Langnau Peter Herzog verpasst Wahl zum Gemeindepräsidenten um zehn Stimmen
Braun, Grau und Schatz im Rat
Die Wähler haben gleich drei neue Kandidaten in den Gemeinderat gewählt. Als überzählig scheidet der bisherige SVP-Gemeinderat Peter Hartmann aus. Jan Bauke erzielt ein Achtungserfolg. Oliver Demont
Nach 28 Jahren setzen die Langnauer Wähler der Politkarriere des 69-jährigen Peter Hartmann ein Ende: Der SVP-Gemeinderat erreichte zwar mit 874 Stimmen das absolute Mehr von 769 Stimmen, scheidet aber als überzählig aus der Gemeinde-Exekutive aus (siehe unten). Seinen Platz räumen muss Hartmann für einen der drei Neugewählten - sie allesamt erzielten Spitzenresultate: Der Kandidat der Grünliberalen, Rolf Schatz, erhielt 1144 Stimmen, der 66-jährige Hans-Ulrich Braun von der FDP 1207 Stimmen, und auf Reto Grau, ebenfalls FDP, entfielen 1495 Stimmen. Mit diesem Resultat steht er gar an der Spitze aller Kandidaten.
Der 44-jährige Reto Grau führt seinen Wahlerfolg auf seinen Bekanntheitsgrad zurück: «Ich bin in Langnau aufgewachsen, und es kennen mich viele Leute. Deshalb wurde ich auch parteiübergreifend gewählt.» Ihren Wahlerfolg interpretieren Schatz, Braun und Grau unisono mit dem Wunsch der Langnauer Wähler nach Erneuerung im Gemeinderat.
Herzog wird kämpfen müssen
Als Gemeindepräsident nicht gewählt wurde Peter Herzog von der CVP. Er verpasste das absolute Mehr von 851 Stimmen um 10 Stimmen. Verantwortlich für Herzogs knappes Scheitern ist der parteilose Jan Bauke, der sich als inoffizieller Kandidat kurzfristig aufstellen liess und einen Achtungserfolg von 599 Stimmen erzielte. Bauke gibt auch unumwunden zu: «Meine Kandidatur hatte einzig zum Ziel, dass Peter Herzog als Gemeinderatspräsident verhindert wird - und das ist mir geglückt.» Bauke selbst kann nicht mehr als Gemeindepräsident kandidieren, hofft nun aber, dass einer der restlichen sechs Gemeinderäte sich am 25. April zur Wahl zum Gemeindepräsidenten aufstellen lässt. Für Peter Herzog könnte es somit eng werden: Die neu gewählten Gemeinderäte Grau und Braun wissen um ihre reellen Chancen und wollen nun mit der Partei nochmals eine Situationsanalyse vornehmen und zu einem späteren Zeitpunkt über eine allfällige Kandidatur entscheiden. Braun wie Grau schliessen eine Kandidatur nicht aus. Nicht zur Wahl antreten will Rolf Schatz von den Grünliberalen. Er sagt aber offen: «Ich habe die Kandidatur von Peter Herzog zum Gemeinderatspräsidenten nie unterstützt.» Schatz hofft wie Bauke auf eine Alternative zu Peter Herzog. Sich zur Präsidentschaftskandidatur entschliessen könnten sich theoretisch auch die zwei bisherigen Gemeinderäte Lydia Stenz von der SP und Albert Stocker von der SVP. Sie wurden beide (Stenz mit 1227 und Stocker mit 1029 Stimmen) wiedergewählt. Der parteilose Georg Jaggi erzielte mit seinen rechtsextremen Ansichten 97 Stimmen.
Schulpflege ohne SVP
Zur Schulpräsidentin und somit automatisch auch als Gemeinderätin gewählt wurde die parteilose Dora Murer. Die Schulpflege setzt sich neu aus folgenden Mitgliedern zusammen: Dora Murer, Präsidentin (parteilos, 1322 Stimmen), Daniel Wolfensberger (FDP, 1197), Ursula Vonlanthen (FDP, 1124), Anita Rein (FDP, 1050), Janine Bours (neu, CVP, 932), Max Bickel (SP, 915) und Andreas Stocker (SP, 904). Das absolute Mehr von 653 Stimmen erreicht, aber als überzählig ausgeschieden sind die SVP-Kandidatinnen Susanne Raeburn (neu, 689) und Renata Waser (857). Bitter für Waser: Sie scheidet als bisherige Schulpflegerin aus dem Amt.
Bereits in stiller Wahl gewählt wurden am 12. Januar die Mitglieder der Sozialbehörde, der Bau- und Werkkommission und der Rechnungsprüfungskommission.