Für den Oberriedner Planer und ehemaligen VCS-Präsidenten Peter H. Schneider war es erstaunlich, dass sich der Zürcher Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker (SVP) aus Wädenswil am letzten Donnerstag auf dem Zürcher Prime Tower medienwirksam für den Bau des Zimmerberg-Basistunnels 2 eingesetzt hat. Die eine Milliarde Franken teure 12 Kilometer lange Röhre von Thalwil nach Litti im Kanton Zug sowie zwei andere Infrastrukturbauten im Grossraum Zürich sollen vom Bund noch vor 2025 angegangen werden, fordern Zürich und 14 andere Innerund Ostschweizer Kantone (Ausgabe vom Freitag).
Was Peter H. Schneider erstaunte, war weniger der Inhalt der Forderung als vielmehr der Zeitpunkt. Dass der Zürcher Regierungsrat lieber heute als morgen das Bahn-Nadelöhr zwischen Zürich und Zug beheben möchte, ist kein Geheimnis. Ebenso wenig, dass er dies mit dem Zimmerberg-Basistunnel 2 tun will.
Light-Variante viermal günstiger
Im März allerdings hatte der Kantonsrat eine Einzelinitiative von ebendiesem PeterH.Schneider vorläufig unterstützt. Der Regierungsrat hat damit vom Parlament den Auftrag gefasst, eine kostengünstigere Alternative zum Zimmerberg-Basistunnel 2 zu prüfen: die sogenannte Variante «Zimmerberg light». Für rund 250 Mio. Franken also viermal weniger würde die bestehende Bahnstrecke von Horgen-Oberdorf nach Litti ausgebaut. Dies hätte für die Zugpassagiere am linken Ufer auch den Vorteil, dass Thalwil nach wie vor an der Strecke Zürich-Zug liegen würde (siehe Grafik). Im März 2013 kommt der Bericht vor den Kantonsrat. Sagt er Ja zur Light-Variante, muss sich der Regierungsrat in Bern per Standesinitiative für Schneiders Vorschlag einsetzen.
Schneider stört sich daran, dass der Regierungsrat mit der teureren Variante vorprescht. «Das ist kein nachhaltiges Vorgehen des Kantons», findet er. Anstelle mit einer «Machtdemonstration in Bern» für den teuren Tunnel zu weibeln, solle man lieber die Grundlagen erarbeiten, sprich die Zimmerberg-light-Variante genau prüfen und die Vorund Nachteile im Vergleich zum Basistunnel 2 abwägen, ehe man in Bern aktiv wird.
Die Zürcher Volkswirtschaftsdirektion verteidigt das Vorgehen. «Bis sich der Kantonsrat nicht definitiv für die Zimmerberg-light-Variante ausgesprochen hat, hat der Regierungsrat den Basistunnel 2 zu vertreten», sagt Mediensprecher Erich Wenzinger. Der Kantonsrat hat den entsprechenden Strategiebericht des Zürcher Verkehrsverbundes gutgeheissen.
Dass der Regierungsrat nicht bis zum Kantonsratsentscheid mit seiner Lobby-Arbeit wartet, hat laut Wenzinger auch eine zeitliche Dimension. Im Herbst beraten die eidgenössischen Räte die Finanzierung der Bahninfrastrukturbauten bis 2025.
Viertelstundentakt ab 2014
Nicht in allen Belangen stört sich Peter H. Schneider aber am Vorgehen des Zürcher Regierungsrates. Dass ab Juni 2014 auf der Strecke Zürich-Wädenswil-Pfäffikon der Viertelstundentakt eingeführt wird, begrüsst der Oberriedner Planer grundsätzlich, auch «wenn es dafür sorgen wird, dass die Busfahrer einen noch grösseren Stress haben werden, um die Anschlüsse zu gewährleisten.» Die Massnahme ist Teil der vierten Teilergänzung der Zürcher S-Bahn, die der Regierungsrat am Freitag bekannt gab. Um 30 Prozent nimmt die Kapazität auf dem S-Bahn-Netz bis 2018 zu 420 Mio. Franken investiert der Kanton, unter anderem in Signalanlagen.
Diese Neuerungen gab wiederum Ernst Stocker am letzten Freitag in Litti bekannt, an der Stelle also, an der sowohl der Zimmerberg-Basistunnel 2 als auch die Zimmerberg-light-Variante enden (Ausgabe vom Samstag). Stocker wählte den Ort bewusst. Mit der vierten Teilergänzung «quetschen wir die Zitrone bis auf den letzten Tropfen aus». Künftig helfe Pflästerlipolitik nicht mehr weiter ein klarer Wink nach Bern.
