Die Zahl 19 scheint dem Restaurant Falken in Küsnacht kein Glück zu bringen: Am 19. Februar 2009 wurde über dem «Falken da Rizzo» der Konkurs eröffnet; am 19. April dieses Jahres nun über dem Restaurant Falken von Martin Müller. Das überrascht: Erst im vergangenen Juli hatte die «ZSZ» in einer Restaurantkritik Müllers «formvollendetes» Gastgebertum gelobt, die «locker-entspannte, aber doch stilvolle» Atmosphäre des Lokals und die «vorzügliche» Qualität der Speisen. Für diese hatte die junge Spitzenköchin Dunja Greutmann verantwortlich gezeichnet.
Nur gut anderthalb Jahre nach der Eröffnung des neuen «Falken» bleiben die Teller also leer. Martin Müller habe wegen Überschuldung seiner Falken Gastro GmbH korrekterweise die Bilanzen deponiert, bestätigt Jan Rohner vom Konkursamt Küsnacht. Müller, der gelernte Koch und Kellner mit steirischen Wurzeln, bedauert das Ende seines ersten eigenen Restaurants: «Wir haben in den anderthalb Jahren sehr viel Herzblut und Geld reingesteckt.» Die angestrebten Umsätze seien aber nicht erzielt worden. Während das Lokal mittags stets gut ausgelastet gewesen sei, habe am Abend die Kontinuität gefehlt, sagt der Mittdreissiger. Als Familienvater sei ihm das Risiko, noch länger privates Vermögen einzuschiessen, zu gross geworden.
«Wichtig für Küsnacht»
Für Luigina Greco, die Eigentümerin der Liegenschaft, kommt das Ende des Restaurants überraschend. «Viele Leute, die mich auf den Konkurs ansprechen, hatten den Eindruck, der «Falken» sei zuletzt gut gelaufen», sagt Greco gegenüber der «ZSZ». Auch sie selber sei Ende 2010 guten Mutes gewesen, dass nach einer schwierigen Vorgeschichte endlich eine solide Lösung für das Restaurant gefunden worden sei. Nach dem Privatkonkurs von Giovanni Rizzo im Februar 2009 hatte wenige Monate später ein neuer Wirt das Lokal eröffnet, der aber nicht lange blieb «aus persönlichen Gründen», wie Greco sagt.
Bevor dann Müller und Greutmann übernahmen, wurde der «Falken» renoviert. «Das Lokal an diesem schönen Platz ist wichtig für Küsnacht», findet Luigina Greco, die im Dorf ein Architekturbüro betreibt. Tatsächlich gehört die Liegenschaft an der Dorfstrasse, zentral gleich oberhalb des Bahnhofs gelegen, seit Jahrzehnten zum Ortsbild. Für die Eigentümerin steht denn auch fest, dass wieder ein Gastwirt Einzug halten soll. Diesbezüglich sei sie nun intensiv am «Ideen-Sammeln».
Zur jüngsten Geschichte des «Falken» gehört auch ein Brand, der an einem frühen Sonntagmorgen Ende März bei einer Sitzbank in der Gaststube ausbrach. Wie die Polizei damals mitteilte, waren die Flammen zwar rasch gelöscht. Der durch Russ und Rauch verursachte Schaden an Gebäude und Mobiliar betrug jedoch mehrere 10 000 Franken. Der «Falken» war eine Woche lang geschlossen und konnte nachher nur mit reduzierter Platzzahl wieder geöffnet werden, weil die Renovationsarbeiten weiterliefen. Die dadurch erlittene Umsatzeinbusse war für Martin Müller «das Tüpfchen auf dem i», wie er sagt. Die Restaurantbrigade drei Küchenund zwei Serviceleute muss sich nun neue Jobs suchen. Martin Müller selber verabschiedet sich vorderhand aus der Gastronomie. «Ich brauche etwas Abstand.»
