Für Nationalratspräsidentin Pascale Bruderer, die sich als Patriotin bezeichnet, sollte die Schweiz gerade in diesem Krisenjahr ihren Geburtstag stolz feiern. Der 1. August ist für sie zwar ein Mythos, letztlich aber auch ein Referenzpunkt mit einer Botschaft für die Zukunft. Dass nun dabei auch die Rolle der Schweiz in Europa wieder neu diskutiert wird, sei höchste Zeit.
Das Wettbewerbsrecht sei in den Köpfen der Marktteilnehmer angekommen, meint der
scheidende Weko-Präsident Walter Stoffel. Doch es braucht noch mehr Wettbewerbsdruck, ist er überzeugt.
Das Gesundheitssystem wird immer teurer. Aufhalten lasse sich der Kostenanstieg nicht, sagt Konjunkturforscher Bernd Schips und erklärt, wie man trotzdem etwas dagegen tun kann.
Lilo Lätzsch ist die höchste Lehrerin im Kanton Zürich. Die Präsidentin des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (ZLV) arbeitet auch nach 35 Jahren gerne auf ihrem Beruf. Alarmierend ist für Lätzsch aber, dass die Kraft vieler Lehrpersonen nur noch für ein Teilzeitpensum reicht. Kein Problem findet sie, dass bald nur noch Frauen an der Volksschule unterrichten.
Die Menschheit lebt heute zunehmend auf Kosten der Umwelt. Der Basler Umweltwissenschafter Mathis Wackernagel hat den ökologischen Fussabdruck entwickelt, eine Berechnungsmethode für den nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Umdenken tut not, sagt Wackernagel. Doch deswegen den moralischen Drohfinger erheben will er nicht.
Das Rauchverbot in Restaurants ab 1. Mai wird noch für viele Probleme sorgen meint der Zürcher «Gastrobaron» Christian Kramer. Mit seiner Unternehmung betreibt er 14 Restaurant- und Hotelbetriebe. Im Interview spricht er über Gastro-Trends, seinen Ärger mit der Stadtverwaltung und verspricht, in Zürich bald einen «Chinesen» hinzustellen, den die Stadt noch nie gesehen hat.
Die Jugendforensik Zürich begutachtet und therapiert im Auftrag von Jugendanwaltschaften und Gerichten straffällige Kinder und Jugendliche aus
der ganzen Schweiz, sie lehrt und forscht. Die Eröffnung der Fachstelle 2004 stellte eine europäische Pionierleistung dar. Leiterin Cornelia Bessler setzt auf die Einsicht ihrer «Klienten», um sie von weiteren Straftaten abzuhalten.
Als «einen Aufbruch in die Vielfalt» beschreibt der Schriftsteller Ilija Trojanow die Flucht mit seinen Eltern aus Bulgarien. Seither ist er zu vielen Reisen aufgebrochen, etwa nach Indien, Arabien und Ostafrika. Dennoch hat das wirkliche Reisen für ihn bis heute mit grosser Selbstüberwindung zu tun.
Die Flugsicherung Skyguide steht vor einschneidenden Veränderungen. Die Entstehung eines einheitlichen Luftraums für Europa zwingt sie, ihre Rolle neu zu definieren und effizienter zu werden. CEO Daniel Weder über den Kampf gegen politisch bedingte Defizite, den Umgang mit der aktuellen Luftfahrtkrise und die Pläne für einen Umzug von Dübendorf nach Basel.
Es gibt für uns Menschen auf dem Blauen Planeten eine Zukunft. Aber wir müssen handeln. Jetzt, sofort. Für das Klima, für die Nachhaltigkeit. Das ist die Kernbotschaft Bertrand Piccards. Mit seinem Solarflugzeug will er beweisen, dass nichts unmöglich ist. Und die Regierungen zum Handeln bewegen. Im November startet der Prototyp in Dübendorf zu ersten Testflügen.
Sein Leben ist der Tanz. Seit zwölf Jahren leitet Heinz Spoerli das Zürcher Ballett im Opernhaus. Er steht für Kontinuität und Qualität und hat die Zürcher Compagnie in der ganzen Welt bekannt gemacht. Seine Stärken sind das erzählerische Talent, seine stilistische Vielfalt, sein Humor und die Fähigkeit, Musik in Bewegungen umzusetzen, die wiederum Emotionen wachrufen.
Will unser Land nicht zunehmend von Stromimporten aus dem Ausland abhängig werden, so müssen laut Axpo-Chef Heinz Karrer, Leiter des grössten Stromkonzerns der Schweiz, ab dem Jahr 2020 zwei Atomkraftwerke ersetzt werden. Für erneuerbare Energien sieht er aus verschiedenen Gründen erst in einigen Jahrzehnten ein namhaftes Potenzial.
Philippe Gaydoul spricht viel lieber von Chancen als von Risiken – auch und gerade in Zeiten der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise. Der Vorzeige-Unternehmer, der Denner zur dritten Kraft im Schweizer Detailhandel entwickelt und dem Modelabel Navyboot dank seines Einstiegs zu neuen Perspektiven verholfen hat, setzt sich aber stets langfristige Ziele.
Ulrich Thielemann ist bei einer Anhörung vor dem Deutschen Bundestag hart mit der Schweiz ins Gericht gegangen. Die Welle der Entrüstung war gross. Der Wirtschaftsethiker bleibt zwar bei seiner Kritik, würde diese aber nicht mehr in Berlin vortragen. An die heilende Wirkung der Krise glaubt er nur bedingt. Er fordert darum mehr staatliche Regulierung der Märkte.
Für den Ärzte-Präsidenten Jacques de Haller muss sich die Politik entscheiden, ob sie für eine gute medizinische Versorgung mehr investieren will. Die Prämienexplosion sei letztendlich nicht die Schuld der Ärzte. Diese seien auf ein System mit garantierter Grundversorgung angewiesen. Nur so könne
den wachsenden Bedürfnissen der Leute entsprochen werden.
Der Kinder- und Jugendpsychologe Allan Guggenbühl beklagt die Abkehr
vom Klassenlehrerprinzip sowie eine zunehmende Praxisferne in der Bildungswissenschaft
und der Schulverwaltung. Er ist Initiator der Interessengemeinschaft
«Kindgerechte Schule», die auch eine Internetplattform als
Diskussionsforum für bildungspolitische Verantwortungsträger anbietet.
Mit Elmar Ledergerber verlässt eine grosse Figur der Schweizer SP die Politbühne. Der scheidende Zürcher Stadtpräsident blickt auf eine schwierige Amtszeit zurück: Hardturm-Stadion, Kongresshaus – und die Finanzkrise. Ledergerber geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge – und er will sich auch nach seinem Rücktritt weiter für seine Stadt engagieren.
Für den Philosophieprofessor Georg Kohler ist klar, dass liberale politische Vorstellungen am besten zu Gesellschaften der Gegenwartsmoderne passen. Staatshilfe in Zeiten der Wirtschaftskrise hält er nicht für unliberal, bezeichnet sie jedoch als Ultima Ratio. Der Meinungsfreiheit billigt er unter den klassischen Grundrechten einen Sonderstatus zu.
Nur Manager möchte er nicht sein, nur Ausstellungsmacher vielleicht auch nicht. Christoph Becker, seit 2000 Direktor des Zürcher Kunsthauses, sieht es als Privileg, dass er in Zürich beide Funktionen wahrnehmen kann. Mit einer gewissen Gelassenheit: Die fünf Jahre dauernde Sanierung des Kunsthauses zog er ebenso souverän durch wie seine Ausstellungsprogramme.
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