«Danke Meilen, danke liebe Jasser und Jasserinnen», richtet Jass-Experte Dani Müller das Wort an die 36 Meilemer, welche die Ausscheidung für den «Donnschtig-Jass» bestritten haben. Der Sekundant von Moderator Roman Kilchsperger im Quotenrenner des Schweizer Fernsehens steht vor der Bühne in der Aula des Schulhauses Obermeilen und schreitet am Donnerstagabend zu vor-gerückter Stunde zur Tat. Es beginnt die Rangverkündigung.
Um die Spannung noch zu steigern, liest Müller die Namen in umgekehrter Reihenfolge der Rangliste ab. Er kommt zu Platz 14: «Mit 140 Punkten... Beatrix Frey-Eigenmann!» Im Saal setzt Applaus für die Finanzchefin im Gemeinderat ein. Die FDP-Politikerin hat im Familienduell Ehemann Lorenz Frey sowie die beiden Söhne Fabian und David auf Distanz gehalten.
Als bester Jugendlicher sichert sich Luis Bergmann die Teilnahme am «Donnschtig-Jass». Der zwölfährige angehende Gymnasiast freut sich jetzt schon, am 12. Juli vor laufenden TV-Kameras gegen Uster zu jassen. «Nervös?», fragt er zurück. «Nein, das werde ich nicht sein.» Vielleicht ein bisschen Lampenfieber könnte es noch geben.
Der Stolz der Jasskönigin
«Als beste Frau ist auf Platz 9... Sandra Jenny!», verkündet Müller. Wie zuvor Luis Bergmann heimst die Hausfrau und Mutter von drei Kindern tosenden Applaus ein. Im «Differenzler» mit verdeckter Ansage hat sie auf dem Standblatt in den vier Durchgängen à vier Spiele 14, 37, 25 und 44 Differenzpunkte zu ihrer Ansage notieren lassen. «Es ist gut gelaufen», sagt Jenny. «Ich bin stolz, für Meilen zu jassen, schliesslich bin ich gebürtige Meilemerin.»
Mit 81 Punkten wird Adrian Grüner vielbeklatschter Zweiter und Telefonjasser. Der Trämler bei den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ) wird gegen Uster in einer TV-Kabine rund hundert Meter vom Jasszelt entfernt Platz nehmen. Grüner können alle TV-Zuschauer über die Schulter gucken. Welche Punktzahl er ansagt, wird von rund 500000 Jassexperten in der guten Stube kritisch begutachtet werden. Grüners Spielstätte ist von engem Ausmass. Die Kabine ist ungefähr gleich klein wie jene, die Bernhard Russi und Matthias Hüppi während der Übertragung der Lauberhorn-Abfahrt zur Verfügung steht.
Der einzige Name, der gegen 22.30 Uhr noch nicht aufgerufen worden ist, ist jener von Martin Oettli. Der stämmige Meilemer hat sich schon mal erhoben, wohl wissend, dass er umgehend zum Jasskönig ernannt werden wird. «Da steht er, unser grosser Sieger. Rang 1 mit 79 Punkten... Martin Oettli!», bestätigt Müller. «Bravo Martin!», erschallt es in der Runde. Oettli holt ein Küsschen der Ehrendame und einige Präsente ab. Ein Blick auf sein Standblatt verrät: Nach 23, 18 und 29 Zählern holt er sich dank hervorragenden 9 Punkten im letzten Umgang den Titel.
Per Du mit dem OK-Chef
Gemeindepräsident Christoph Hiller (FDP), OK-Präsident des Qualifikationsturniers, bietet Oettli an der Siegerehrung gleich das Du an und gratuliert den weiteren Gewinnern. Der Jasskönig fühlt sich sichtlich geehrt. Er verspricht Hiller, den «Donnschtig-Jass» nach Meilen zu holen.
«Ich werde vor den Fernsehkameras locker bleiben», erklärt Martin Oettli, von Beruf Kundenberater in der Branche Gebäudeund Umwelttechnik. Er hoffe, dass ganz Meilen seinen Teamkollegen und ihm die Daumen drücken werde. Zum Duell gegen Uster kommt es am 12. Juli entweder in Mels oder Walenstadt. Die beiden St. Galler Gemeinden treffen zum Auftakt der neuen Staffel des «Donnschtig-Jass» am 5. Juli im luzernischen Marbach aufeinander. Der Sieger zwischen Uster und Meilen empfängt als Gastgeber am 19. Juli die beiden Oberwalliser Gemeinden Leukerbad und Baltschieder. Erste «Hopp Meilen!»-Rufe ertönen noch in der Aula des Schulhauses Obermeilen.
