Online seit 23.02.2012 0:00
Der Traum vom grössten Schweizer Talent geht weiter
Wenn Andrea Sutter zur Gitarre greift, schmelzt Kater Onisha buchstäblich dahin. Doch er dürfte nicht der einzige Fan der Oetwilerin mit der schönen Stimme sein. Bild: Sabine Rock
Oetwil. Wegen einer verlorenen Wette musste Andrea Sutter beim Casting der grössten Schweizer Talente vorsingen. Bei ihrem Auftritt gewann sie die Herzen von Jury und Publikum. Und seit gestern Abend ist publik: Die Oetwilerin schaffte es in den Halbfinal.
Regine Imholz

Mit schweissnassen Händen und vor Aufregung weichen Knien steht Andrea Sutter hinter der Bühne der Maag-Halle in Zürich. Seit Stunden wartet sie auf ihren Auftritt bei «Die grössten Schweizer Talente». Erst als Zweitletzte tritt sie vor die Jury und das Saalpublikum und vor die laufenden Kameras. «Ich glaubte, ich würde ohnmächtig, als man mich endlich auf die Bühne winkte», erzählt die Oetwilerin ein paar Wochen später. Doch sie fällt nicht in Ohnmacht, sondern packt ihre Gitarre, marschiert vor die Jury und beginnt zu singen. Bereits nach wenigen Augenblicken hat sie nicht nur die Jury, sondern auch das Publikum in der Tasche. «Du weisst nicht, wie viel Schrott wir uns anhören mussten», ruft Jurymitglied DJ Bobo, «aber es hat sich gelohnt.» Und sein Kollege Roman Kilchsberger doppelt nach: «Gott sei Dank hast du die Wette verloren.»

Und tatsächlich begonnen hatte alles mit einer Wette gegen ihren Kumpel Iwen Spehar. Und weil die 18-Jährige diese verlor, musste sie sich für das Casting «Die grössten Schweizer Talente» beim Schweizer Fernsehen anmelden. Als sie versuchte, die Anmeldefrist zu «verpassen», zerrte ihr Kollege sie buchstäblich zum Vorsingen nach Zürich. Von dort ging es direkt auf die Showbühne. Und seit gestern Abend weiss die junge Frau, dass das Märchen noch nicht ausgeträumt ist sie hat den Sprung ins Halbfinal geschafft.

Wendepunkt im Leben

Andrea Sutter griff bereits als Achtjährige in die Gitarrensaiten. Mit neun komponierte und sang sie ihr erstes Lied. «Es ging darin um Luftballons und die grosse Freiheit», erinnert sie sich. Als Kind hatte sie immer Probleme, ihre Luftballons loszulassen. «Ich fand, die sehen so einsam aus», erzählt sie, «und wollte darum mit ihnen mitfliegen.» Mit elf Jahren sang sie ihren Gspändli im Schulhaus vor. «Das war der Wendepunkt in meinem Leben», betont die Oetwilerin. Sie sei damals dick und nicht gerade hübsch gewesen und habe sich deshalb immer zurückgezogen. Doch ihr Auftritt auf der Schulbühne veränderte ihr Leben. «Ich war nicht mehr die Dicke», sagt sie, «sondern das Mädchen, das schön singen kann.» Von da an wurde das Leben einfacher, plötzlich hatte sie viele Freunde.

Immer wieder drängten Freunde und Kollegen sie, doch eine Kostprobe ihres gesanglichen Könnens an eine Plattenfirma einzuschicken. Doch Andrea Sutter tat nichts dergleichen. «Ich hatte zu wenig Selbstbewusstsein», sagt sie. Das dürfte sich ändern, nachdem klar ist, dass sie am 3. März in Kreuzlingen auf der Bühne der Bodensee-Arena stehen wird.

Gehört zu den Besten

Dabei hatte sich die Oetwilerin nach ihrem ersten Auftritt gedacht, dass es das wohl gewesen sei. Trotz einhelligen Lobes von Seiten der Jury und Standing Ovations vom Publikum hätte sie nie gedacht, so weit zu kommen. «Wahnsinn», sagt die 18-Jährige andächtig, «ich gehöre zu den 24 besten Show-acts des Landes.» Neben Tänzern, Akrobaten und anderen Sängern wird sie in gut zwei Wochen wieder mit ihrer Gitarre auf die Bühne treten. Was für ein Lied sie vortragen wird, weiss sie noch nicht. Neben Familie und Freunden wird auch ihr bester Kumpel Iwen Spehar im Publikum sitzen. «Ohne ihn wäre nichts von alldem wahr geworden», sagt Sutter versonnen. Das Abenteuer habe sie alleine ihm zu verdanken. Darum wäre es ihr am liebsten, einer der Juroren würde ihn wie beim ersten Mal direkt zu ihr auf die Bühne hinaufschicken.

Dorfbekanntheit

Dass sie zu einer Dorfbekanntheit geworden ist, merkt die junge Oetwilerin jeden Tag. Im Dorfladen, wo sie an der Kasse arbeitet, gratulieren ihr die Kunden, und im Bus begrüssen sie völlig Unbekannte. Sie fühle sich dadurch ein bisschen verunsichert, sagt sie. An den 3. März mag sie noch gar nicht denken. «Ich habe richtig Angst», sagt Andrea Sutter. «Aber egal, wie es läuft», sagt sie lachend, «es wird ein Riesenerlebnis.»