Die im Bereich Isolationsmaterial und -komponenten für Transformatoren sowie in der Fahrzeug-, Industrieund Medizinaltechnik tätige Wicor (Weidmann International Corporation) hatte im Geschäftsjahr 2011 mit «massiven Wechselkursverlusten» zu kämpfen, wie Konzernchefin Franziska Tschudi am Montag gegenüber der «Zürichsee-Zeitung» ausführte. Wie gross die Einschnitte waren, zeigt die Umsatzentwicklung: Wechselkursbereinigt wäre der Umsatz letztes Jahr statt um 7% auf 561 Millionen Franken gesunken um 5% gestiegen. Sowohl Electrical Technology als auch Plastics Technology bekamen laut Tschudi den Margendruck und Konkurrenznachteile zu spüren, «da sie nach wie vor zu rund 40% aus der Schweiz exportieren».
Auf der Habenseite verbucht die Industriegruppe die im vergangenen Jahr erfolgten überdurchschnittlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung (vor allem in Rapperswil) sowie in Prozesstechnologie. Der weltweite Mitarbeiterbestand wuchs trotz laufendem Restrukturierungsprogramm leicht von 3630 auf 3650. Zudem konnte dank «stringentem Kostenmanagement» das Gruppenergebnis des Familienunternehmens mit Hauptsitz in Rapperswil-Jona positiv gehalten werden. Genaue Gewinnzahlen gibt Wicor keine bekannt.
Werkplatz Schweiz stärken
Nach Angaben von Tschudi hatte der Wicor-Unternehmensbereich Electrical Technology nicht nur gegen die Frankenstärke «und damit preislich bevorteilte Konkurrenten» zu kämpfen, sondern auch mit einem Markteinbruch und massiv gedrückten Preisen seitens der Transformatorenhersteller. Das im Vorjahr gestartete und mittlerweile weitgehend vollzogene Restrukturierungsprogramm «Beat» führte auch in der Organisationsstruktur zu Veränderungen und zu Verlagerungen von nicht automatisierbaren Fertigungsprozessen aus Frankreich und der Schweiz in die Ukraine.
«Um die Technologieführerschaft im Bereich Hochspannungsisolation zu halten und auch den Werkplatz Schweiz zu stärken», wie die Delegierte des Verwaltungsrates erklärte, investierte die Gruppe in ein eigenentwickeltes Faserund Board-Labor am Standort Rapperswil. Zudem startete Wicor mehrere Entwicklungsprojekte für neuartige Fertigungsprozesse und Produkte. In den USA wurde zudem in zwei grosse Produktionswerke investiert, welche dieses Jahr fertiggestellt und eingeweiht werden sollen.
Kundenspezifische Lösungen
Erfreulich auch: Der Unternehmensbereich Plastics Technology verzeichnete in seinen beiden Geschäftsbereichen Automotive & Industrial und Medical «weiterhin steigende Serienabrufe und damit eine sehr gute Auslastung der weltweiten Produktionsanlagen». Die hauptsächlich exportierenden Standorte in der Schweiz, Rüti ZH und Bad Ragaz, litten hingegen deutlich unter dem massiv stärkeren Schweizer Franken. In Rüti baute Wicor im vergangenen November 40 Stellen ab.
Am Markt zahlten sich nach Auskunft von Tschudi die intensivierten Prozessund Produktinnovationen aus und führten zu Projekt-Akquisitionen im hohen zweistelligen Millionenbereich. Entsprechend seien Investitionen in die Erweiterung zweier Produktionswerke in Deutschland und den USA ausgelöst und neue Produktionspartnerschaften im Norden der USA, Tschechien, China und Südafrika aufgebaut worden. Auch am Hauptsitz in Rapperswil wurde investiert, und zwar in ein Kompetenzzentrum für Technologieentwicklung: «Wir können mit den gängigen Produkten nicht am Markt bestehen. Wir können nur bestehen, wenn wir spezifische Lösungen für die Probleme unserer Kunden liefern.» Deshalb gilt es nach Tschudi nicht bloss die Kosten zu senken, sondern auch die Prozesse zu verbessern und zu beschleunigen: «Dafür brauchen wir die Forschung und Entwicklung.»
Dank der zu beobachtenden Marktakzeptanz der Produkte und Dienstleistungen sowie intensiver Innovationstätigkeit geht Wicor für das laufende Geschäftsjahr von einem moderaten (konsolidierten) Umsatzwachstum aus. Auch die Profitabilität soll sich trotz massivem Preisdruck beziehungsweise der Frankenstärke als Folge der Restrukturierungsbemühungen wieder verbessern.
