Langnau Jan Bauke über seine Rolle als heimlicher Sprengkandidat
«Ich würde die Wahl annehmen»
Eigentlich kandidiert Jan Bauke nicht mehr für den Gemeinderat. Nun ruft aber ein Blog öffentlich dazu auf, ihn zu wählen. «Das ist das gute Recht der Langnauer», findet der Nicht-Kandidat. Interview Katharina Weber
Jan Bauke, Sie haben Ihre Kandidatur fürs Gemeindepräsidium zurückgezogen, weil Sie im Falle Ihrer Wahl das Kommando der Feuerwehr hätten abgeben müssen. Nun hat ein Langnauer eine Webseite aufgeschaltet, auf der er öffentlich dazu aufruft, Sie zu wählen.
Das ist das gute Recht der Langnauerinnen und Langnauer. Der Urheber der Webseite hat mich angerufen und gefragt, ob ich etwas dagegen hätte, was ich verneint habe. Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich mich nicht ganz freiwillig zurückgezogen habe. Dass es jetzt Leute gibt, die dennoch meinen Namen auf den Wahlzettel schreiben wollen, kann ich schlecht verbieten. Offenbar ist auch für viele unklar, weshalb ich meine Kandidatur zurückziehen musste.
Es entsteht der Eindruck, Sie kokettierten mit der Möglichkeit, dass Sie als Sprengkandidat gewählt würden.
Als ich meine Kandidatur zurückzog, habe ich angekündigt, dass ich mich auch weiterhin in die Lokalpolitik einmischen werde. Ich finde es hochspannend, was jetzt gerade passiert in Langnau - auf einmal redet man über die Gemeinderatswahlen. Dass diese Wahlen nicht einfach still über die Bühne gehen, ist doch schon ein Erfolg. Und offensichtlich gibt es in Langnau Leute, die unzufrieden sind mit der jetzigen Situation. Unser Wahlrecht erlaubt es, diesen Unmut auszudrücken, indem man frei ist, den Namen jener auf den Wahlzettel zu schreiben, die man für fähig hält - unabhängig davon, ob sie kandidieren oder nicht. Und das ist gut so.
Rechnen Sie sich denn Chancen aus?
Nein, ich glaube nicht, dass ich gewählt werde, obwohl mir mehrere Leute gesagt haben, dass sie meinen Namen auf den Wahlzettel schreiben werden. Es würde mich aber sehr erstaunen, wenn es für eine Wahl reichen würde.
Angenommen, es würde doch reichen: Würden Sie die Wahl annehmen?
Wenn eine Mehrheit der Langnauerinnen und Langnauer finden würde, ich solle diese Aufgabe übernehmen, dann wäre das ein Auftrag. Ich würde die Wahl annehmen. Die Frage, was mit dem Feuerwehrkommando geschieht, lässt sich dann sicher irgendwie regeln.