Der Intendant des Turbine-Theaters, Peter Niklaus Steiner, dürfte zufrieden sein. Dramaturgisch bot sich so einiges, als er die Gemeinderatsanwärter auf die Bevölkerung treffen liess. Und geschickt nutzte er die Möglichkeit, bei den Politikern Sympathien für das Theater und die Kultur zu wecken. Die 80 Personen im Publikum hatte er in dieser Sache bereits auf seiner Seite.
Doch dem Programm nach: Im Intro des Abends platziert sich zu Beginn Präsidentschaftskandidat Peter Herzog (CVP, bisher) auf dem weissen Sofa. Auf die Frage Steiners, was er sich für Langnau wünsche, sagt Herzog: «Ein paar Lottomillionäre», da es in Langnau einen Haufen Dinge anzupacken gebe. Auf das Sofa folgt mit reichlich Schalk Jan Bauke, ehemaliger parteiloser Präsidentschaftskandidat und Feuerwehrkommandant, der seine Kandidatur wegen Ämterkumulation zurückziehen musste. Bauke findet, dass «wir Langnauer kleinlicher geworden sind», und nennt als Beispiel den Christbaum auf dem Dorfplatz. Sein Urteil: «Lieber keinen als solch einen.»
Zum Dank wird den beiden ein «kultureller Wunsch» erfüllt - Herzog das Stück «Oye como va» von Carlos San-tana (gespielt von der «Turbine-Talk»-Band unter Leitung von Michael Hug) und Bauke eine kurze Lesung aus der Novelle «Aus dem Leben eines Taugenichts» von Joseph von Eichendorff. Dann folgt die eigentliche Elefantenrunde der Langnauer Politik: Alle Gemeinderatskandidaten begeben sich auf die Bühne. Auch mit dabei, obschon er nicht kandidiert: Jan Bauke. Seine Sonderrolle erlaubt ihm, immer wieder unverblümt die Dinge beim Namen zu nennen. Wenig kontroverse Diskussion
Sind die Interviews mit Herzog und Bauke noch von der Qualität eines wohligen Gesprächs am Kamin, landet der restliche Abend rasch bei der konkreten Lokalpolitik. Wäre da nicht eine Fee auf High-Heels und in Glimmer-Weste (Jessica Elsasser), die hofnärrisch-intelligent mitfragt und kommentiert, der Abend hätte auch in Theaterumgebung wenig Leichtigkeit. Diskutiert, wenn auch wenig kontrovers, wurden unter anderem folgende Themen:
Steuerfuss: Die Meinung herrscht vor, dass dieser nicht steigen darf. Die Gemeinde soll sich aber auch nicht zu Tode sparen. Wolle eine Gemeinde lebendig sein, müsse sie auch investieren, sagt Bauke. 80 Prozent der Ausgaben seien vorgegeben, erläutert Peter Hartmann (SVP, bisher).
Sicherheit: Langnau sei sicher, die Kriminalität habe - bis auf die häus-liche Gewalt - abgenommen, sagt Herzog. Die Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei (und somit der Verzicht auf eine eigene Gemeindepolizei) erachten alle als sinnvoll, ebenso jene mit einer privaten Sicherheitsfirma. Bauke bringt ein, dass er einst einen Einbrecher in ein Zimmer einsperrte - dieser aber aus dem Fenster entkam, da die Polizei erst nach 40 Minuten eintraf.
Strassenverkehr: Albert Stocker (SVP, bisher) glaubt, dass die Debatte um Tempo 30 in den Quartieren nochmals geführt werden muss. Herzog will Lösungen finden, damit auf der Dorfstrasse langsamer gefahren wird.
Fusion mit Adliswil: Zusammenarbeit ja, Fusion niemals - dies der Tenor der Voten. Hans-Ulrich Braun (FDP, neu) sagt: «Eine Heirat mit einer schwachen Braut ist nicht sinnvoll.» Auch der Kandidat der GLP, Rolf Schatz (neu), möchte kein «Klumpenrisiko» und befürwortet deshalb «kleinere Einheiten».
Langeweile und die Jugend: Anwesende Jugendliche beklagen sich über das mangelnde Angebot. Dora Murer (parteilos, bisher) verspricht, das Gespräch mit den Jugendlichen zu suchen. Allerdings müsse die Initiative für Angebote von den Jugendlichen selbst kommen. |