Online seit 7.05.2012 0:00
Die neue Raupe Nimmersatt schlägt im Verborgenen zu
Der Buchsbaumzünsler wird bis zu fünf Zentimeter lang.
Asiatische Raupe. Von aussen wirken die Buchse gesund. Doch in ihrem Innern frisst sich der Buchsbaumzünsler satt dieses Jahr früher als 2010. Nur wer über ein geschultes Auge wie Gärtner Markus Raschle verfügt, entdeckt, wo sich die Raupe verbirgt.
Sibille Schärer

Sanft streicht Gärtner Markus Raschle mit seiner Hand über die Buchshecke. Für den Laien sehen die langen Sträucher auf dem Friedhof Langnau gesund und schön aus. Doch das geschulte Auge Raschles entdeckt die Fressspuren des Buchsbaumzünslers innert kürzester Zeit. Die ostasiatische Raupe hat die Blätter angefressen und sie mit ihrem Gespinst verklebt. An einer solchen Stelle biegt der Gärtnereibesitzer die Zweige auseinander, löst die Verklebungen und offenbart den derzeit ärgsten Feind der Buchsbäume: eine wohlgenährte grün-schwarze Raupe.

Erst die Blätter, dann die Rinde

Der Buchsbaumzünsler ist auf dem Langnauer Friedhof keinesfalls einsam. Innerhalb weniger Minuten entlarvt Markus Raschle rund ein Dutzend Raupen ganz unterschiedlicher Grösse, manche sind bis zu vier Zentimeter lang. Dem Buchsbaumschädlich das Handwerk zu legen, ist nicht ganz einfach und insbesondere aufwändig (siehe blauen Kasten). Die Zünsler fressen zuerst die Blätter im Innern. Dort bleiben sie wegen der dichten Verzweigungen der Ziersträucher ohne Kontrolle vorerst verborgen. Erst wenn die gefrässigen Tierchen den äusseren Teil der Pflanzen erreicht haben, werden die Schäden sichtbar. Doch dann kann es bereits zu spät sein. «Die Zünsler fressen nicht einfach ein bisschen und verschwinden danach», erklärt Markus Raschle, der eine Gärtnerei in Langnau und eine in Wädenswil besitzt, «sie sind erst satt, wenn der ganze Buchs kahl und abgestorben ist.» Von den Blättern lassen sie nur ein feines Gerippe zurück, danach machen sie sich an die Rinde.

Vollkommen abrasierte Buchsbäume stehen jedoch heuer noch keine in den Gärten. Denn anders als 2010 kommt der Befall dieses Jahr zwar früh, aber nicht derart überraschend. Zu jener Zeit schlug die Raupe im Bezirk erstmals zu. «Damals erwischte der Zünsler uns auf dem falschen Fuss», erklärt Markus Raschle, «wir waren nicht vorbereitet.» Nun seien auch die Kunden aufmerksamer, viele untersuchten ihre Buchse regelmässig. Dies bestätigt auch Patrik Trüb, Gartenbaubesitzer aus Horgen: «Die Buchsbäume zu kontrollieren gehört heute einfach dazu.»

«Weniger winterhart als Buchs»

Doch das passt längst nicht allen Hobbygärtnern in den Kram. Denn gerade weil der Buchs bis vor wenigen Jahren als pflegeleicht galt, ziert er so viele Gärten. Alle befragten Gärtner geben an, dass sich gewisse Kunden deshalb nach Ersatz umschauten und zum Beispiel Eibe oder Stechpalmen wählten. Allerdings hätten auch diese ihre Nachteile. «Viele dieser Alternativen sind aber nicht so winterhart wie der Buchs», erklärt Markus Raschle, «deshalb haben viele während dieses harten Winters gelitten.»

Dennoch plädiert er dafür, nicht nur auf Buchs zu setzen. Wichtig sei, die Vielfalt zu erhalten. «Befällt ein Schädling eine gewisse Pflanzenart, ist nicht der ganze Garten zerstört», sagt Raschle, der mittlerweile ein biologisches Pflanzenschutzmittel auf die Buchskugeln im Garten eines Langnauer Kunden spritzt. «Wichtig ist, den Buchsbaumzünsler jetzt zu bekämpfen. Sonst sind die Hecken und Bäumchen in wenigen Tagen kahl.»

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