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Kniebeugen statt Skifahren
Kniebeugen mit der 50-kg-Freihantel bilden den Auftakt zum ersten Krafttraining von Andrea Dettling nach der Schienbeinoperation. Bild: Manuela Matt
Ski Alpin. Einen Monat nach dem Eingriff an ihren Schienbeinen nahm Andrea Dettling gestern das Krafttraining wieder auf. Bis sie wieder auf die Skipisten zurückkehren kann, muss sich die 25-jährige Altendörflerin allerdings noch gedulden.
David Bruderer

In St. Moritz bestritten ihre Teamkolleginnen gestern das erste Training zur Weltcup-Abfahrt vom Samstag. Andrea Dettling absolvierte zur gleichen Zeit im TC Lachen ihr erstes Krafttraining seit der Logenoperation am 21. Dezember. Letztmals bei einem Weltcup-Rennen an den Start gegangen war die Altendörflerin vor Jahresfrist. Im Super-G von Cortina d?Ampezzo resultierte für sie der enttäuschende 32. Rang. Dettlings bisher einziger Weltcup-Podestplatz jährt sich just heute zum dritten Mal. Am 26. Januar 2009 war die Ausserschwyzerin auf der Tofana-Piste in Cortina hinter Jessica Lindell-Vikarby (Sd) und Anna Fenninger (Ö) Dritte geworden.

Dieser Jahrestag sei doch ein gutes Omen für einen Neustart, findet Dettling am Mittwochmittag während des Aufwärmens im Training-Center. «Die Erinnerungen an mein Bestresultat motivieren mich während des Aufbautrainings. Ich will das nochmals erleben.» Am Vormittag hatte die 25-Jährige im Büro der Firma ihres Onkels gearbeitet. Den 50-Prozent-Job mit flexiblen Arbeitszeiten bezeichnet die Skifahrerin als derzeit ideal: «Ich habe neben den Therapien und Krafttrainings eine Beschäftigung und bekomme erst noch einen willkommenen finanziellen Zustupf.»

Erstmals am Lauberhorn

Für Abwechslung sorgte vor zehn Tagen auch der erste Besuch der Lauberhorn-Abfahrt der Männer in Wengen. «Ich war so lange nicht mehr im Schnee und habe die Atmosphäre extrem genossen», sagt Dettling. «Ich hätte mir am liebsten ein Paar Ski geschnappt und wäre auch runtergefahren.» Dieses Gefühl habe sie darin bestätigt, dass Ski fahren wirklich das sei, was sie wolle.

Den Frauenrennen am kommenden Wochenende in St. Moritz bleibt das Mitglied der Nationalmannschaft allerdings fern. «Das würde mehr Energie kosten, als es mich motivieren würde.» Trotzdem drückt Dettling ihren Teamkolleginnen die Daumen. «Es freut mich, wenn es ihnen gut läuft. Wenn ich im Sommer in eine starke Mannschaft zurückkehren kann, habe ich Anhaltspunkte, wo ich im internationalen Vergleich stehe.»

Testfahrt für den «Kassensturz»

Bis dahin hat Andrea Dettling allerdings noch einen weiten Weg vor sich. Zum Einstieg ins erste Krafttraining wählt sie Kniebeugen mit der Freihantel. Statt mit rund 90 kg lässt es die Ausserschwyzerin mit 50 kg leicht angehen. «Es geht ganz gut», lautet ihr Fazit, als sie sich nach zehn Wiederholungen den Schweiss von der Stirn wischt. Nach knapp zwei Stunden ist die erste Krafteinheit im TC Lachen beendet. Nun geht es weiter nach Zürich, wo eine Vis-Influere-Sitzung ansteht. Mit dieser neuen Form der Hochfrequenz-Therapie hat Dettling gute Erfahrungen gemacht: «Ich spüre, dass sich etwas zum Positiven verändert.»

Neben Trainings, Therapie und Arbeit besucht Andrea Dettling auch Anlässe von Sponsoren. Swiss Ski bietet dazu während der Saison vor allem die verletzten Athleten auf. Dabei schreibt die Skifahrerin nicht nur Autogramme. Für den «Kassensturz» des Schweizer Fernsehens sass die 25-Jährige einen ganzen Tag am Steuer und testete die Stauumfahrungsfunktion von Navigationsgeräten. «Das war eine willkommene Abwechslung und bot mir Einblick in einen neuen Bereich», sagt die Altendörflerin.