Am Uferweg in der Rietliau in Wädenswil liegt an schönster Lage eine Wiese mit Bootshaus, zwei Badehäuschen und mehreren Obstbäumen. Die Besitzerin nutzt die Liegenschaft jedoch nicht und überlässt die schmucke Anlage seit über zehn Jahren mehr oder weniger dem Verfall. Die Fenster sind eingeschlagen, die Wände versprayt, die Wiese mit den Obstbäumen kaum gepflegt.
Vor Ostern ist wieder Leben in die Brache eingekehrt. Eine Gruppierung von rund acht Personen und zahlreichen Hunden hat sich in der Liegenschaft installiert. Die Besetzer stellten mehrere Zirkus-, Bauund Wohnwagen auf das Areal. In diesen schlafen sie. Das grössere der beiden Gebäude nutzen sie als Gemeinschaftsraum; auf dem Kaminsims stehen bereits Bücher und im Küchenregal Lebensmittel. Im anderen Gebäude wollen sie ein Atelier für Künstler und eine Werkstatt einrichten.
Ensemble erhalten
«Wir beschlagnahmen das Areal aber nicht nur», hält der Sprecher der Besetzer-Gruppierung fest, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Die Leute würden die zerfallenden Gebäude restaurieren und die Umgebung instand stellen. In diesem Sinne ist auch ihr Motto zu verstehen, das sie für Spaziergänger und Zugreisende gut sichtbar aufgespannt haben. «Besetzt zur Erhaltung» ist darauf zu lesen.
Die Besetzer haben die Scherben der eingeschlagenen Fenster zusammengewischt und die Öffnungen mit Folie abgedeckt. Neue Fensterscheiben seien unterwegs, sagt der junge Mann. Der Fensterkitt stehe bereit. Zudem haben die Besetzer eine versprayte Wand weiss gestrichen. Weitere Arbeiten sind geplant. So wollen sie die Regenwasser-Fallrohre reparieren, damit die Hauswände nicht verfaulen, kaputte Dachkännel ersetzen, einen neuen Stubenboden verlegen, neue Zäune installieren und auch die zweite verschmierte Wand übermalen. «Wir sind zum Machen da», betont der Sprecher. Im Gegenzug für die Instandstellung wolle die Gruppierung auf dem Areal leben. Die Spaziergänger reagierten positiv, sagt er. Sie böten ihnen sogar Hilfe an. Besucher seien willkommen.
Die Gruppierung würde auch gerne für Strom und Wasser bezahlen, hält der Mann fest. Noch spülen sie die Toilette mit Seewasser und kochen mit Gas. Die Leute, die nicht zum ersten Mal eine Liegenschaft besetzen, wollen den Status klären. Sie hätten der Besitzerin einen Brief geschrieben, weil sie mit ihr einen Gebrauchsleihvertrag vereinbaren wollen, wie der Sprecher sagt.
Bisher keine Anzeige
Was die Besitzerin von diesem Vorschlag hält, ist offen. Sie war gestern für die «Zürichsee-Zeitung» nicht erreichbar. Jedenfalls ging bei der Polizei noch keine Anzeige wegen Hausfriedensbruch ein. Deshalb werde die Polizei auch nicht tätig. Die Polizei beobachte die Situation aber, sagt der Chef der Wädenswiler Stadtpolizei, Paolo Mikus.
Der Wädenswiler Stadtpräsident Philipp Kutter (CVP) sagt, der Stadtrat nehme die Besetzung zur Kenntnis. Die Stadt will die Liegenschaft seit Jahren erwerben, um die Seepromenade aufzuwerten und das Areal der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Offenbar ein schwieriges Unterfangen. «Wir haben der Besitzerin ein vernünftiges Angebot gemacht», sagt Kutter. Sie sei aber nicht darauf eingestiegen. «Ich kann mir aber vorstellen, dass wir die Besetzung zum Anlass nehmen, um bei ihr erneut anzuklopfen.»
