Es waren pointierte Stimmen in den Leserbriefspalten und an den Wahlpodien, die dem Gemeinderat Selbstzufriedenheit und mangelnden Gestaltungswillen vorwarfen. Kritiker sprachen von visionslosem Verwalten und kraftlosem Agieren, hinter vorgehaltener Hand wurden einzelne Mitglieder auch als Sesselkleber bezeichnet. Die Wählerinnen und Wähler sind diesen Stimmen gefolgt - allerdings mit Bedacht. So erzielte der Last-Minute-Kandidat Jan Bauke zwar einen Achtungserfolg, schaffte aber den Einzug in den Gemeinderat nicht. Dafür hievte das Wahlvolk drei andere neue Kandidaten mit fulminanten Resultaten in den Gemeinderat: Rolf Schatz (GLP) und Hans-Ulrich Braun sowie Reto Grau (beide FDP) wurden verpflichtet, für frischen Wind in der Gemeinde zu sorgen. Die Resultate zeugen davon, dass die Neulinge im Gemeinderat weit über ihre Parteigrenzen hinaus auf Zuspruch zählen konnten.
Stutzig machen müsste der gestrige Wahlausgang und die nackten Zahlen die bisherigen Gemeinderäte. Nach 28 Jahren scheidet Peter Hartmann von der SVP als überzählig aus dem Gemeinderat aus, und die drei neu gewählten Kandidaten belegen Spitzenplätze - das ist ausserordentlich. Dadurch wird fast die Hälfte des Gemeinderats erneuert. Der Souverän schuf mit seiner Wahl die Voraussetzung, dass die Exekutive unverbraucht und kraftvoll die anstehenden Projekte angehen kann. Dies kann nur ein Vorteil sein: Gerade bei den politisch diffizilen Grossprojekten Bahnhofsplatz und Begegnungszone sind Gemeinderäte gefragt, die unvoreingenommen und in der Bevölkerung breit abgestützt nach Lösungen suchen, die mehrheitsfähig sind.
Gut möglich, dass das Stimmvolk die nächste Erneuerung bereits am 25. April diktiert: Dann ist der zweite Wahlgang für das Gemeinderatspräsidium. Die neuen Kräfte im Gemeinderat wissen um ihre Stärke.