Zollikon

Vom Taucherlebnis bis zur Fahrt mit der Nautilus

Die Mitglieder des Seerettungsdienstes Zollikon blicken auf einen besonderen Einsatz zurück. Am Tag der offenen Tür zur Feier ihres Jubiläums standen sie Besuchern Rede und Antwort.

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Davide Guido beglückwünscht seinen Göttibueb Morris. Der Jungspund hat auf dem Surf-Simulator lange Zeit auf dem Brett balanciert, ehe es ihn auf die weiche Unterlage abgeworfen hat. «Das ist ein wenig wie Rodeo-Reiten», bemerkt ein Zuschauer des Geschehens. Die Geschwindigkeit am Simulator stellt Besart Meka ein. Er gehört zu den 21 freiwilligen Helfern in den Reihen des Seerettungsdienstes Zollikon.Morris reisst sich vom Arm seines Göttis los und rennt vergnügt zum nächsten Posten der Seeretter am samstäglichen Tag der offenen Tür im Seebad Zollikon. Mit dem Wasserstrahl eines Übungsschlauchs versucht er, supponiertes Feuer in den Fenstern eines Spielzeughauses zu treffen, was ihm auf Anhieb gelingt. «Das ist für Morris eine erste Begegnung mit dem Seerettungsdienst, vielleicht weckt das ja sein Interesse für diese gute Sache», sagt der Götti.

Nachwuchs willkommen

Morris müsste sich noch gedulden, bis er mit 18 Jahren Seeretter werden könnte. Nachwuchskräfte zu rekrutieren, liegt aber ganz im Sinne von Stefan Meier, Obmann der Zolliker Seeretter. Er befindet sich im Bootshaus mit der Einsatzzentrale der Milizorganisation, das sich seeabwärts am Ende des Zolliker Seebades befindet. «Vielleicht setzt sich der eine oder andere Besucher am Tag der offenen Tür mit uns in Verbindung und schliesst sich uns an.» Auch das Bootshaus ist rege besucht. An den Wänden hangen Reminiszenzen in Form von Fotos und Zeitungsartikeln aus der 100-jährigen Geschichte der Organisation. «Wenn andere ans Ufer fahren, fahren wir hinaus», sagt Meier weiter und zeigt Fotos vom letzten Einsatz vor Wochenfrist. Das heftige Gewitter führte zu Tonnen von Schwemmholz, das von einem Weidling mit Aussenbordmotor aus von Hand eingesammelt werden musste.

Ab in die Taucherferien

Schon fast Schlange stehen die Besucher für eine Fahrt auf der Nautilus, dem Flaggschiff des Seerettungsdienstes Zollikon. 15 Personen fasst das Boot, ebenso viele fahren halbstündlich auf den See hinaus. Schwimmwesten sind obligatorisch. Kim Metzger versucht sich seinerseits am Stand der Taucher mit einem Einsatz unter Wasser. Ausgerüstet mit Pressluftflasche, Mundstück und Taucherbrille gelingt es ihm, am Grund eines Bassins mit einem «Engländer» als Werkzeug eine Boje aus der Verankerung zu lösen. «Es war seltsam», schildert er das Erlebnis. «Immer wenn ich dachte, jetzt muss ich Luft holen, bekam ich diese durchs Mundstück.» Die Übung hat es ihm angetan: «Jetzt buche ich Taucherferien.»

Schwimmwesten werden ebenfalls am Stand von Marcel Mol und Frederick Baldo getragen. In kleinen Booten wird rund um einen Parcours mit einem Paddel stehen gerudert, die Seeretter gehen mit ins Boot, wenn sich Kinder der sportlichen Herausforderung stellen «Wir stoppen die Zeit», sagt Mol. «Der Schnellste darf auf der Nautilus das Steuer übernehmen.» Auch dieser Posten bereitet vielen Besuchern Spass, etwas ernstere Einführungen gibt es am Stand der Sanitäter sowie am Posten von Roger Kratzer und Fernando Mertin. Die beiden simulieren eine Ölsperre. Pet-Flaschen dienen als «Ölteppich». Fotos zeigen den Ernstfall. Vor ein paar Jahren überlud ein Tankwagen in einem Zolliker Quartier seine Fracht, das Heizöl floss in einen Bach. Kratzer sagt: «Wir haben mit vereinten Kräften den Einfluss des Bachs in den See gesperrt.»

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 18.06.2017, 15:05 Uhr

Jubiläum

100 Jahre Seerettungsdienst Zollikon

1917: Die kantonalen Behörden fordern die Seegemeinden 1913 auf, Seerettungsdienste anzubieten. Der Zolliker Gemeinderat erlässt am 7. Juni 1917 eine «Verordnung betreffend das Rettungswesen auf dem See». Er ersucht junge Männer, die in der Nähe des Sees wohnten, sich für diesen Rettungsdienst zu verpflichten.
1933: Nachdem ein Schwimmer tödlich verunglückt ist, gibt die Zolliker Gemeindeversammlung den Seerettern eine stabilere Organisationsform. Zudem wird erstmals ein Motorboot angeschafft.
1941: Am 13. Juni stirbt Seeretterobmann Jules Meier bei einem Einsatz. Die Zolliker retten bei einem Sturm sowohl die Besatzung eines Segel- als auch die Insassen eines Ruderboots. Meier stürzt während des Manövers ins Wasser und gerät dabei in die Schraube des Rettungsbootes.
1960: Das Bootshaus der Seeretter wird mit einer dreitägigen Feier eingeweiht. Zuvor waren die Männer im Mitteltrakt des Seebads untergebracht.
1965: Der Seerettungsdienst Zollikon erhält ein neues Boot, nachdem das alte durch die Seegfrörni 1962/63 arg in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Gemeindeversammlung hat für das damals hochmoderne Kunststoffboot einen Kredit von 100 000 Franken gesproch.
1988: Bei der Bergung eines gesunkenen Segelbootes kommt es zu einem weiteren Todesfall. Der erfahrene Seeretter Walter Gantenbein verliert beim Taucheinsatz sein Leben.
1991: Zollikon schafft sich mit der Nautilus für gut 630 000 Franken ein neues Seerettungsboot an. Eine Besonderheit sind die beiden Jet-Antriebe, die je einen Wasserstrahl erzeugen.
2009: Die Nautilus wird für 220 000 Franken generalüberholt. Unter anderem werden die Dieselmotoren aus Umweltschutzgründen ausgetauscht und die Jet-Antriebe revidiert.
2010: Das Dampfschiff Stadt Zürich bleibt am 15. August mit einem Schaufelradbruch manövrierunfähig vor Thalwil liegen. Abgeschleppt wird das havarierte ZSG-Schiff vom Seerettungsdienst Kilchberg. Die Seerettungsdienste Zollikon und Küsnacht-Erlenbach sichern von ihren Booten aus mit Seilen den Raddampfer.
2017: Die Zolliker Seeretter feiern am 17. Juni ihr 100-Jahr-Jubiläum gemeinsam mit der Bevölkerung am Tag der offenen Tür. phs

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