Horgen Die neuen Gemeinderatskandidaten präsentierten sich erstmals gemeinsam dem Publikum
Ein Quartett übte sich im «Chifle»
Das Podium im Foyer des Schinzenhofs bot Gelegenheit, den vier Anwärtern in die Horgner Exekutive auf den Zahn zu fühlen. Hans-Heiri Stapfer
Andreas Arnold (SVP), Hans-Peter Brunner (FDP), Renée Hassiotis (Lebensqualität Horgen / LQH) und Peter Wirth (parteilos) haben zwei Dinge gemeinsam: Sie haben keinerlei Erfahrungen in einer Exekutive und wollen nach den Wahlen vom 31. Januar Teil des Horgner Gemeinderats sein. Das Quartett stellte sich gestern Donnerstagabend an einem von der Interparteilichen Konferenz (IPK) Horgen organisierten und von Marc Schadegg, dem stellvertretenden Redaktionsleiter der «Zürichsee-Zeitung», moderierten Podium. An dem mit knapp 100 Zuhörerinnen und Zuhörern bis zum letzten Platz besetzten Podium durften die Protagonisten über einen selbst gewählten Themenkreis referieren. Für Andreas Arnold wichtig ist der Kampf gegen Vandalismus und Littering im öffentlichen Raum: «Jeder Einwohner muss Eigenverantwortung übernehmen, ich plädiere für Hinsehen und nicht Wegsehen.» Ein Anliegen des Freisinnigen Hans-Peter Brunner ist das Mitwirkungsverfahren: «Ich sehe das als Möglichkeit einer Plattform für das Einbringen von Themen, lehne aber das Mitwirkungsverfahren als Instrument zur Durchsetzung von Partikularinteressen ab.»
Der Ruf nach einer Eisbahn
Guter Informationsfluss lag Renée Hassiotis am Herzen: «Die Kommunikation seitens der Gemeinde vor Abstimmungen sollte früher und transparenter erfolgen, damit die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger genügend Zeit sowie eine vollständigere Entscheidgrundlage haben.» Für den ehemaligen Spitzen-Handballer Peter Wirth hat die Verbesserung der Trainingsmöglichkeiten für Sportvereine grosse Priorität: «Wir brauchen ganz klar mehr Sporthallen, dazu muss über ein neues Hallenbad diskutiert werden oder über eine Überdachung des Bades in Käpfnach - und wir müssen Rahmenbedingungen fürs Eishockey schaffen.»
Zu reden gab die Frage nach bezahlbarem Wohnraum. Hans-Peter Brunner sieht den Hauptgrund an der Verknappung im individuell steigenden Bedarf an Wohnraum und nicht bei den Neuzuzügern. Andreas Arnold spricht «von einem gewissen Bedarf an sozialem Wohnungsbau», und Renée Hassiotis betont, «dass Grossinvestoren nicht begünstigt werden sollten und es eine ausgewogene Mischung zwischen Wohnen, Gewerbe und Erholung geben muss». Peter Wirth regt an, dass die Gemeinde Land im Baurecht abgeben müsse, um so günstigen Wohnraum zu schaffen.
Verhindern der stillen Wahl?
Anton Schaad eröffnete die Fragerunde aus dem Publikum. Er wollte wissen, warum die beiden parteilosen Kandidaten sich quasi erst fünf vor zwölf aufstellen liessen: «Ist euer Parteiprogramm das Verhindern einer stillen Wahl?» Für Renée Hassiotis ist es stossend, dass nach dem Ausscheiden von zwei Gemeinderäten keine echte Wahl erfolgt wäre. Auch Peter Wirth will den Horgner Stimmbürgern zu einer echten Auswahl bei der Neubesetzung der Exekutive verhelfen.
RPK-Präsident Urs Niggli wollte von den Kandidaten wissen, ob sie namens der Gemeinde Horgen nach dem Erdbeben für die Opfer in Haiti spenden würden. Andreas Arnold sieht eher Handlungsbedarf in der Schweiz, «weil hier auch viel Elend herrscht». Für Hans-Peter Brunner ist es nicht Aufgabe der Gemeinde, zu helfen, das müsse jeder individuell tun. Renée Hassiotis sieht die Hilfeleistung auf Bundesebene besser aufgehoben, und Peter Wirt schlägt vor, dass der Erlös eines Sponsorenlaufes der Gemeinderäte nach Haiti gespendet werden solle.
Weil der Freisinnige Hans-Peter Brunner sich auf Ende dieses Jahres frühpensionieren lässt, wollte die ehemalige Kantonsrätin Esther Holm wissen, ob er ähnlich wie Gemeindepräsident Walter Bosshard immer auf der Verwaltung zugegen sein werde. Brunner verneint, «denn niemand wird gern kontrolliert».
Der Abend gab etwas Einblick in die Denkweise der einzelnen Kandidaten. Nur schade, dass ausser den Polit-Insidern nur wenige andere Personen sich ein Bild über die möglichen neuen Gemeinderäte verschaffen wollten.