Überglücklich nahm SVP-Parteipräsident Renato Günthardt unmittelbar nach der Verkündigung der Ergebnisse im Adliswiler Stadthaus die Gratulationen der übrigen Parteipräsidenten entgegen. Die SVP hat an den Erneuerungswahlen für das Adliswiler Parlament bei einer Wahlbeteiligung von 31,95 Prozent zwei Sitze dazugewonnen und kommt nun auf zehn Sitze. Sie ist neu stärkste Partei im Adliswiler Gemeinderat und löst damit die SP ab. «Das Ergebnis ist eine riesige Überraschung», gibt Günthardt zu - eigentlich hatte er keinen Sitzgewinn für seine Partei erwartet. Als stärkste Partei und Fraktion trage die SVP nun eine riesige Verantwortung, sagt Günthardt.
Für die SVP werden künftig die Bisherigen Fredi Morf, Urs Weyermann, Renato Günthardt, Bernd Riesen, Hans-Peter Nyffeler, Martin Koller, Franco Rossi sowie die Neuen Daniel Aebli, Daniela Morf und Ulrich Röthlisberger im Rat sitzen. Einziger Wermutstropfen für die SVP ist, dass mit Hans Rindlisbacher ein amtierender SVP-Gemeinderat deutlich abgewählt wurde - trotz eines guten Listenplatzes. Jüngster Gemeinderat ist SPler
Katzenjammer herrscht dagegen bei der SP. 2002 und 2006 hatte sie zehn Sitze geholt, jetzt nur noch deren acht. «Unser Ziel, stärkste Partei zu bleiben, haben wir verfehlt», gibt Fraktionspräsidentin Carmen Marty Fässler zu. Die SP hatte gehofft, ihre Sitzzahl trotz erstmaliger Präsenz der Grünen halten zu können. Man werde die Resultate analysieren müssen, sagt Marty.
Immerhin: Mit dem 20-jährigen Simon Jacoby stellt die SP in Zukunft den jüngsten Gemeinderat. Gemeinsam mit Fred Berger (neu) begleitet er die Bisherigen Barbara Häberli, Carmen Marty Fässler, Sait Acar, Davide Loss, Rita Schmid Göldi und Gabi Barco - sie wurde mit nur zehn Stimmen Vorsprung auf die nächsten SP-Exponenten gewählt - in die Ratssitzungen.
Mit ein Grund für die Niederlage der SP dürften die Grünen sein. Sie sind als neue Partei erstmals zu den Parlamentswahlen angetreten - und haben gleich zwei Sitze erobert, welche von Parteipräsident Ulrich Gräflein sowie Markus Kuhn besetzt werden. Am dritten Sitz sind die Grünen nur knapp vorbeigeschrammt. «Wir haben auf zwei Sitze gehofft und sind natürlich positiv überrascht, dass es nun geklappt hat», sagt ein zufriedener Ulrich Gräflein. FDP wahrt Besitzstand
Nachdem Yannick Wettstein vor wenigen Monaten von der SP zur FDP übergewechselt hat, sassen zuletzt sieben Freisinnige im Adliswiler Gemeinderat. Gemessen an den Wahlen 2006 - damals eroberte die FDP sechs Sitze - bedeuten die sechs Sitze, die die FDP nun erreichte, ein Status quo. Ein Ergebnis, mit welchem FDP-Parteipräsident Peter Werder «sehr zufrieden» ist. Gewählt sind die Bisherigen Roger Neukom, Peter Werder, Susy Senn, Thomas Iseli und Yannick Wettstein sowie neu Mario Senn. Weil Susy Senn im Stadtrat Einsitz nehmen wird, wird aller Voraussicht nach Simone Huber (neu) in den Gemeinderat nachrutschen.
Der Sitzzuwachs der SVP geschieht auf Kosten von CVP und Freien Wählern (FW). Die Freien Wähler verloren einen Sitz und belegen nun noch vier Sitze im Gemeinderat. Gewählt sind der aktuelle Gemeinderatspräsident Max Stenz, Stefan Winter (bisher), Harry Baldegger (neu) und Daniel Frei (bisher). Der Bisherige Rudolf Bräuer wurde Opfer des Sitzverlusts und findet keine Aufnahme mehr im Parlament.
Auch die CVP kommt neu nur noch auf vier statt fünf Sitze. Die vier Bisherigen Clemens Ruckstuhl, Nicole Kappeler, Thomas Fässler und Farid Zeroual wurden komfortabel gewählt, der als Nachfolger für die zurücktretende Brigitte Abstreiter portierte Antonio Senese bleibt überzählig. Hin zu politischen Extremen
Sowohl Karin Fein, Parteipräsidentin der Freien Wähler, als auch Ruth Oesch, CVP-Parteipräsidentin, hatten mit dem Sitzverlust nicht gerechnet und waren entsprechend enttäuscht. Sie stellten in einer ersten Reaktion eine Entwicklung hin zu den politischen Extremen fest. Nun gelte es, sich auf politischer Ebene Gedanken zu machen, wie die bürgerliche Mitte markanter auftreten könne und wie sie die Wünsche der Wähler wieder vermehrt erfüllen könne, sagte etwa Karin Fein.
Bleibt die EVP. Sie hat ihre zwei Sitze, welche weiterhin Karin Hug und Hanspeter Clesle belegen, problemlos verteidigen können. Auch wenn EVP-Parteipräsident Theo Meier insgeheim mit einem Sitzgewinn geliebäugelt hatte, so wertet er die Konsolidierung doch als Erfolg, insbesondere weil gleich drei Parteien einen Sitzverlust zur Kenntnis hätten nehmen müssen. Eine gemeinsame Fraktion EVP/FDP strebe die EVP weiterhin an. Noch dreieinhalb Monate warten
Die konstituierende Sitzung des Gemeinderates wird am 12. Mai stattfinden. Bis zu diesem Datum bleiben die bisherigen Parlamentarier im Amt. Einen Tag vorher, am 11. Mai, wird sich der Stadtrat neu konstituieren. Er ist bekanntlich schon im November still gewählt worden und setzt sich zukünftig zusammen aus Stadtpräsident Harald Huber (FDP, bisher), Didier Falbriard (CVP, bisher), Stephan Herzog (SP, bisher), Walter Müller (Freie Wähler, bisher), Patrick Stutz (SVP, bisher), Astrid Romer (SP, bisher) und Susy Senn (FDP, neu).
Dass der Adliswiler Stadtrat die konstituierenden Sitzungen erst auf Mai angesetzt hat - dreieinhalb Monate nach den Erneuerungswahlen -, ist überraschend. Die Gemeindeordnung des Gemeinderates besagt nämlich, dass die konstituierende Sitzung in der Regel zwei Monate nach der Erneuerungswahl erfolgt. Die Daten wurden aber gemäss Stadtpräsident Harald Huber schon lange festgelegt - als man noch von einer Wahl des Stadtrates und einem allfälligen zweiten Wahlgang ausging: «Dieser hätte am 7. März stattgefunden, also genau zwei Monate vor den nun gewählten Terminen der konstituierenden Sitzungen.» |