Die SVP ist nicht mehr im Gemeinderat Thalwil. Die FDP verliert einen ihrer drei Sitze, dafür ziehen zwei Parteilose, Michael Brandenberger und Richard Gautschi, neu in den neunköpfigen Rat ein. Gaby Schneider
«Dieses Wahlergebnis ist eine Überraschung», sagt Gemeindepräsidentin Christine Burgener (CVP), als sie die Ergebnisse der Wahl im Ratszimmer des Gemeindehauses verkündet. Burgener selbst ist als Bisherige mit einem Glanzergebnis wiedergewählt worden, ebenso ihr Parteikollege Andreas Federer. Die Stimmbeteiligung von 42,1 Prozent bewertet Burgener dank weiteren Abstimmungen als hoch.
Die grosse Überraschung, damit war der 46-jährige angehende Biobauer Michael Brandenberger (parteilos) gemeint, der nun in den Gemeinderat einziehen wird. Als Präsidentschafts- kandidat erhielt er zwar nur 720 Stimmen, Burgener deren 2563, doch für den Einzug in den Gemeinderat reichte es. Brandenberger selbst gab sich am Wahlapéro der Gemeinde selbstbewusst: «Ich rechnete damit, gewählt zu werden», sagt der fünffache Familienvater, der politisch eher dem grünen Lager zuzurechnen ist. «Ich will mich für Nachhaltigkeit einsetzen, Nachhaltigkeit gemäss Definition Brundtland und nicht was der Thalwiler Gemeinderat darunter versteht.»
Gautschi setzt auf Sachpolitik
Mit seiner Wahl gerechnet hat auch der zweite Parteilose, Richard Gautschi, ein Vertreter des lokalen Gewerbes. «Ich bin gut in Thalwil verwurzelt und spürte bereits im Wahlkampf eine breite Akzeptanz, weiss, dass mich sowohl bürgerlich orientierte wie auch Leute vom linken Spektrum gewählt haben», erklärt sich der 48-jährige seine Wahl. Der über das Ergebnis sichtlich glücklich wirkende Inhaber einer Druckerei will sich in der Zentrumsplanung engagieren sowie ein regionales Glasfaserkabelprojekt vorantreiben. «Die Sachpolitik steht für mich im Mittelpunkt», betont er, will sich nicht in ein Links-rechts-Schema einordnen lassen.
Die SVP ist nun nicht mehr im Gemeinderat vertreten. Der SVP-Kandidat, der als Nachfolger für Peter Riner angetretene Spenglermeister René Tschudi, schied als nicht gewählt aus. Damit verliert die SVP nun ihren einzigen Sitz im Gemeinderat, nachdem sie vor vier Jahren mit der Abwahl von Hans Möhr den zweiten Sitz verloren hatte. SVP-Präsident Kurt Wältis Analyse: «Man muss sich das Wahlverhalten in Thalwil ansehen. Die SVP macht in Thalwil nie mehr als ein Drittel der Stimmen, das sind etwa 1600, und das reicht nicht aus.» Das Majorzsystem schade der SVP. Wälti windet seinem Kandidaten Tschudi ein Kränzchen: «Der hat gute Arbeit in den Behörden geleistet.» Wälti bewertet dieses Ergebnis als eine Abstrafung der SVP. Anders sei es in den Kantonsratswahlen, da sei die SVP die zweitstärkste Partei. «Nun ist ein stärkerer Oppositionskurs angesagt», sagt Wälti.
FDP bedauert
Ebenfalls einen Gemeinderatssitz verloren hat die FDP: Zwar sind ihre beiden Bisherigen Peter Klöti und Märk Fankhauser mit sehr guten Resultaten wiedergewählt worden. FDP-Kandidatin Ariane Wädensweiler erreichte das absolute Mehr, schied aber als überzählig aus. FDP-Präsident Christian Josi bewertet Wädensweilers Ergebnis als «ein achtbares Resultat. Wir sind als einzige Partei mit drei Kandidaten angetreten», trotzdem sei es bedauerlich, dass mit ihr eine überzeugende und valable Kandidatin ausgeschieden sei.
SP-Gemeinderätin Catherine Marrel zeigte sich erfreut, dass sie nun mit Schulpräsidentin Beatrice Meier wie schon in der vergangenen Amtsperiode eine SP-Vertreterin an ihrer Seite hat. Wieder im Rat sitzt auch Jan Rauch als Vertreter des Dorfvereins Gattikon. Nicht gewählt worden sind die beiden Parteilosen Katharina Weber und Regula Weber. Regula Weber ist erstaunt, «dass ich auf dem letzten Platz gelandet bin, denn ich habe einen aktiven Wahlkampf geführt».