Die Vorlage sorgt unter den Ärzten mächtig für Diskussionsstoff. Einige sind dafür, andere dagegen, wieder andere sind unentschlossen. Eine knappe Mehrheit der St.Galler Ärzte empfiehlt nun, für das Modell «Managed Care» (siehe Kasten) ein «Nein» in die Urne zu legen. Dies gab die kantonale Ärztegesellschaft gestern bekannt. Hauptargument: Patienten, die sich nach dem neuen Modell versichern lassen, könnten ihren Arzt nicht mehr frei wählen. Vielmehr müssten sie sich von einem Facharzt oder Spital aus einem vorgeschriebenen medizinischen Netzwerk behandeln lassen. Wer das nicht will und sich ausserhalb des Modells versichern lässt, muss tiefer in die Tasche greifen: Selbstbehalt und Franchise sind höher.
Patient im Vordergrund
Dies ist auch der Hauptgrund, warum sich viele Ärzte im Linthgebiet eher gegen das Modell stellen. «Der Patient darf nicht das Nachsehen haben», findet Christian Helbling, Chirurg aus Rapperswil. Helbling war bis vor kurzem Präsident des Medizinischen Vereins Linthgebiet. Patienten müssten selber entscheiden dürfen, zu welchem Spezialisten sie gehen wollen, findet er. Das Linthgebiet sei zwar keine klassische Randregion gerade in Rapperswil hat es viele Fachärzte. Trotzdem würde sich die Auswahl an Spezialisten mit der neuen Vorlage verringern.
Helbling weist auch darauf hin, dass ein Netzwerk an Medizinern wie es «Managed Care» fordert sehr umfassend sein müsste. Verschiedene Fachrichtungen müssten Teil dieser integrierten Versorgung sein: Nebst dem Gynäkologen sollten etwa auch ein Neurologe, ein Urologe sowie Spitäler mit eingeschlossen sein. «Beinahe die ganze Ärztelandschaft hätte man zu berücksichtigen», sagt Helbling. Da stelle sich die Frage, ob es nicht einfacher sei, die Situation so zu belassen. Zumal das bestehende System, das Netzwerk der Hausärzte mit den Krankenkassen, gut funktioniere.
«Spardruck im Hinterkopf»
Die St.Galler Ärztegesellschaft stört sich an einem weiteren Punkt von «Managed Care»: Das Modell sieht vor, dass sich Ärzte mit den Krankenkassen auf ein Gesamtbudget für die Behandlungen einigen. Liegen die Kosten unter dem Budget, erhalten die Ärzte einen Teil gutgeschrieben. Kostet die Behandlung mehr, müssen sie den überschüssigen Betrag zurückzahlen. Dieser Spardruck im Hinterkopf sei bedenklich, sagt Helbling. Das könnte negative Auswirkungen auf die Behandlungen haben: «Der Arzt sollte die Freiheit haben, eine Therapie für den Patienten so zu gestalten, wie er es für richtig hält ohne dass er dabei ständig an die Kosten denken muss.»
Der Grundgedanke hinter dem Modell also, Kosten einzusparen sei grundsätzlich nicht schlecht, sagt Helbling. Aber: Sparmassnahmen im Gesundheitswesen seien eine Illusion: «Wir werden immer älter, brauchen immer mehr ärztliche Versorgung.»
Einen Vorteil sieht er im «Managed Care»-Modell dennoch: «Billig-Krankenkassen», bei denen sich immer mehr Junge versichern lassen, würden damit eingeschränkt.


