Langnau Turbine-Theater mischt im Wahlkampf mit - und schafft kuriose Situation
Podium mit Jan Bauke verspricht Spannung
Seltsame Blüten treibt der Wahlkampf: Zwei Gemeindepräsidentenkandidaten sollen ihre Klingen kreuzen. Seltsam nur, dass einer der beiden nicht mehr auf dem Kandidatenkarussell sitzt. Oliver Demont
Langnaus Feuerwehrkommandant Jan Bauke bleibt im Gespräch ? auch wenn er nicht kandidieren darf. (Archiv)
Das beschauliche Langnau erlebte in den vergangenen Wochen einen abenteuerlichen Wahlkampf. Erst musste Jan Bauke, Kandidat fürs Gemeindepräsidium und den Gemeinderat, aus formalen Gründen seine Kandidatur zurückziehen. Später wurde bekannt, dass mit Georg Jaggi ein Rechtsradikaler offiziell für das Gemeinderatspräsidium kandidiert. Diese Ereignisse münden nun auf einem Podium im Turbine-Theater: Der nicht kandidierende Jan Bauke wird dort auf den CVP-Präsidiumskandidaten Peter Herzog treffen. Nicht eingeladen wurde der Kandidat Georg Jaggi, er möchte ebenfalls Gemeindepräsident oder Gemeinderat von Langnau werden.
«Polit-Fassade» durchbrechen
Moderator und Leiter des Turbine-Theaters, Peter Niklaus Steiner, will trotzdem an der Veranstaltung mit Jan Bauke festhalten, auch wenn dieser nicht mehr kandidiert. «Wir veranstalten kein klassisches Polit-Podium, sondern schaffen eine lokalpolitische Begegnungsmöglichkeit mit einem kulturellen Rahmenprogramm», sagt Steiner. So spiele eine Band, und den Podiumsgästen würde auch ein kultureller Wunsch erfüllt. Anwesend sein werden auch weitere Gemeinderatskandidaten, die im März zur Wahl antreten.
Steiner ist interessiert an den Visionen der Kandidaten und den «Menschen hinter der Polit-Fassade». Er glaubt, dass der «turbine talk» für die Langnauer Bevölkerung eine gute Möglichkeit sei, die Menschen - unabhängig der politischen Gesinnung - kennenzulernen. «Kurz: Nicht der Steuerfuss steht im Zentrum des Abends, sondern die Menschen.»
Rechtsextremer nicht dabei
Für Jan Bauke ist klar, dass die Begegnung im Turbine-Theater mit seinem ehemaligen Konkurrenten Peter Herzog nicht zu einem eigentlichen politischen Duell werden wird. Er möchte aber trotzdem die Chance nutzen, seine Visionen zu erläutern. «Zu Langnau kann ich als Feuerwehrkommandant und Bewohner trotzdem etwas sagen», sagt Bauke. Und vielleicht erlebt Langnau am Wahltag nochmals eine Überraschung: Bauke sei nach eigenen Angaben bereits zahlreich darauf angesprochen worden, was er denn tun würde, wenn die Leute ihn trotzdem wählen würden. «Dann hätte ich ein Problem, da mir gesagt wurde, dass Amtszwang besteht», sagt er. Denn seine Arbeit als Feuerwehrkommandant von Langnau will er nicht aufgeben.
Ein Kandidat wird fehlen im «turbine talk»: der Rechtsextreme Kandidat Georg Jaggi. Moderator Steiner hat ihn nicht eingeladen. Er begründet seinen Entscheid damit, dass er keinen Grund gesehen habe, Jaggi mit dabei zu haben in der Gesprächsrunde. Steiner macht keinen Hehl aus seiner Ablehung gegenüber Jaggi: «Sein rassistisches Gedankengut ist unterste Schublade. Wer von der germanischen Rasse spricht, ist doch krank.»