Online seit 3.05.2012 0:00
Die Hälfte der Bienen im Bezirk hat den Winter nicht überlebt
Diese Biene hat den vergangenen Winter im Gegensatz zu einem Grossteil ihrer Artgenossen im Bezirk Horgen gut überstanden. Bild: Sabine Rock
Bienensterben. Die Imker im Bezirk Horgen haben diesen Winter herbe Verluste erlitten. Gemäss Philipp Grimm, Präsident des Bienenzüchtervereins Horgen, ist die Milbe Varroa destructor ein Grund dafür.
Anna-Katharina Ehlert

Rund um die Bienenhäuschen, dort wo die Luft sonst vom Surren und Brummen der Bienen erfüllt ist, herrscht diesen Frühling im Bezirk Horgen mancherorts Stille. Philipp Grimm, Präsident des Bienenzüchtervereins Horgen, dem Imker aus dem gesamten Bezirk angehören, sagt: «Diesen Winter haben rund fünfzig Prozent der Bienen im Bezirk Horgen nicht überlebt. Das ist eine verheerende Bilanz.» Einige Imker hätten gar ihren gesamten Bestand verloren.

Die Gründe für das Bienensterben sind vielseitig und geben Forschern und Imkern schon seit Jahren Rätsel auf. Unbestritten ist, dass Varroa destructor, die Varroamilbe, die in den siebziger Jahren aus Asien eingeschleppt wurde, eine der Hauptursachen für das Bienensterben darstellt. Der 1,6 Millimeter grosse Blutsauger befällt vor allem die Brut der Insekten, was sich in geschädigten und nach dem Schlüpfen rasch verendenden Bienen zeigt.

Dass die Varroamilbe diesen Winter besonders viele Bienenvölker empfindlich dezimiert hat, lässt sich laut Grimm unter anderem mit dem aussergewöhnlich frühen und milden Frühling des letzten Jahres erklären. «Das letzte Jahr war ein strenges Jahr für die Bienen, sie haben aussergewöhnlich viel Honig eingefahren. Dann folgte noch ein langer und warmer Herbst, in dem die Bienen lange aktiv blieben», erklärt Grimm. Die Insekten seien deshalb erschöpft in die Winterruhe gegangen, was der Ausbreitung von Parasiten und Krankheitserregern zuträglich sei. «Als Imker muss man flexibel sein. Auf ein extrem gutes Jahr folgt manchmal ein sehr bitteres», sagt Grimm.

Den Zeitpunkt verpasst

Peter Gallmann, der am Agroscope in Liebefeld das Zentrum für Bienenforschung leitet, wartet noch auf die statistische Auswertung der Zahlen zum Zustand der Bienenvölker. Diese erfasst die Eidgenössische Forschungsanstalt zusammen mit dem Verein Deutschschweizer und Rätoromanischer Bienenfreunde (VDRB) jährlich. Dass dieses «eines der schlimmeren Jahre» sei, kann Gallmann aber jetzt schon sagen. Er nennt einen weiteren Grund: «Die Präventivbehandlung gegen die Varroamilben erfolgt gewöhnlich, bevor die Bienen im Frühling das erste Mal ausfliegen. Letztes Jahr haben einige Imker wegen des frühen Frühlings den richtigen Zeitpunkt verpasst.»

Ein weiterer Krankheitserreger, der in der Schweiz häufig vorkommt, ist die Sauerbrut. Da diese durch Bakterien ausgelöste Krankheit äusserst ansteckend ist, bleibt, wenn mehr als die Hälfte der Völker eines Standes betroffen sind, nur deren Abtötung durch Schwefelgas. «Im letzten Jahr haben die Fälle wenigstens nicht weiter zugenommen», sagt Gallmann.

Im Bezirk Horgen hat der Bieneninspektor laut dem Präsidenten des Bienenzüchtervereins Grimm dieses Jahr bis jetzt noch keinen Fall von Sauerbrut diagnostiziert. Er hofft, dass der Bund zusammen mit dem VDRB bald schweizweit Massnahmen gegen das Bienensterben ergreift. Oft gehe vergessen, dass Bienen nicht in erster Linie Honig produzieren, sondern die Bestäubung von Nutzund Wildpflanzen sicherstellen. «Die Bedeutung der Bienen für die gesamte Nahrungskette ist immens», sagt Philipp Grimm.

Imkern, die wegen Krankheiten Bienenvölker verloren haben, empfiehlt er den Bestand unbedingt mit regionalen Völkern aufzustocken. Bei importierten Bienen sei die Herkunft oft nicht nachvollziehbar. «Die Gefahr, Krankheiten einzuschleppen, ist gross», betont Grimm.

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