Online seit 27.01.2012 0:00
Dutzende Helikopter fliegen wegen WEF täglich über den Zürichsee
Fliegen in diesen Tagen öfter als sonst über die Goldküste: Helikopter des Typs Super Puma der Schweizer Luftwaffe. Bild: key
WEF. In diesen Tagen fliegen so viele Helikopter wie sonst nie von Zürich nach Davos und wieder zurück. Auf ihrem Flug zum World Economic Forum (WEF) überqueren die Mächtigen der Welt die Zürichseeregion.
Frank Speidel

Für Freunde der Luftfahrt sind sie ein Augenschmaus, für Gegner des Fluglärms ein Ärgernis: die Helikopter, welche derzeit wegen dem World Economic Forum (WEF) zwischen Kloten und Davos verkehren. Nur bei schlechtem Wetter bleiben die Helikopter am Boden. Scheint die Sonne, herrscht am Himmel Hochbetrieb.

Ein paar Dutzend zivile Flüge seien es an Tagen, an denen viel geflogen wird, sagt Anton Kohler, Pressesprecher des Bundesamts für Zivilluftfahrt (Bazl). Ob überhaupt Helikopter fliegen, hänge von den Sichtbedingungen ab. Weil es sich bei den zivilen Flügen um Sichtflüge handelt, sind diese Hubschrauber nur tagsüber in der Luft. Am Dienstag konnten wegen des schlechten Wetters laut Kohler nur ganz wenige Helikopter zwischen Zürich und Davos verkehren.

300 Meter über Boden

Sämtliche zivilen Flüge zum WEF sind bewilligungspflichtig. «Piloten und Fluggeräte müssen akkreditiert sein», sagt Kohler. Auch die Zonen, in denen die Helikopter verkehren dürfen, sind reglementiert. Die vorgegebene Route für Flüge zum WEF führt über die Zürichseeregion. Betreffend der Höhe müssen die Piloten die gängigen Bestimmungen einhalten, welche für zivile Helikopter immer gelten: Über besiedelten Gebieten müssen sie mindestens 300 Meter vom Boden entfernt sein, in unbesiedelten Gebieten beträgt die Mindestdistanz zum Boden 150 Meter.

Es sind nicht nur zivile Helikopter, welche in diesen Tagen über den See fliegen. Der andere Teil der Helis, welche die Zürichseeregion überqueren, gehören zur Schweizer Luftwaffe. Über die Anzahl der Flüge kann Stefan Hofer, Sprecher der Luftwaffe, keine Angaben machen. Einerseits handle es sich bei den Flugbewegungen um Überwachungsflüge, andererseits um Flüge für völkerrechtlich geschützte Personen.

«Aufgrund deren Rang haben diese völkerrechtlich geschützten Personen ein Anrecht auf einen besonderen Schutz», sagt Hofer. Am Boden bedeutet dies, dass sie Anrecht auf eine Polizeieskorte haben. Oder aber sie werden mit dem Helikopter transportiert. «Wenn möglich werden sie auf dem Luftweg nach Davos gebracht», sagt Hofer. Mit Hubschraubern sei die Sicherheit einfacher zu gewährleisten, und die Reisedauer halte sich in Grenzen.

Armee fliegt auch nachts

Bei einigen der eingesetzten Helikopter handelt es sich um solche des Typs Super Puma. Diese fliegen auch in der Nacht. Dabei navigieren die Piloten mit Hilfe eines Nachtsichtgerätes. Können die Helis wegen schlechtem Wetter nicht starten, werden die zu schützenden Personen mit einer Eskorte nach Davos gefahren.

Gegen den Helikopterlärm habe man noch nichts zu unternehmen gedacht, sagt Thomas Morf, Präsident des Vereins Flugschneise Süd Nein (VFSN), der sich gegen Flugzeuglärm einsetzt. «Der Kampf gegen den Helikopterlärm wäre chancenlos», sagt er. Bedenklich findet Morf, dass die «Weltund Klimaretter» mit dem Heli zum WEF fliegen. «Gerade die», sagt er, «sollten doch mit gutem Beispiel vorangehen und mit dem Zug anreisen.»