«Einmal Händeschütteln bringt vier Stimmen», hiess bis anhin die Wahlkampf-Regel in Politkreisen. Zwar gilt diese Regel weiterhin, doch hat sich der Wahlkampf längst auch auf einer anderen Ebene etabliert: in der virtuellen Welt des Internets. «Ein Freund bei Facebook bringt vier Stimmen», dürfte die neue Regel deshalb lauten.
Ob sie sich bewahrheitet, wird sich im Bezirk Horgen am kommenden Sonntag zeigen, wenn in Wädenswil, Horgen und Kilchberg die Exekutive neu gewählt wird. Ein Teil der Lokalpolitiker setzt im Wahlkampf nämlich auf die Macht des Internets. Auf Facebook, dem weltweit grössten Online-Kontaktnetzwerk, hat sich ihre Präsenz in den letzten Wochen deutlich verstärkt. Kutter führt in Wädenswil
Unangefochten an der Spitze im Online-Wahlkampf liegt der mit 34 Jahren jüngste Wädenswiler Stadtpräsidiumskandidat, Philipp Kutter (CVP). Er bringt es auf stolze 470 Facebook-Freunde, obwohl er sein Profil erst vor zwei Monaten erstellt hat. Die von einem Parteikollegen gegründete Facebook-Gruppe «Philipp Kutter als Stadtpräsident» hat 181 Mitglieder.
Kutter veröffentlicht auf beiden Seiten Beiträge wie «Philipp Kutter hat kalte Füsse. Ich war grad auf Wädenswils Strassen unterwegs. Der Kontakt mit den Menschen war toll, nur wars bitterkalt (bibberbibber). Danke vielmals Conny für den Kafi!» oder «Stimmcouvert schon bekommen? Dann nichts wie ran an den Speck. Danke für deine Stimme!». Lampert mit Herzchen
Neben CVP-Kandidat Philipp Kutter mischen auch die Präsidiumskandidaten Ernst «Grübi» Brupbacher vom Bürgerlichen Forum positives Wädenswil (BFPW), SVP-Kandidat Martin Lampert und Johannes Zollinger von der EVP im Online-Wahlkampf mit. Was die Anzahl Freunde angeht, können sie mit Kutter aber nicht mithalten. Weder Brupbacher noch Lampert bringen es auf 30, bei Zollinger sind es 39.
In Brupbachers Facebook-Gruppe «Wädi braucht...», die 26 Mitglieder zählt, können die Wädenswilerinnen und Wädenswiler platzieren, was sie am meisten beschäftigt. Eine junge Frau schreibt: «Einen Blitzkasten und genau beim Club Industrie, das wäre mal von Vorteil und würde die Kasse füllen... vor allem am Wochenende...»
Auf der Facebook-Seite «Heini Hauser und Martin Lampert in den Stadtrat - Martin Lampert als Stapi!» (16 Mitglieder) finden keine Diskussionen statt. Dafür lobt eine Freundin auf Lamperts Privatprofil: «gute fortschritte machst du! ;-)» Unter anderem erfährt man dort auch - mit Herzchen als Symbol -, dass Martin Lampert in einer Beziehung ist.
Am wenigsten Erfolg auf Facebook hat der grüne Stadtratskandidat Heinz Wiher. Die von einem Anhänger gegründete Gruppe «Heinz Wiher in den Stadtrat Wädenswil - Wädi wählt Wiher» hat gerade mal zwei Mitglieder - den Gründer mit eingerechnet. SP Horgen online aktiv
Auch die Horgner Gemeinderatskandidaten nützen das Online-Kontaktnetzwerk als Bühne für ihren Wahlkampf. Allen voran die SP mit ihren Kandidaten Joggi Riedtmann und Jacqueline Gübeli: In ihrer Facebook-Gruppe «Was zählt ist Horgen - wir machen weiter!» (38 Mitglieder) kämpfen sie um Stimmen. Riedtmann versorgt die Gruppe regelmässig mit Informationen und Berichten über Wahlveranstaltungen - notabene auf Schweizerdeutsch und zum Teil betont jugendlich ausschliesslich mit Kleinbuchstaben. Auch zeigt er seinen Anhängern mit Bild: «Und eso sött eue Wahlzettel uusgseh ;-) ...» Gleichzeitig pflegt Riedtmann ein persönliches Facebook-Profil, auf dem er 237 Freunde hat.
Der parteilose Gemeinderatskandidat Peter Wirth hat zwar kein eigenes Facebook-Profil, eine seiner Anhängerinnen hat jedoch die Gruppe «Peter Wirth in den Gemeinderat Horgen» gegründet. Die 96 Mitglieder unterstützen «Wide» mit Nachrichten wie «eusen versicherigsberater im gmeindrat? wer ja cool...!!! :o)))».
Nicht ganz tot, aber doch sehr flau ist der Internetwahlkampf in Kilchberg. Lediglich die grünliberale Kandidatin Judith Bellaiche hat eine Facebook-Gruppe mit dem Namen «Judith Bellaiche in den Gemeinderat!» gegründet. Dort gibt sie den 52 Mitgliedern eine Anleitung zum Ausfüllen des Wahlzettels und fragt bei der Befestigung der Wahlplakate um Hilfe: «Hat jemand Erfahrung mit Fischkleister?» Die parteilose Lilian Bianchi hat auf Facebook zwar 36 Freunde, verrät aber sonst nichts über sich. |