Präsidium Stocker-Nachfolge noch offen - SVP chancenlos, CVP in der Pole-Position
Shootingstar Kutter schlägt alle
Das absolute Mehr hat gestern keiner der fünf Präsidiumskandidaten erreicht. Favorit für den zweiten Wahlgang am 7. März ist der junge CVP-Kandidat Philipp Kutter – FDP und EVP stehen unter Druck. Anja Müller
Johannes Zollinger (EVP), Felicitas Taddei (FDP) und Philipp Kutter (CVP, von links): Sie machten bei den gestrigen Stadtpräsidiumswahlen die meisten Stimmen. Spitzenreiter ist Philipp Kutter mit rund 600 Stimmen Vorsprung. (Beat Habermacher)
Die gestrigen Wahlen brachten zwar noch keine Antwort auf die Frage, welcher der fünf Präsidiumskandidaten die Nachfolge von Stadtpräsident Ernst Stocker (SVP) antreten wird, der Trend ist nun aber eindeutig: Sicherheits- und Gesundheitsvorstand Philipp Kutter (CVP) machte bei einem absoluten Mehr von 2588 Stimmen 1577 Stimmen und liess seine vier Mitstreiter damit deutlich hinter sich. Mit rund 600 Stimmen weniger liegt an zweiter Stelle Schulvorstand Johannes Zollinger (EVP, 978 Stimmen), dicht gefolgt von Sozialvorsteherin Felicitas Taddei (FDP, 942 Stimmen). Weit zurück liegen die neu für die Exekutive kandidierenden Ernst «Grübi» Brupbacher (BFPW, 680 Stimmen) und Martin Lampert (SVP, 653 Stimmen). Die Stimmbeteiligung lag bei beachtlichen 42,84 Prozent.
«Ich bin sehr glücklich. Dass ich mich derart klar von den anderen Kandidaten absetzen kann, hätte ich nicht erwartet», meinte der 34-jährige Kutter direkt nach dem Bekanntwerden der Wahlresultate. «Offenbar konnte ich signalisieren, dass ich grosse Freude hätte, das Amt des Stadtpräsidenten auszuüben.» Kutter, der nun für den zweiten Wahlgang am 7. März als Kronfavorit gilt, wurde erst vor vier Jahren neu in den Stadtrat gewählt.
Gibt sich Zollinger geschlagen?
Eine persönliche Niederlage musste der 61-jährige Johannes Zollinger einstecken. Bei den Wahlen 2006 noch Spitzenreiter, liegt der erfahrene Exekutivpolitiker (seit 1997 im Stadtrat) nun weit abgeschlagen hinter dem jungen Senkrechtstarter Kutter. Das Ergebnis komme für ihn aber nicht ganz unerwartet, sagt Zollinger: «Philipp Kutter hat eine erfolgreiche Wahlkampagne gefahren und ist in Wädenswil gut vernetzt.» Der EVP-Stadtrat sieht aber noch einen anderen Grund für seinen Rückstand: «Ich glaube, dass mich viele Bürgerinnen und Bürger als Schulvorstand behalten möchten und mich deshalb nicht als Stadtpräsident gewählt haben.» Ob er für den zweiten Wahlgang nochmals zur Verfügung steht, hat Zollinger noch nicht entschieden. Für ihn ist aber klar: «Für den zweiten Wahlgang ist eine Zweierkandidatur vernünftiger. Allenfalls würde ich sogar eine alleinige Kandidatur von Philipp Kutter unterstützen. Seinen grossen Vorsprung muss man akzeptieren.»
Anders sieht es die drittplatzierte Felicitas Taddei. Vor vier Jahren hatte sie als Quereinsteigerin bereits einmal für das Stadtpräsidium kandidiert, sich damals aber vor dem zweiten Wahlgang zu Gunsten von SVP-Kandidat Ernst Stocker zurückgezogen: «Dieses Mal ist die Ausgangslage anders. FDP, SVP und das Bürgerliche Forum müssen sich nun auf einen Kandidaten einigen, um noch eine Chance auf das Präsidentenamt zu haben. Ich würde gerne weiter im Rennen bleiben», sagt die Sozialvorsteherin.
Ob der Kandidat des Bürgerlichen Forums positives Wädenswil (BFPW), Ernst Brupbacher, trotz des schlechten Resultats nochmals antreten wird oder sich für FDP-Kandidatin Taddei zurückzieht, wollte er gestern noch nicht bekannt geben: «Das entscheiden wir parteiintern diese Woche.»
Herbe Niederlage für SVP
Ein Schlag ins Gesicht ist das Wahlergebnis für die SVP. Ihr Präsidums-Kandidat und Gemeinderat Martin Lampert hat nicht nur die wenigsten Stimmen gemacht, der 50-jährige Sekundarlehrer hat auch den Sprung in den Stadtrat nicht geschafft. Damit ist er im zweiten Wahlgang aus dem Rennen. «Ich habe gewusst, dass die Situation für Martin Lampert heikel ist, doch habe ich erwartet, dass das Resultat knapper ausfällt», sagt der Wädenswiler SVP-Präsident Erich Schärer. Konsterniert fügt er hinzu: «Es gibt halt Leute, die aus Prinzip nicht SVP wählen - auch wenn der Kandidat gemässigt und konsensfähig ist.»
Wenn die SVP auch im zweiten Wahlgang mit von der Partie sein will, hat sie nur eine Möglichkeit: mit dem frisch gewählten SVP-Stadtrat Heini Hauser anzutreten. Dies scheint für Erich Schärer aber unrealistisch: «Ich glaube nicht, dass Heini Hauser antreten will. Definitiv entscheiden werden wir aber erst an der Parteiversammlung am 11. Februar.» Hauser selbst sagt auf Anfrage: «Ich habe immer die Meinung vertreten, dass man als neuer Stadtrat nicht den Anspruch auf das Präsidium stellen darf, ich bin daher persönlich eher abgeneigt, als Stadtpräsident zu kandidieren. Definitiv Nein sage ich aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht.»