Der Gründer des Stäfner Vereins «Kletterplausch.ch» soll für sieben Jahre ins Gefängnis. Das fordert Staatsanwalt Pascal Gossner in seiner Anklageschrift. Der ehemalige Klettertrainer sitzt seit dem 3. Februar 2011 in Untersuchungshaft. «Wegen Wiederholungsgefahr», wie der Staatsanwalt sagt. Dem Kletterlehrer werden Schändung, sexuelle Handlungen mit Kindern, Pornographie und Verletzung des Geheimund Privatbereichs durch Aufnahmegeräte vorgeworfen.
Die mutmasslichen Delikte gehen auf die Jahre 2009 und 2010 zurück. Betroffen sind vier Knaben im Alter von 10 bis 15 Jahren, die beim Kletterlehrer damals selber Mitte 30 das Training besuchten. Der Staatsanwalt macht keine genaueren Angaben zu den Vorwürfen. Nur soviel: «Die Vorfälle waren von unterschiedlicher Intensität.» Laut Gossner ist der Beschuldigte nicht geständig.
Der Verein «Kletterplausch.ch» trainierte jeweils im Milandia-Kletterzentrum in Greifensee. Die Übergriffe sollen allerdings nicht dort, sondern im Bezirk Hinwil stattgefunden haben, wo auch der Beschuldigte seinen Wohnsitz hat. Aus Gründen des Opferschutzes gibt der Staatsanwalt keine weiteren Details preis. Die Verhandlung wird voraussichtlich im Juli vor dem Hinwiler Bezirksgericht stattfinden.
Nach Bekanntwerden der Verhaftung und der mutmasslichen Vergehen hatte das Kletterzentrum dem Leiter und seinem Verein ein Hausverbot erteilt. Als Folge löste sich der Verein auf.
Fachstelle in der Kritik
Im Zuge der Berichterstattung geriet die Fachstelle Mira, die Vereine in Bezug auf sexuelle Ausbeutung berät, in die Kritik. So war ein Geschäftsleitungsmitglied des Kletterzentrums Milandia bereits 2008 an die Fachstelle gelangt, nachdem es von Verdachtsfällen betreffend den jetzt Beschuldigten erfahren hatte. Mira habe kaum Unterstützung geboten. Auf das Jahr 2006 schliesslich gehen Vorfälle bei der Sektion Pfannenstiel des Schweizer Alpen-Clubs zurück. Derselbe Beschuldigte war dort als Jugendleiter tätig. Der Fachstelle Mira war dieser Sachverhalt bekannt.
Der Kanton hat das Verhalten der Fachstelle untersucht. Sie erhält zwar weiterhin Subventionen, muss aber bezüglich Personal und Konzept über die Bücher.
