Der Kunde ist König das verspricht ein überparteiliches Komitee mit einer Volksinitiative, die am 17. Juni an die Urne kommt. Nimmt das Volk diese an, dürfen Läden im Kanton Zürich öffnen, wann immer sie wollen auch nachts und sonntags. «Jeder Inhaber soll selbst entscheiden können, wann er sein Geschäft öffnen will», begründet der Oberriedner Martin Arnold, Geschäftsleiter des Kantonalen Gewerbeverbandes und Ko-Präsident des Initiativkomitees. Dass Tankstellenshops und Läden in Bahnhöfen sonntags und nachts geöffnet haben dürfen, sei unfair.
Das findet auch Ingo Ohst, der den Horgner Lebensmittelladen Toscanina betreibt. Dennoch steht er der Vorlage nicht nur positiv gegenüber: «Alle wollen zu jeder Zeit einkaufen können, nur arbeiten will dann niemand.» Zu Randzeiten oder am Sonntag arbeiten, könne beispielsweise für Mütter eine Chance sein, findet hingegen Martin Arnold.
Umsatz verteilt sich
Nicht als Chance, sondern als Gefahr sieht Julia Gerber Rüegg die flexiblen Öffnungszeiten. «Unregelmässige Arbeitszeiten schaden der Gesundheit und belasten das Familienund Sozialleben», sagt die Präsidentin des Gewerkschaftsbundes des Kantons Zürich und Mitglied des Gegenkomitees «Der Sonntag gehört mir!». Ohnehin halte die Initiative nicht, was sie verspreche. «Der Umsatz wird nicht steigen, und daher entstehen auch keine neuen Stellen», ist sich Gerber Rüegg sicher. Das sehen die befragten Ladenbesitzer genauso. «Die Kunden haben ja nicht mehr Geld», erklärt Hans Dubach, Inhaber eines Lebensmittelladens in Richterswil. Die Personalkosten der Geschäfte würden hingegen zunehmen. Da Dubachs Geschäft direkt gegenüber der Migros liegt, befürchtet er, dass gewisse Kunden zum Grossverteiler abwandern könnten, wenn dieser länger geöffnet habe.
Diese Angst teilen die meisten anderen Ladenbesitzer nicht. «Die Grossverteiler haben bereits bis 20 Uhr, also eineinhalb Stunden länger offen als wir», meint Cornelia Bitterli vom Bicki Lade in Oberrieden. Selbst Martin Arnold glaubt, dass sich nach einer Annahme der Initiative kaum etwas ändern würde. Denn bereits jetzt könnten Geschäfte bis um 23 Uhr geöffnet haben.
