Region
Online seit 24.10.2013 15:18
«Die Flughafennähe macht uns attraktiv»
Christoph Lang, der Standortföderer und Geschäftsführer des Vereins Flughafenregion Zürich. Bild: pd
Die Flughafenregion Zürich ist gemäss eigenen Angaben der Wirtschaftsstandort Nummer 1 in der Schweiz für nationale und internationale Unternehmen. Der «Glattaler» hat beim Standortförderer und Geschäftsführer Christoph Lang nach-gefragt, weshalb. Und was die Ziele noch sind, wenn man schon an der Spitze ist.
Interview: Martin Liebrich

Christoph Lang, was macht eigentlich ein Standortförderer?
Ich bin nicht mehr nur Standortförderer; neu bin ich Geschäftsführer der Flughafenregion Zürich. Der Verein Flughafenregion Zürich ist gegründet worden, um einerseits das Wirtschaftsnetzwerk in der Region zu fördern und andererseits, um sich für gute Rahmenbediungungen einzusetzen.

Mit welchem Ziel?
Das Ziel ist, dass die Flughafenregion Zürich nach wie vor die Wirtschaftsregion Nummer 1 der Schweiz bleibt. Wir vernetzen die Firmen untereinander, insbesondere mit dem Angebot von jährlich sechs bis acht spannenden Veranstaltungen, so unter anderem auch mit dem jährlichen Wirtschaftsforum im November in Dübendorf. In unserer Region sind 8000 bis 10 000 Firmen ansässig. Früher hörte ich vor allem an den von glow. das Glattal durchgeführten Tischmessen von Teilnehmern, sie hätten gar nicht gewusst, dass es beispielsweise in Dübendorf eine Firma gibt, mit der sie zusammenarbeiten könnten. In der Flughafenregion Zürich wollen wir eine starke Community bilden, die bei wichtigen Themen Lobbyingarbeit betreiben kann.

Und worum geht es bei der Standort-Entwicklung?
Um die Attraktivität der Standortfaktoren. Dazu gehören sämtliche guten Rahmenbedingungen wie die Erschliessung der Region, die glow. das Glattal mit der Glattalbahn Plus hervorragend vorantreibt.

Welche Schwierigkeiten gibt es?
Es fehlt beispielsweise an Industriebrachen. Ausser in der Empa haben wir kaum Gebäude, in denen wir interessierten Firmen eine Bodenbelastung von zwei Tonnen pro Quadratmeter oder mehr bieten könnten. Winterthur als ehemaliger Industriestandort kann diesbezüglich mehr bieten.

Welche Rolle spielen die Mietkosten für Firmen?
Für gewisse Produktionsbetriebe ist die Preislage in der Flughafenregion zu hoch. Die Nähe zum Flughafen und zur Stadt Zürich führt dazu, dass Flächen zum Beispiel bereits in Fehraltorf um einen Drittel bis zur Hälfte günstiger zu mieten sind. Meine Vision ist ein Gewerbepark, finanziert durch eine Stiftung, in dem junge Startups eine Chance bekommen. Partner könnten zum Beispiel Banken, Gewerbevereine, Firmen und Stiftungen sein.

Wenn Betriebe aus der Flughafenregion aufgrund des Preisdrucks ins Oberland abwandern – kann man davon ausgehen, dass die Stadt Zürich aus demselben Grund andere Betriebe an die auch schon etwas günstigere Flughafenregion verliert?
Nein, so generell stimmt das nicht. Grosskonzerne haben auch emotionale Interessen. Zum Beispiel hätten wir von der Flughafenregion gerne Google bei uns angesiedelt. Aufgrund der persönlichen Beziehungen der Chefs von Google Schweiz zu Zürich liess sich das Unternehmen aber in der Stadt nieder. Anders sieht es bei Allianz Schweiz aus. Die benötigten einen Standort, an welchem 1900 Personen im gleichen Gebäude arbeiten können, So etwas in der Stadt Zürich heute zu finden, ist schwieriger. Darum lassen sich solche Firmen in der Flughafenregion nieder – unter anderem auch, weil die Mietpreise günstiger sind. Für die Flughafenregion bedeutet dies: Büroflächen gehen nicht an Regionen ausserhalb verloren. Und Startups kommen vielleicht wieder zurück, wenn sie erfolgreich sind. Es gibt bereits heute Unternehmen, die im Zürcher Oberland produzieren, während die Kommunikation in der Flughafenregion angesiedelt ist.

Standortförderung sollte ja aber nicht nur Ziele verfolgen, sondern auch Erfolge aufweisen können. Wie sieht es diesbezüglich aus?
Anlässlich unserer ersten Generalversammlung referierte Patrick Schnorf von der Firma Wüest & Partner. Er zeigte  auf, dass die neun Gemeinden des Vereins Flughafenregion Zürich ein grösseres Wachstum aufweisen als Gemeinden, die nicht Mitglied sind – also zum
Beispiel Winkel, Lufingen, Fällanden, Schwerzenbach oder Volketswil.

Wie sieht es mit Letzteren genau aus?
Man muss sagen, dass Volketswil nicht weit zurückliegt. Gerne würden wir Volketswil als Mitglied in den Verein Flughafenregion Zürich aufnehmen. Im Moment klären wir ab, ob wir zwei Firmen in Volketswil ansiedeln können. Wir hoffen, dass dank unseren Bemühungen Volketswil in der nächsten Zeit Mitglied wird. Fällanden und Schwerzenbach sind eher Wohngemeinden und weniger industrielastig.

Insgesamt gilt das Glattal als eine der dynamischsten Regionen der Schweiz.
Gemeinden und Städte werden wie in den vergangenen Jahren weiter wachsen. In Dübendorf denke ich hier ans Hochbord oder an den InsiderPark. Auch in Opfikon wird weiter am Glattpark gebaut. Prognosen der Zürcher Planungsgruppe Glattal (ZPG) besagen, dass die Region aufgrund der attraktiven Standortfaktoren auch in den nächsten 20 bis 30 Jahren weiter wachsen wird. Die Region ist aufgrund der Flughafennähe attraktiv. Im Gegensatz zu den meisten anderen Standortförderungsorganisationen in der Schweiz, die schreiben, sie seien 40, 50 oder 90 Minuten vom Flughafen entfernt, sind wir die Flughafenregion.

Weil man schnell in der Stadt ist?
Nicht nur, sondern auch im Grünen. Wobei die Nähe zur Stadt Zürich sicher eine Rolle spielt. Es gibt den Viertelstundentakt per ÖV. Ein weiterer Vorteil ist das Bildungs- und Kulturangebot. Dieses ist im Grossraum Zürich sehr breit. Dabei haben viele Ortschaften in der Flughafenregion noch einen Kern mit ländlichem Charakter, der von der Bevölkerung ausserordentlich geschätzt wird.
Kann man davon ausgehen, dass mit der gesamten Region insgesamt auch der

Verein Flughafenregion Zürich wachsen wird?
Die Standortförderung Region Winterthur umfasst 23 Gemeinden. Wir haben offene Türen – unser Ziel ist, dass wir von heute 9 auf gegen 20 Gemeinden anwachsen können. Und von den 8000 bis 10 000 hier ansässigen Firmen sollen zehn Prozent im Verein Flughafenregion Zürich dabei sein. Das wird ein paar Jahre dauern, und es ist ein hohes Ziel. Aber man muss sich hohe Ziele setzen – sonst wird man träge!

Wie sieht es mit der Bevölkerung aus? Hat man sich da auch Ziele gesetzt?
Wenn mehr Betriebe in der Region angesiedelt sind, kommen auch die Einwohner. Die Flughafenregion zeichnet sich durch viele positive Standortfaktoren aus. Darum brauchen wir – im Gegensatz etwa zu Winterthur – kein Wohnortmarketing.

Das klingt alles nicht nur ambitioniert, sondern auch gross. Was haben kleinere und mittlere Unternehmen vom Verein Flughafenregion?
Gerade für KMU ist unser Wirtschaftsnetzwerk von grossem Nutzen. Sie können rasch und unkompliziert stets neue Geschäftskontakte knüpfen, vor allem bei unseren Veranstaltungen. Wir selber helfen auch in der Vernetzung direkt mit. Ferner bieten wir auch kurze  KMU-Beratungen an. Sobald es komplexer wird, vermitteln wir diese an unsere Mitglieder weiter.

Zum Schluss die Frage: Was, abgesehen vom bereits erwähnten Gewerbepark, fehlt der Region?
Warum nicht ein Vergnügugnspark? Viele Businessleute und Touristen übernachten in der Flughafenregion nur eine Nacht. Für die Hoteliers wäre es schön, wenn sie wenigstens zwei Nächte bleiben würden. Wenn wir in der Flughafenregion Zürich etwas Ähnliches hätten wie den Europa-Park, könnte dies gelingen. Ich finde, man muss die Idee aufwerfen. Die Flughafenregion und der Grossraum Zürich haben zusammen 1,3 Millionen Einwohner. Vielleicht hätte der Vergnügungspark, wenn man auch noch die Touristen berücksichtigt, eine gute Erfolgschance.

   
Martin Liebrich (ml) Manuela Moser (moa)
Leitung  
Daniela Schenker (dsh) Martin Allemann (alm)
«Glattaler», Postfach, Marktgasse 2,
8600 Dübendorf.
Telefon: 044/801 80 20, Fax 044/801 80 29.
redaktion@glattaler.ch
Redaktionschluss
«Glattaler»: im Regelfall Dienstag 16 Uhr.
«Volketswiler»: im Regelfall Montag 18 Uhr.
Auflage: 26'899 Exemplare
Verbreitung
Erscheint wöchentlich jeweils am Freitag in den Gemeinden Dübendorf, Fällanden, Schwerzenbach und Volketswil (mit dem separatem zweiten Bund «Volketswiler»).
Volketswiler
 
Toni Spitale (ts)  
«Volketswiler», Postfach, Brunnenstrasse 7, 8604 Volketswil.
Telefon: 044/997 14 51, Fax 044/997 14 52.
redaktion@volketswiler.ch
Inserate, Abos und Vertrieb
044 515 44 99
Zürcher Regionalzeitungen
  • Partner-Websites:

© Tamedia AG 2011 Alle Rechte vorbehalten