Langnau Der Gewerbeverein lud zum finalen Podium vor den Wahlen
Kommandant Jan Bauke kandidiert und irritiert
Die Podiumsdiskussion mit den Kandidaten für den Gemeinderat verlief unaufgeregt ? bis Jan Bauke im Publikum zum Mikrofon griff. Oliver Demont
Rund 180 Personen folgten der Einladung des Langnauer Gewerbevereins in den Schwerzi-Saal und sassen gegenüber den Gemeinderatskandidaten. Moderator Philipp Kutter, Stadtrat von Wädenswil und zurzeit im Wahlkampf um das Stadtratspräsidium, platzierte die Exekutiv-Anwärter in die Gruppen «Neue» (Rolf Schatz, GLP; Reto Braun, FDP; Hans-Ulrich Braun, FDP), «Bisherige» (Peter Hartmann, SVP; Lydia Stenz, SP; Albert Stocker, SVP) und «Präsidial» (Peter Herzog, CVP, kandidiert für das Gemeinderatspräsidium; Dora Murer, parteilos, kandidiert für das Schulpräsidium).
Zu Beginn stellte Kutter spezifische Fragen an die einzelnen Kandidaten, welche meist allgemein beantwortet wurden (Moderator Kutter an Gemeinderat Peter Hartmann: «In der Zeitung stand, dass in Langnau nur Senioren regieren - Sie sind seit 1982 mit dabei. Warum so lange?» - Hartmann: «Ich habe Zeit, um weiterzumachen.»)
Erstaunen über Sinneswandel
Zug in den Abend kam, als Moderator Kutter das Podium für das Publikum öffnete. Jan Bauke nutzte umgehend die Möglichkeit, ergriff das Mikrofon und brachte sich mit einer kryptischen Erklärung wieder in die Position des Präsidentschaftskandidaten. Auf die Rückfrage des Moderators, ob er denn nun kandidiere oder nicht, antwortete Bauke mit einem Ja. Diese klare Absicht verursachte irritierte Gesichter bei den bisherigen Gemeinderäten. Hatte doch Bauke seine Kandidatur offiziell zurückgezogen, nachdem eine Unvereinbarkeit mit seinem Amt als Feuerwehrkommandant festgestellt wurde und er das Amt des Kommandanten nicht abgeben wollte. Nun aber sagte Bauke: «Wenn ich gewählt werde, dann gebe ich mein Amt als Kommandant der Feuerwehr ab.»
Die SP-Gemeinderätin Lydia Stenz reagierte erstaunt auf Baukes Sinneswandel. «In der Zeitung verkündete Herr Bauke kürzlich noch seinen Rückzug als Kandidat, jetzt tritt er wieder an.» Und prompt wurden nach dem Podium Stimmen aus dem Publikum laut, die Baukes Verhalten als «Wischiwaschi» oder gar «Wortbruch» bezeichneten. Es gab aber auch andere, die meinten, dass eine «Blutauffrischung» wichtig wäre und «der Gottesdienst im Gemeinderat endlich gestört werden muss, da der Gemeinderat kraft- und visionslos agiert». Auf die Frage aus dem Publikum, ob eine Zusammenarbeit mit Jan Bauke im Gemeinderat überhaupt vorstellbar wäre, antwortete Peter Herzog, zurzeit alleiniger Präsidentschaftskandidat (abgesehen von Georg Jaggi): «Wir können sicher mit Herrn Bauke zusammenarbeiten, wenn er gewählt wird. Wir sind schon mit anderen schwierigen Personen im Rat zurechtgekommen.»
Bauke will Veränderungen
Doch was wäre der Unterschied zwischen einem Präsidenten Herzog und einem Präsidenten Bauke? Herzog bezeichnete seinen Führungsstil kollegial als «primus inter pares», also als Erster unter Gleichen. Diametral anders würde Bauke seine Rolle definieren. «Ich würde meine Führungsverantwortung wahrnehmen und auch fordern, dass gewissen Dinge sich ändern.» Diesen Stil pflege er bei der Feuerwehr und würde er auch ins Amt als Gemeinderatspräsident mitnehmen. Auf die Frage, ob er die Wahl als einfachen Gemeinderat annehmen würde, antwortete er: «Aber selbstverständlich. Das ist Bürgerpflicht.»