Den Entscheid des Bezirksrats, zwei der drei Mitglieder des Forums 5W aus dem Zolliker Gemeinderat zu entlassen, haben die Ortsparteien positiv aufgenommen. SVP-Präsident Gerhard Schürmann findet den Beschluss «ausgewogen und richtig». Es gelte zwar Amtszwang, aber wenn ein zwingender Grund vorliege, solle ein Behördenmitglied aufhören dürfen, sagt er.
Dominique Bühler, Thomas Bänninger und Jürgen Schütt, die den Entscheid der Gemeindeversammlung, den Steuerfuss nur auf 82 statt auf 85 Prozent zu erhöhen, nicht mittragen wollten, hatten beim Bezirksrat ein Rücktrittsgesuch eingereicht. Dieser verknurrte lediglich Jürgen Schütt zum Weitermachen. Die anderen beiden Gemeinderäte dürfen ihr Amt niederlegen, weil sie mit Hilfe eines Arztzeugnisses gesundheitliche Beeinträchtigungen geltend gemacht hatten.
«Dass ein Abstimmungsergebnis bei Gemeinderäten zu gesundheitlichen Problemen führen kann, finde ich interessant», sagt Schürmann. «Aber wenn ein Arzt dies feststellt, kann man davon ausgehen, dass es so ist.»
Knüsli tritt für die GLP an
Die SVP wolle im Gemeinderat mit einem zweiten Sitz vertreten sein, sagt Gerhard Schürmann weiter. «Wir werden mit einem Kandidaten antreten.» Namen kann Schürmann noch keine nennen er will zuerst die nächste Vorstandssitzung und die Mitgliederversammlung abwarten.
Ebenfalls in den Startlöchern steht die noch junge Ortspartei der Grünliberalen, die vor eineinhalb Jahren gegründet wurde. Der Doppelrücktritt eröffnet ihr gute Chancen, den Sprung in den Zolliker Gemeinderat zu schaffen. Laut GLP-Präsident Markus Diem stellt sich Heiri Knüsli zur Verfügung. Der juristische Sekretär zog bereits einmal für die Grünliberalen in den Wahlkampf: 2008 kandidierte der 39-Jährige für einen Sitz am Bezirksgericht, wurde aber nicht gewählt.
Noch unentschlossen ist die FDP. Sie ist zunächst einmal froh darüber, dass die Frage um die Rücktritte geklärt ist. «Wenn jemand einen Volksentscheid nicht umsetzen will, soll er gehen können», sagt FDP-Präsident Marc Raggenbass zum Entscheid des Bezirksrats. Seine Partei wird in den kommenden Wochen entscheiden, ob sie einen Kandidaten stellen wird. «Wir sind offen für alle Richtungen», sagt Raggenbass. Seine Partei strebe nicht à tout prix einen vierten Sitz und damit die Mehrheit im siebenköpfigen Gemeinderat an. Man könne sich vorstellen, andere Kandidaten zu unterstützen, sofern diese überzeugen würden. Raggenbass zeigt sich auch offen gegenüber parteilosen Bewerbern oder Kandidaten der kleineren Parteien.
Kampfwahl ist denkbar
Die SP werde niemanden aufstellen, sagt jedoch Parteipräsident Rafael Brunner. «Das Forum 5W ist uns politisch nicht ganz fremd. Wir können den extremen Sparkurs des Gemeinderates ebenfalls nicht unterstützen.»
Aus demselben Grund tritt auch das Forum 5W nicht mehr an. Offener zeigt sich die EVP. Die Partei habe zum jetzigen Zeitpunkt noch keinen Kandidaten, sagt Präsidentin Sylke Trost. Der Demokratie zuliebe wolle man sich aber mit den kleinen Parteien zusammentun und fähige Kandidaten unterstützen. Die CVP wird laut Präsident Kurt Sintzel «eher keinen Kandidaten bringen».
Die Wahl findet am 23. September statt, sofern sich mehr als zwei Kandidaten melden. Andernfalls kommt es zu einer stillen Wahl. Letzteres wollen die Grünliberalen verhindern. Laut Diem erwägt die Partei, neben Knüsli einen zweiten Kandidaten aufzustellen sofern man eine geeignete Person finde. «Wir wollen den Bürgern eine echte Wahl ermöglichen.»
