein aus der SVP nicht mehr im Gemeinderat
Nach 7 Legislaturen im Langnauer Gemeinderat wurde der SVP-Gemeinderat Peter Hartmann gestern abgewählt. Der Bauvorstand ist enttäuscht. Interview Sibylle Saxer
Peter Hartmann, gestern wurden Sie nach 28 Jahren im Langnauer Gemeinderat nicht wiedergewählt. Zwar haben Sie mit 874 Stimmen das absolute Mehr von 769 Stimmen übertroffen, Sie sind aber als überzählig ausgeschieden. Was löst das in Ihnen aus?
Ich bin enttäuscht. Ich habe mir mein Resultat und den Wahlsonntag anders vorgestellt. Ich hätte gern weitergemacht und gewisse Arbeiten weitergeführt. Stichworte wären da: die Weiterentwicklung von Langnau im Zeichen der Landreserven, die vertiefte Auseinandersetzung mit der Kulturförderung und die Verbesserung der Zusammenarbeit mit dem örtlichen Gewerbe. Aber wenn der Wähler das nicht will, dann ist das so. Gewählt ist gewählt.
Wie erklären Sie sich Ihre Abwahl? War der Wähler mit Ihnen als Bauvorstand nicht zufrieden?
Mir wäre nicht bekannt, dass ich meine Arbeit als Bauvorstand schlecht gemacht hätte. Zumindest hat mir nie jemand Vorwürfe gemacht. Im Bereich Hochspannungsleitungen habe ich mit gutem Erfolg gearbeitet, im Bereich Altersheim ebenfalls. Wahrscheinlich hat sich mein Alter von 69 Jahren und mein Dienstalter von 28 Jahren negativ auf das Resultat ausgewirkt. Sicher schlägt sich auch nieder, dass die SVP als Alleinkämpferin auftritt, keine Unterstützung von anderen Parteien geniesst. Das hat sich in den Wahlresultaten der letzten zehn, zwölf Jahre immer wieder gezeigt. Andere Parteien setzen gezielt auf junge Kräfte, anscheinend ist das eine Strategie, die zieht.
Im Dezember hat in Kilchberg Jean-Claude Reymond eine Initiative gegen Sesselkleber eingereicht. Glauben Sie, dass dies auch auf die Langnauer Wähler einen Einfluss hatte?
Es ist möglich, dass die Leute davon gelesen haben und von Kilchberg auf Langnau geschlossen haben. Aber das hatte meines Erachtens nur am Rand einen Einfluss auf das Wahlresultat. Matchentscheidend war es sicher nicht.
Noch-Gemeindepräsident Thomas Oetiker zieht bereits im März aus Langnau weg. Da es für das Präsidium am 25. April zu einem zweiten Wahlgang kommt, findet die konstituierende Sitzung des neuen Rats erst am 11. Mai statt. Als aktueller Vizepräsident wurden Sie vom Rat bestimmt, die Geschäfte Oetikers interimistisch zu übernehmen?
?der Rat ging damals davon aus, dass ich wiedergewählt würde. Dem ist nun nicht so. Dennoch werde ich meine Arbeit zu Ende bringen und den Gemeinderat interimistisch führen. Auch wenn die Situation etwas komisch ist.
Dennoch werden Sie in absehbarer Zeit mehr Freizeit haben. Was werden Sie damit anfangen?
Das werde ich mir nicht lange überlegen müssen - seit ich pensioniert bin, mache ich Verschiedenes: Ich arbeite an einer Geschichte der Familie. Ich konnte den Stammbaum schon bis 1650 zurückverfolgen und möchte ihn bis 1290 vervollständigen. Das bedingt verschiedene Reisen. Auch habe ich ein grosses Archiv an Büchern und Fotografien in loser Form zu Hause, das ich gern ordnen würde. Dann bin ich weiterhin als Berater in der Qualitätssicherung im Lebensmittelbereich tätig und wandere gern. Langweilig wird mir sicher nicht.