Die Situation ist ungewöhnlich. Mit Beatrice Meier (SP) und Daniel Tewlin (FDP) kandideren die aktuelle Schulpräsidentin und deren Vorgänger für den Vorsitz in der Schulpflege. Zündstoff für die Wahlen vom 7. März ist da eigentlich vorprogrammiert, zumal in den Medien ein verbaler Schlagabtausch stattfand.
Am gestrigen Wahlpodium vor rund 150 Interessierten im Begegnungszentrum Serata zeigten sich die beiden Schulpräsidiumskandidaten aber handzahm. Moderator Lukas Matt, Redaktionsleiter der «Zürichsee-Zeitung Bezirk Horgen» und des «Thalwiler Anzeigers», hatte die richtigen Fragen eigentlich parat. Von Beatrice Meier wollte er wissen, ob sie fürchte, dass mit Daniel Tewlin Unruhe in die Schule kommen könnte, nachdem sie gemäss eigenen Aussagen in den letzten vier Jahren einen Kulturwandel herbeigeführt und Ruhe in die Schule gebracht habe. Die amtierende Schulpräsidentin sagte, sie könne die Frage nicht beantworten. Tewlin seinerseits bestritt, dass er mit seiner Kandidatur die Arbeit der jetzigen Präsidentin in Frage stelle. Vielmehr gehe es ihm darum, dass die FDP als «Bildungspartei» das Mandat wieder zurückerobere. Eine fruchtbare Basis
Meier bat darum, die angefangene Arbeit weiterführen zu dürfen. Sie erwähnte die erfolgreiche Umsetzung der Schulreformen, dass sich die Schulpflege auf die strategische Ebene zurückgezogen und die operative Leitung in allen Schulhäusern abgegeben habe; sprach von den positiven Aspekten der integrativen Förderung, die man jetzt mit Fingerspitzengefühl weiterführen müsse.
Tewlin mochte dem kaum widersprechen, wollte vielmehr mehrfach betont haben, dass schon während seiner früheren Amtszeit die «fruchtbare Basis für diese Entwicklungen geschaffen wurden». Am ehesten unterschieden sich die Aussagen der Bewerber beim Thema Tagesstrukturen. Meier sieht derzeit keine Notwendigkeit, das Angebot auszubauen, da das Hort-/Mittagstischangebot im Moment ausreiche. Trotzdem will sie die Ergebnisse einer Elternumfrage sorgfältig analysieren und hält den Wunsch nach einer Tagesschule aufrecht. Für Tewlin ist klar, dass es keine «übertriebene Tagesschule» braucht. Die bisherigen Gemeinderäte
Zuvor stellten sich die Kandidatinnen und Kandidaten für den Gemeinderat persönlich vor - drei Minuten gönnte ihnen Gianpietro Dinner vom Verein Ökopolis Thalwil, welcher das Podium organisierte. Dann unterbrach Dinner den Redefluss mittels Kuhglocke.
? Schule, Gesellschaft und Integration: Gemeindepräsidentin Christine Burgener (CVP, bisher) sprach viele politischen Themen an und nannte als Ziel vor allem die Integrationsförderung sowie die Förderung der Freiwilligenarbeit.
? Zufrieden zeigte sich Finanzvorstand Märk Fankhauser (FDP, bisher) mit dem stabilen Steuerfuss und den getätigten Investitionen. Als Herausforderungen sieht er die steigenden Sozialkosten.
? Liegenschaftenvorstand Andreas Federer (CVP, bisher) möchte sich neben der Zentrumsplanung mit konkreten Projekten wie der Sanierung der Turnhalle Platte befassen. Trotz grossen politischen Zielen blieb er klar unter dem Zeitlimit.
? Sozialvorstand Peter Klöti (FDP, bisher) erwähnte seine berufliche Tätigkeit als Lehrer. Ihm liegt eine gute Jugendarbeit am Herzen und er sieht gleichzeitig die Altersarbeit als ein wichtiges Thema.
? Catherine Marrel (SP, bisher), Verantwortliche Gesundheit und Freizeit, wies auf ihr breites Aufgabenfeld hin: Abfall, Kultur und Gesundheit. In vielen Bereichen werde Thalwil vor allem die Regionalisierung beschäftigen.
? Jan Rauch (parteilos, portiert durch den Dorfverein Gattikon, bisher), gab einen Zwischenstand betreffend der geplanten Gastankstelle und bemühte dabei - wie viele seiner Konkurrenten - das Wort Nachhaltigkeit. Die Herausforderer
? Michael Brandenberger (parteilos, neu) zeigte sich angriffslustig und kritisierte den «konsensorientierten Gemeinderat». Dann wurde die Zeit knapp: «Den Rest erzähle ich ein anderes Mal.»
? Mit seiner Blutgruppe, «T wie Thalwil», überraschte Richard Gautschi (parteilos, neu) den Saal. Rhetorisch versiert, sprach sich der Druckereiinhaber für ein regionales Glasfaserkabelnetz und mehr Engagement und Professionalität in der Zentrumsplanung aus.
? René Tschudi (SVP, neu) möchte gegen «Behinderungsmassnahmen» aller Art kämpfen und nannte seine vom Souverän gutgeheissene Grüngut-Initiative als Wahlargument.
? Ariane Wädensweiler (FDP, neu) liegen Wohnmöglichkeiten für betagte Gattiker am Herzen. Gleichzeitig möchte sie noch vorhandene Grünflächen möglichst lange erhalten.
? Katharina Weber (parteilos, neu) will bei der Wertsammelstelle eine betreute Stöberecke einrichten, so dass noch brauchbare Gegenstände neue Eigentümer finden.
? Die Kinder seien draussen, jetzt habe sie Zeit für die Politik, argumentierte Regula Weber (parteilos, neu). Sie betonte ihre Führungserfahrung und Sozialkompetenz. Wenige Fragen aus dem Publikum
In der offenen Runde blieben die Fragen der Zuhörer an einer Hand abzuzählen. Den Vorwurf an Federer, er habe sich mit dem Dossier Zentrumsplanung die Finger verbrannt und den Zeitplan nicht eingehalten, entkräftete dieser mit dem Hinweis auf eine Strategieänderung.
Den Wunsch eines Zuschauers an die Kandidaten, ihre Haltung zum Wohnprojekt am Gattikerweiher mit Ja oder Nein kundzutun, erfüllten einige Protagonisten mit «teilweise». Auch die Fragen an die Schulpräsidiumskandidaten boten kaum Zündstoff. Meier ist gegen eine freie Schulwahl, Tewlin will den Begriff zunächst definiert haben. Den Vorwurf, er habe während seiner Amtszeit als Schulpräsident einen diktatorischen Führungsstil gepflegt, wies er zurück und betonte, als Schulpräsident gehe es auch darum, Stellung zu beziehen, sich zu outen und Führungsverantwortung wahrzunehmen. |