Gemeinderat Mit Peter Wirth wurde erstmals ein Parteiloser in die Exekutive gewählt
Ein Parteiloser holt SVP-Sitz
Der Freisinnige Hans Peter Brunner und der Parteilose Peter Wirth sind die neuen Gesichter im Horgner Gemeinderat. Nicht geschafft haben es Renée Hassiotis (LQH) und Andreas Arnold (SVP). Hans-Heiri Stapfer
Mit einer ungewöhnlich tiefen Stimmbeteiligung von lediglich 36 Prozent ist am Sonntag die Exekutive bestellt worden. Gemeindepräsident Walter Bosshard vermutet, dass das Fehlen von zusätzlichen Vorlagen auf kantonaler oder nationaler Ebene am Wahlwochenende mit ein Grund für die tiefe Stimmbeteiligung war.
Erstmals ist in Horgen Tatsache geworden, was in anderen Gemeinden seit Dekaden gang und gäbe ist: die Wahl eines Parteilosen in die Exekutive. Mit dem Sprung in den Gemeinderat hat der 52-jährige Versicherungsberater Peter Wirth somit ein Stück Horgner Geschichte geschrieben. «Ich kann es kaum glauben, dass ich mich gegen die etablierten Parteien durchsetzen konnte», freut sich Wirth. Er vermutet, dass sein grosser Bekanntheitsgrad in Horgen mit ein Faktor war, dass er vom Souverän in die Exekutive gehievt worden ist. Er war früher aktiver Handballspieler und ist seit Jahren Mitglied der Stützpunktfeuerwehr Horgen. Wirth setzte sich im Wahlkampf für die Förderung der Sportvereine sowie die Schaffung neuer Trainingsanlagen ein. Argumente, die offensichtlich bei den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern zogen.
Die eigentliche Überraschung der Wahl ist der 54-jährige Newcomer Hans Peter Brunner (FDP), der auf Anhieb das fünftbeste Ergebnis erzielte, obwohl er bislang keinerlei Behördenerfahrung aufweist. «Das gute Resultat ist natürlich auch eine gewisse Belastung», sagt der Jurist, «zuerst will ich die Kollegen im Gemeinderat kennen lernen und mich anschliessend in die Exekutive einbringen.» Hans Peter Brunner tritt für die Freisinnigen die Nachfolge von Walter Bosshard im Gemeinderat an.
SVP verliert einen Sitz
Der für den Horgner Sicherheitsvorstand Samuel Fröhlich angetretene Parteipräsident Andreas Arnold konnte die Erwartungen der SVP nicht erfüllen: Er hat das absolute Mehr zwar erreicht, ist aber als Überzähliger ausgeschieden. 82 Stimmen fehlten - und er hätte Peter Wirth vom letzten Platz verdrängt. Damit verliert die Partei den im Jahre 2004 im Rahmen einer Ersatzwahl von der SP gewonnenen dritten Sitz. «Möglicherweise ist mir das Einstehen für klare bürgerliche Werte zum Verhängnis geworden», sagt Arnold. Er will nun in seiner Eigenschaft als SVP-Parteipräsident «die neue Exekutive und besonders das parteilose Mitglied sehr genau beobachten». Der unterlegene Gemeinderatskandidat will das SVP-Parteipräsidium auch in Zukunft weiterführen.
Ebenfalls nicht in den Gemeinderat einziehen wird die von «LebensQualität Horgen» portierte Renée Hassiotis-Schuler. Ihr fehlten 82 Stimmen zum Erreichen des absoluten Mehrs. «Die überraschend hohe Zahl von 1321 Stimmen ist aber ein Indiz, dass sehr viele Bürger mit der bisherigen Politik in Horgen unglücklich sind», betont Renée Hassiotis-Schuler. Sie will sich aber künftig ausserhalb der Exekutive einbringen «und so für Veränderungen sorgen».
Frauen schwingen obenauf
Mit einem Glanzresultat von 2742 Stimmen ist die bisherige Finanzvorsteherin Daniela Mosbacher (FDP) gewählt worden, ihr folgt mit 2710 Stimmen Denise Vielmi (CVP). Die Sozialdemokratin Jacqueline Gübeli erzielte mit 2369 Stimmen mehr Stimmen als ihr Parteikollege Joggi Riedtmann (2281). Nachdem die SVP einen Sitz eingebüsst hat, ist die FDP im neuen Gemeinderat nun mit drei Sitzen stärkste Kraft. Die SP sowie die SVP bringen es auf je zwei Sitze, unverändert mit einem Sitz präsent ist die CVP.
Kaum ungültige Stimmen
Keine grossen Auswirkungen hatte die Anfang Jahr eingeführte Neuerung, dass alle Stimmrechtsausweise - auch die an der Urne abgegebenen - von den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern unterschrieben sein mussten. Lediglich 14 der insgesamt 3966 Wahlzettel waren ungültig. Gemeindeschreiber Felix Oberhänsli macht die Kommunikation mittels eines Beiblattes dafür verantwortlich. Vernachlässigbar ist die Zahl von 25 leer eingelegten Wahlzetteln. Insgesamt 392 Stimmen konnten vereinzelte, in Horgen wohnhafte Personen auf sich verbuchen. Die bisherige Exekutive wird nach den Wahlen so lange im Amt bleiben, bis auch das Präsidium neu bestellt ist. Dieser Wahlgang ist für den 25. April angesetzt. Die konstituierende Sitzung des neuen Gemeinderates für die Legislaturperiode 2010 bis 2014 ist für Montag, 3. Mai, vorgesehen.